BVB: Kader der unbegrenzten Möglichkeiten?

Borussia Dortmund hat auf die ständigen Personal-Engpässe der vergangenen Saison reagiert und seinen Kader unter der Woche mit Nationalspieler und Weltmeister Matthias Ginter komplettiert. Mit dem Transfer des 20jährigen Defensiv-Allrounders sind die Personalplanungen des BVB nun abgeschlossen. Zwar betont Sportdirektor Michael Zorc, daß man den Markt weiter beobachte, jedoch keinen weiteren Transfer plane. Borussias Kader umfasst nun 25 absolute Top-Spieler. Nie war ein BVB-Aufgebot unter Jürgen Klopp dermaßen ausgewogen und qualitativ und quantitativ gleichermaßen breit aufgestellt wie das für die kommende Saison. Hat Borussia nun einen Kader der unbegrenzten Möglichkeiten?

Die Antwort lautet „Ja“. Denn dem BVB-Coach bieten sich zahlreiche nahezu gleichwertige Rotations- und Variationsmöglichkeiten – vor allem dürfte es dem Dortmunder Übungsleiter in Zukunft leichter fallen, auf  Verletzungen und sonstige Ausfälle zu reagieren. Zudem erhöht sich durch die hochwertigen Alternativen Klopps Handlungsspielraum während der Spiele. Je nach Spielstand bieten sich dem Borussen-Coach nun innerhalb der neunzig Minuten zahlreiche Optionen, um auf den jeweiligen Spielverlauf zu reagieren. Weiterer Vorteil: die Trainingsqualität wird durch den zu erwartenden Konkurrenzkampf deutlich erhöht.

Borussias Nr.1: Weidenfeller

Durch die extrem hohe Leistungsdichte dieses auch quantitativ üppigen Dortmunder Aufgebots, besteht darüber hinaus die Möglichkeit, sogenannten „unverzichtbaren“ Stammkräften wie Hummels oder Reus vor allem während der zahlreichen „englischen Wochen“ Verschnaufpausen und dringend notwendige Regenerationszeiten zu gönnen. Dadurch minimiert sich das Risiko, daß kleinere Blessuren wie in der Vergangenheit nur unzureichend auskuriert werden, sich anschließend verschlimmern und irgendwann schließlich zu langen Ausfallzeiten führen.

KADER-ANALYSE

Beim detaillierten Blick auf den schwattgelben Kader stellt man fest, daß nun sämtliche Positionen mindestens doppelt und vor allem hochwertig besetzt sind. Weiterer Trumpf des Dortmunder Aufgebots ist die Vielzahl an Spielern, die auf mehreren Positionen einsetzbar sind. Allen voran natürlich „Allzweckwaffe“ Kevin Großkreutz.

Hoffnungsträger: Gündogan

Während bei den Torhütern alles beim alten bleibt (Weidenfeller Nr.1, Langerak als Vertreter), stehen Klopp beispielsweise als Innenverteidiger mit Hummels, Subotic, Sokratis und Ginter vier absolute Hochkaräter, allesamt Nationalspieler, zur Verfügung. Dazu gesellt sich mit Marian Sarr ein Rohdiamant, dem Klopp nun in aller Ruhe und ohne Zeitdruck den finalen Feinschliff verpaßen kann.

Auch die Außenverteidiger-Positionen sind doppelt und zudem namhaft mit vier Nationalspielern besetzt. Piszczek und Großkreutz rechts, Schmelzer und Durm links. Großkreutz könnte in Notsituationen auch links aushelfen, der etatmäßige Innenverteidiger Ginter gar auf beiden Seiten.

Im defensiven Mittelfeld ist die Auswahl für maximal zwei zu besetzende Positionen noch größer. Sahin, Gündogan und Jojic kommen für die kreative Hälfte der Doppel-Sechs in Betracht, Kehl, Kirch und Bender als Staubsauger für die eher defensiv ausgerichtete Hälfte. Eine weitere und somit die siebte Option stellt auch hier Matthias Ginter dar.

