BVB-History: Bundesliga 1963/64 – Konietzkas historisches Tor!

Die 50. Bundesliga-Saison ist beendet. Grund genug und der richtige Zeitpunkt, einen schwattgelben Blick zurück auf die einzelnen Spielzeiten von 1963 bis heute zu  werfen. Das werde ich in meinem Blog von heute an in unregelmäßigen Abständen tun. Für die jüngeren Leser vielleicht genau das Richtige, um zu erfahren, wie sich der BVB zu dem entwickelt hat, was er heute ist. Für die älteren Leser ein willkommenes Wiederauffrischen der Erinnerungen an schwattgelbe  Triumphe und Tragödien, an Siege und Niederlagen, an große Titel ebenso wie an den Bundesliga-Abstieg 1972. Viel Spaß beim Schmökern! Laßt uns die schwattgelben Helden vergangener Jahre huldigen!

In die Auftakt-Saison der neugegründeten Bundesliga ging Borussia Dortmund als Deutscher Meister und Titelverteidiger – und galt somit als Favorit auf den ersten Bundesliga-Titel. Der Meistertitel konnte zwar nicht verteidigt werden – dennoch schrieb der BVB Bundesliga-Geschichte.

Mit Friedhelm „Timo“ Konietzka nämlich stellten die Schwattgelben den ersten Bundesliga-Torschützen überhaupt. Ein Jammer, daß ausgerechnet dieses Tor nicht auf Zelluloid gebannt werden konnte. Es gibt keine Fotos und auch keine bewegten Original-Aufnahmen dieses historischen Tores, daß der Dortmunder Stürmer in der ersten Spielminute zur 1:0-Führung des BVB beim SV Werder Bremen am 24.August 1963 erzielte. Am Ende unterlag Borussia den Grün-Weißen von der Weser mit 2:3.

http://www.kicker.de/news/bl50/video/1231241/video_das-erste-tor_konietzkas-historischer-moment-in-3d.html

Am Ende wurde Konietzka mit 20 Treffern Zweitplatzierter der ersten Bundesliga-Torjägerliste. Nur der große Uwe Seeler vom Hamburger SV traf mit 30 Toren öfter als der Dortmunder. „Uns Uwe“ wurde darüberhinaus auch Deutschlands „Fußballer des Jahres“. Konietzkas kongenialer Sturmpartner beim BVB, Lothar Emmerich, kam auf 16 Tore und belegte damit Rang sechs der Torjägerliste.

Friedhelm „Timo“ Konietzka (rechts)

Saison-Highlights aus Dortmunder Sicht waren sicherlich die Heimspiele gegen den 1.FC Kaisersalutern und den VfB Stuttgart. Die Pfälzer wurden mit sage und schreibe 9:3 (3 x Aki Schmidt) aus der Kampfbahn „Rote Erde“ geschossen, die Schwaben mußten sich mit 7:1 geschlagen geben.

Die ersten beiden Revierderbys der Bundesliga-Historie sahen jeweils die Heimmannschaften als Sieger. In Dortmund besiegte der BVB die Schalker Knappen mit 3:0, in Gelsenkirchen gab es eine 1:3-Schlappe.

Dem ersten  Dortmunder Bundesliga-Kader gehörten mit Heinz Kwiatkowski, Willi Burgsmüller und Helmut Bracht  noch drei Spieler an, die mit dem BVB 1956 und 1957 in den Endspielen gegen den HSV und den Karlsruher SC die ersten beiden Meisterschaften der Vereinsgeschichte errangen. Alfred „Aki“ Schmidt zählte damals zwar zum Kader, wurde aber in den Finalspielen nicht eingesetzt.

Borussia Dortmund bestach in dieser Premieren-Saison der Bundesliga durch herrlichen Offensiv-Fußball. Spektakuläre Siege wechselten jedoch mit deprimierend herben Niederlagen bei 1860 München und beim 1.FC Nürnberg. Dem begeisternden offensiven Spiel mußte die Abwehr der Schwattgelben Tribut zollen. 73 erzielten Toren standen 57 Gegentreffer gegenüber. Überragende Dortmunder waren Aki Schmidt und die drei Stürmer Brungs, Emmerich und Konietzka.

BVB-Coach Hermann Eppenhoff

Im Endklassement der ersten Bundesliga-Saison belegten die Schwattgelben mit ihrem Trainer Hermann Eppenhoff den vierten Platz. Meister wurde jener 1.FC Köln, der den Borussen noch ein Jahr zuvor im letzten Endspiel um die Deutsche Meisterschaft mit 1:3 unterlag. Vizemeister wurde der Meidericher SV, der Vorgängerklub des soeben vom Lizenzentzug der DFL betroffenen MSV Duisburg. Erste Absteiger waren Preußen Münster und der 1.FC Saarbrücken.

Borussia Dortmunds Kader in der Saison 1963/64 (in Klammern Einsätze/Tore)

Kwiatkowski (3/0), Tilkowski (21/0), Wessel (6/0)

W.Burgsmüller (19/0), Cyliax (11/3), Geisler (27/0), Paul (13/0), Pfeiffer (1/0), Redder (26/2)

Bracht (11/0), D.Kurrat (24/0), A.Schmidt (26/5), Sturm (29/4)

Brungs (25/9), Emmerich (29/16), Konietzka (25/20), H.J.Kurrat (1/1),   Rylewicz (11/5), Wosab (22/6)

Meinungen zum aktuellen BVB-Geschehen auch unter:

http://www.reviersport.de/meinungen/markus-bvb-blog.html

BVB-History: Vor 50 Jahren wurde Borussia Deutscher Meister

Heute vor 50 Jahren, am 29.06.1963, wurde Borussia Dortmund zum dritten Mal in seiner Vereinsgeschichte Deutscher Fußball-Meister. Im Endspiel um den deutschen Fußball-Thron bezwangen die Schwattgelben den 1.FC Köln im Stuttgarter Neckarstadion vor 75.000 Zuschauern mit 3:1.

Dieser dritte Meistertitel war gleichzeitig ein historischer! Denn der BVB wurde damit als letzter Verein Deutscher Meister durch ein echtes Finale. Mit Beginn der Saison 1963/64 startete die im Goldsaal der Westfalenhalle durch den DFB neugegründete Bundesliga.

Der alte Modus, in dem seit 1947 die deutsche Fußball-Landschaft in regionale Oberligen unterteilt war, deren Sieger die Deutsche Meisterschaft in einer Endrunde und einem abschließenden Finale ermittelten, war somit Geschichte.

BVB-Elf vorm Finale 1963

Auf dem Weg in dieses letzte Finalspiel traf Borussia Dortmund als Vize-Meister der Oberliga West in einer der beiden Endrunden-Gruppen auf 1860 München, den Hamburger SV und Borussia Neunkirchen.

Doch der Endrunden-Start stand unter keinem guten Stern. Denn die Schwattgelben unterlagen in ihrem Auftaktspiel bei den von Max Merkel trainierten Münchner Löwen mit 2:3. Nach dem frühen Rückstand schossen Wosab und Konietzka den BVB mit 2:1 in Führung. Doch zwei späte Gegentore besiegelten Borussias überraschende Niederlage. Enttäuschend auch das erste Endrunden-Heimspiel. Im Stadion „Rote Erde“ kam der BVB vor 31.000 Zuschauern nicht über ein torloses Remis gegen Borussia Neunkirchen hinaus.

Es folgten jedoch vier Siege am Stück, die Borussia schließlich ins Finale katapultierten. Vor 39.000 Zuschauern wurde der Hamburger SV zuhause mit 3:2 besiegt (Tore: A.Schmidt, Schütz, Kelbassa). In Hamburg erzielte Schütz das Tor des Tages zum 1:0-Sieg des BVB. Zweimal Konietzka und je einmal Schütz, Cyliax und A.Schmidt sorgten für einen überragenden 5:2-Erfolg in Neunkirchen. Im letzten Gruppenspiel wurde 1860 München vor 43.000 begeisterten Zuschauern mit 4:0 aus der „Roten Erde“ geschossen. Schütz und Konietzka waren je zweimal erfolgreich.