Im offensiven Mittelfeld liest es sich ähnlich prominent und qualitativ hochwertig. Blaszczykowski, Aubameyang, Hofmann, Großkreutz, Reus, Mkhitaryan und Ji gelten hier als erste Optionen – jedoch besteht für Klopp auch die Möglichkeit, mit Gündogan einen der etatmäßigen „Sechser“ auf der „Zehn“ hinter einer oder zwei Sturmspitzen zu positioneren. Das gleiche gilt für Jojic. Der Serbe kann neben seinem Part als „Sechser“ auch die offensiven Außenbahnen (oder je nach System die Halbpositionen) besetzen.

„Last but not least“ der Angriff. Die vorderste Front ist trotz der namhaften Zugänge von Ramos und Immobile die „große Unbekannte“ beim BVB. Nach Lewandowskis Abgang bleibt abzuwarten, wann (und ob überhaupt) die ohne Frage hoffnungsvollen „Neuen“ die riesige Lücke, die der Pole hinterlassen hat, zu schließen imstande sind. Möglicherweise wird sich die Statik des BVB-Spiels verändern, weil sowohl der Italiener als auch der Kolumbianer andere Spielertypen sind als ihr polnischer Vorgänger.

Lewandowski-Nachfolger: Ciro Immobile

Bleibt Klopp seinem System mit nur einer echten Sturmspitze treu, dürften sich Immobile und Ramos um den jeweiligen Startelf-Platz streiten. Ji und/oder Aubameyang gelten hier eher als „Notlösungen“. Ramos könnte zudem auch in der offensiv ausgerichteten Dreier-Reihe hinter Immobile agieren.

Auch ein Systemwechsel wäre unter den gegebenen Umständen vorstellbar. Bisher bevorzugte Klopp meistens das über Jahre bewährte BVB-typische 4-2-3-1-System. Zuweilen begann der Dortmunder Coach auch im 4-1-4-1-System mit nur einem Sechser. Da die Anzahl der qualitativ hochwertigen Sturm-Alternativen trotz „Lewy´s“ Abgang größer geworden ist, könnte es sein, daß Klopp zusätzlich ein 4-3-3 oder 4-4-2-System (mit Raute oder „flacher Vier“) einstudiert und bei Bedarf anwendet.

In der Kader-Analyse noch unberücksichtigt ist der ein oder andere Nachwuchs- oder U23-Spieler. Die Vergangenheit hat gezeigt, daß sich im Laufe einer Vorbereitung immer wieder das ein oder andere Talent in den Vordergrund spielt. Im Vorjahr war dies z. B. Erik Durm. Der damalige Nobody sorgte in Bundesliga und Champions-League für soviel Furore, daß er nur wenige Monate später sogar auf den WM-Zug aufsprang und mit der deutschen Mannschaft in Brasilien Weltmeister wurde.

KOMMENTAR/MEINUNG

Das neue Aufgebot der Borussia präsentiert sich sowohl quantitativ als auch qualititativ auf einem enorm hohen Niveau. Immer vorausgesetzt, daß der personelle Krankenstand nicht wieder ähnlich inflationäre Höhen wie in der vergangenen Saison erreicht, die Langzeitverletzten schnell wieder zu alter Form finden und die Neuzugänge zügig integriert werden.

Das Zusammenwachsen des Kaders und das Greifen wichtiger Automatismen wird Zeit und Geduld bei allen Beteiligten (inkl. der Fans) erfordern. Gerade zu Saisonbeginn könnte es aufgrund des terminlich unterschiedlichen Trainings-Einstiegs der WM-Teilnehmer zu einigen Stotterern im BVB-Getriebe kommen. Zudem werden Gündogan und Reus definitiv in den ersten Saisonspielen verletzungsbedingt noch fehlen.

Somit ist in der ersten Phase der neuen Spielzeit besonders wichtig (u. U. auch auf Kosten der spielerischen Qualität), daß in erster Linie die nackten Ergebnisse stimmen, um der Konkurrenz nicht schon frühzeitig hinterherhecheln zu müssen. Der spielerische Feinschliff mit den daraus resultierenden Automatismen sowie das Zusammenwachsen dieses Edel-Kaders dürfte sich ohnehin über die komplette Hinrunde ziehen.

Ich bin sehr gespannt auf die ersten wirklich ernsthaften Spiele unseres BVB und blicke der kommenden Saison mit viel Spannung, Vorfreude und Optimismus entgegen.

In diesem Sinne – schwattgelbe Grüße. NUR  DER  BVB !!

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BVB: Start in eine schwierige Vorbereitung

Während die Fußball-WM in Brasilien in ihre entscheidende Phase tritt, hat bei den meisten Klubs der ersten und zweiten Bundesliga bereits die Vorbereitung auf die neue Saison begonnen. Am gestrigen Samstag stieg auch Borussia Dortmund wieder ins Training ein. Beim Aufgalopp in die neue Spielzeit, in dessen Mittelpunkt der bei den Spielern „sehr beliebte“ Laktattest rückte, stand Borussias neuem Rekord-Trainer Jürgen Klopp (seit dem 01.07. im siebten BVB-Jahr) wegen des unterschiedlichen Einstiegs der WM-Teilnehmer allerdings nur ein Rumpf-Kader zur Verfügung. Marco Reus und Ilkay Gündogan fehlen verletzungsbedingt und sollen aller Voraussicht nach erst Mitte September in den Trainingsbetrieb einsteigen.

Zwei Trainingslager (08.-12.07. in Brixental/Kitzbüheler Alpen / 29.07. – 06.08. Bad Ragaz/Schweiz) bilden die Kernpunkte der Saisonvorbereitung der Schwattgelben, die mit dem Spiel der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde bei den Stuttgarter Kickers am 16.08. endet. Eingebettet in insgesamt acht Testspiele soll bis dahin die körperliche und taktische Basis für die kommende Spielzeit gelegt werden. Höhepunkte der sechswöchigen Vorbereitung sind das Testspiel beim FC Liverpool (10.08.) und das Supercup-Finale gegen Bayern München im heimischen Westfalenstadion (13.08.).

Die Saisonziele der Borussia sind noch nicht endgültig formuliert. Doch dürfte klar sein, daß die Schwattgelben in der Champions League erneut überwintern und im DFB-Pokal den Einzug ins Berliner Finale wiederholen wollen. In der Bundesliga soll für den BVB erneut eine Platzierung her, die den Verein direkt für die darauffolgende Champions-League-Saison qualifiziert – sprich Platz 1 bis 3.

Die größte Herausforderung für Jürgen Klopp in den kommenden Wochen besteht darin, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten ins Training einsteigenden WM-Teilnehmer rechtzeitig „spielfit“ zu bekommen. Zudem erhalten die deutschen WM-Akteure vier Wochen Urlaub und stehen Klopp sowohl für den Supercup als auch die erste Pokalrunde nicht zur Verfügung.

Außerdem gilt es, den Abgang des langjährigen Torjägers und Angriffsfixpunkts Robert Lewandowski zu kompensieren – eine echte Herkules-Aufgabe. In den vergangenen Jahren ist es dem BVB-Coach stets gelungen, die Verluste großer Leistungsträger wie Barrios, Kagawa und Götze wettzumachen. Die Lücke, die der polnische Weltklasse-Stürmer hinterläßt, dürfte jedoch nicht so einfach zu schließen sein – dafür war dessen sportlicher Wert als Mannschafts- und Teamplayer zu groß. Gut möglich, daß sich durch den Abgang Lewandowskis auch Borussias Spielstil ein wenig ändern wird.

Zwar hat Borussia für die neuen Offensiv-Kräfte Ciro Immobile (19 Mio./ FC Turin), Adrian Ramos (9 Mio. /Hertha BSC) und Dong-Won Ji (ablösefrei vom FC Augsburg) tief in die Schatulle gegriffen. Alle drei werden aber neben einer gewissen und völlig normalen Eingewöhnungsphase erst relativ spät ins Training der Borussia einsteigen, was sowohl ihre sportliche als auch menschliche Integration nicht gerade beschleunigt. Diesbezüglich ist Geduld im gesamten BVB-Umfeld gefragt. Fest verpflichtet wurde schließlich auch der bisher von Real Madrid lediglich ausgeliehene Nuri Sahin (7 Mio.).