Der Weg nach Stuttgart ins Finale war somit geebnet. Und dort traf Borussia als Außenseiter ausgerechnet auf den alten West-Rivalen und Meister der Oberliga West, den 1.FC Köln. Die Rheinländer galten schon vor Saisonbeginn als der absolute Top-Favorit auf die Meisterschaft und hatten sich in ihrer Endrunden-Gruppe klar durchgesetzt. Köln war zu jener Zeit der am besten gemanagte und am professionellsten geführte Verein Deutschlands.

Gedenkmünzen an die 63er Meisterschaft

Mit Willi Burgsmüller und Helmut Bracht standen zwei Spieler in der Final-Elf des BVB, die bereits 1956 und 1957 zu den siegreichen Endspiel-Teams der Schwattgelben gehörten. Burgsmüller führte seine Mannschaft als Kapitän aufs Feld. Bei den Geißböcken vom Rhein wirkte mit Hans Schäfer einer der 54er „Helden von Bern“ mit.

BVB-Coach Hermann Eppenhoff verordnete seiner Mannschaft eine auf einer kompakten Deckung basierende Spielweise. Köln den Schneid abkaufen und selbst immer wieder Nadelstiche setzen – so lautete die Devise des Dortmunder Erfolgstrainers. Und seine Taktik ging glänzend auf. Anfangs bewahrte der überragende Keeper Wessel den BVB zwar vor einem frühen Rückstand. Doch mit dem ersten gefährlichen Angriff gelang „Hoppy“ Kurrat, eigentlich für die Bewachung des Kölners Schäfer zuständig, in der 9.Minute die Führung für Borussia. Der FC brauchte einige Zeit um diesen Rückstand zu verdauen und übernahm im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit zwar die Initiative, konnte unsere Schwattgelben jedoch nicht wirklich ernsthaft gefährden.

Kapitän Burgsmüller mit der Schale

Mit Beginn der zweiten Halbzeit erwartete Eppenhoff die Kölner „mit Schaum vorm Mund“. Und tatsächlich bedrängten die Rheinländer entsprechend wütend und druckvoll das Dortmunder Tor, fanden jedoch wie schon zu Beginn des Spiels in BVB-Keeper Wessel ihren Meister. Und wieder bestrafte Borussia die mangelhafte Chancenverwertung der Kölner gnadenlos. Innerhalb von acht Minuten erhöhte der BVB durch Wosab und A.Schmidt auf 3:0. Das Finale war nach 65 Minuten quasi entschieden. Borussias Kapitän Burgsmüller spielte trotz einer klaffenden Platzwunde am Kopf mit Verband bis zum Ende durch, was ihm später den Beinamne „Turban“ einbrachte. Zwar konnte Schnellinger für Köln noch den Anschlußtreffer erzielen, doch die Überraschung war perfekt!

Borussia Dortmund war Deutscher Meister 1963 und damit der letzte in einem Endspiel ermittelte Meister der deutschen Fußballgeschichte. Zum dritten Mal nach 1957 und 1956 ging die „Schale“ an den Borsigplatz!

Borussia: Wessel, Burgsmüller, Geisler, Bracht, Paul, Kurrat, Wosab, A. Schmidt, Schütz, Konietzka, Cyliax.

Köln: Ewert, Pott, Schnellinger, Benthaus, Wilden, Sturm, Thielen, Schäfer, Regh, Ripkens, Hornig.

Zuschauer: 75.000 (in Stuttgart)

Tore: 1:0 Kurrat (9.), 2:0 Wosab (57.), 3:0 A.Schmidt (65.), 3:1 Schnellinger (73.)

Mehr zum aktuellen BVB-Geschehen auch in meinem reviersport-Blog

http://www.reviersport.de/meinungen/markus-bvb-blog.html