Da auch Marco Reus, der die WM bekanntlich verletzungsbedingt verpaßte, erst im Laufe der Hinrunde wieder zur Verfügung steht, gestaltet sich die Formierung einer neuen Mannschaft (speziell der Offensive) und das Einüben von taktischen Abläufen und Automatismen in diesem Sommer extrem schwierig. Um dennoch einen dringend notwendigen erfolgreichen Saisonstart zu gewährleisten, wird Klopps Hauptaugenmerk ausschließlich darauf ausgerichtet sein, die bestmögliche Formation für das erste Bundesligaspiel zu finden. Am 23. August erwartet die Borussia im Westfalenstadion mit Bayer Leverkusen sofort einen ihrer größten Konkurrenten im Kampf um die Champions-League-Plätze.

Die wichtigsten „Neuzugänge“ könnten diesmal ohnehin vielleicht sogar aus dem eigenen Lazarett kommen. Neven Subotic und Jakub Blaszczykowski fehlten der Mannschaft nahezu die komplette Rückrunde der abgelaufenen Saison, Ilkay Gündogan ist seit fast einem Jahr außer Gefecht. Auch und insbesondere durch die Rückkehr dieser drei Spieler wird sich in den nächsten Monaten eine Konkurrenzsituation entwickeln, die es so in Dortmund wohl noch nie gab. Alle drei Spieler heben das Qualitätsniveau des Dortmunder Kaders nochmals auf eine höhere Stufe und bieten Jürgen Klopp nahezu ein unerschöpfliches Reservoir an taktischen Variations- und personellen Rotationsmöglichkeiten. Aber besonders im Falle der Rekonvaleszenten gilt bezüglich ihres Leistungsvermögens das Geduldsprinzip.

Nicht mehr zum Kader gehören neben dem bereits erwähnten Robert Lewandowski auch die beiden Angreifer Julian Schieber und Marvin Ducksch. Schieber wurde für ca. 3 Mio. Euro zu Hertha BSC transferiert, während Ducksch auf Leihbasis zu Aufsteiger SC Paderborn wechselt. Der im vergangenen Herbst aufgrund der großen Verletzungsmisere verpflichtete Manuel Friedrich bricht seine Zelte in Dortmund ebenfalls ab.

Weitere Zu- und Abgänge sind nicht mehr geplant. Lediglich in die Personalie des Freiburger WM-Teilnehmers und Defensivspezialisten Matthias Ginter könnte bis zum Ende der Wechselperiode nochmal Bewegung kommen. Borussia und der Spieler sind sich über einen sofortigen Wechsel einig. Doch weigert sich der SC Freiburg momentan gegen diesen Transfer und pocht verständlicherweise auf Einhaltung des bestehenden Arbeitspapiers. Der BVB hat jedoch die Hoffnung auf ein sofortiges Zustandekommen des Transfers noch nicht aufgegeben, kann den Lauf der Dinge jedoch entspannt abwarten. Dringender oder sogar akuter Handlungsbedarf besteht im Defensivbereich der Borussen definitiv nicht

Eine genaue Analyse über die Breite und Qualität des Dortmunder Kaders sowie die verschiedenen personellen und taktischen Variationsmöglichkeiten, die sich Jürgen Klopp in der kommenden Saison bieten, folgt in den nächsten Tagen.

Borussias vorläufiger Kader für die neue Saison:

– Weidenfeller, Langerak

– Piszczek, Durm, Sokratis, Subotic, Hummels, Sarr, Schmelzer

– Kirch, Sahin, Jojic, Bender, Gündogan, Kehl

– Mkhitaryan, Reus, Aubameyang, Blaszczykowski, Hofmann, Großkreutz

– Immobile, Ramos, Ji.

In diesem Sinne…nur der BVB!