Supercup-Sieg: Borussia ist gerüstet!

Mit einem 2:0-Sieg über den Deutschen Meister und Erzrivalen Bayern München errang Borussia Dortmund zum fünften Mal den deutschen Supercup. Mkhitaryan und Aubameyang erzielten im ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion die Treffer zum hochverdienten Sieg. Der BVB ist damit Rekordsieger in diesem in Deutschland eher stiefmütterlich behandelten Wettbewerb. Bedeutungsvoller als der errungene Titel dürfte für die Westfalen aber ohnehin der erlangte Prestigegewinn im Direktvergleich mit dem ewigen Rivalen von der Isar sein.

Nur drei Tage nach dem völlig verkorksten Auftritt an der legendären Anfield-Road, in dem Borussia dem englischen Vizemeister FC Liverpool klar und deutlich mit 0:4 unterlag, zeigte die Elf von Trainer Jürgen Klopp ihren Fans im ersten Pflichtspiel der neuen Saison ein ganz anderes Gesicht.

Jubel nach Mikis 1:0 (Foto: kicker)

Beide Teams mußten auf einige ihrer namhaftesten Akteure verzichten. Beim BVB fehlten neben den beiden Weltmeistern Hummels und Weidenfeller mit Gündogan, Reus, Sahin und Blaszykowski vier weitere potentielle Stammkräfte. Dazu saßen mit Großkreutz und Durm zwei Weltmeister bedingt durch ihren verspäteten Trainingseinstieg zunächst auf der Bank.

Bei den Gästen aus München fehlten im Gegenzug so namhafte Protagonisten wie Robben, Ribery, Thiago und Schweinsteiger. Der vom BVB zu den Bayern gewechselte Superstar Robert Lewandowski betrat seine ehemalige Wirkungsstätte erstmals nicht im schwarzgelben Trikot der Borussia.

ANALYSE

Jürgen Klopp beantwortete die Frage nach dem möglicherweise im BVB-Spiel entstandenen Lewandowski- Vakuum mit einem Systemwechsel. Borussias Coach ordnete seine Manschaft in einem ungewohnten 4-4-2-System mit Raute und zwei Sturmspitzen an. Ihrem typischen Spielstil, basierend auf Balleroberung und schnellem Umschaltspiel, blieben die Borussen dabei jedoch nach wie vor treu.

Dominierten die Bayern die Anfangsphase noch mit ihrem gewohnten und auf Ballsicherheit ausgerichteten Kurzpass-Spiel, fand der BVB mit zunehmender Spieldauer immer besser in die Partie. Schon vor dem Seitenwechsel übernahm Dortmund die Initiative und kam zu der ein oder anderen guten Tormöglichkeit.

Jubel des Spidermans nach dem 2:0 (Foto: kicker)
Im zweiten Durchgang erspielte sich der BVB gar eine Torschuß-Statistik von 22:4 (!!). Besonders auffällig dabei der in jeder Hinsicht stark verbesserte Aubameyang, den Klopp als zweite Sturmspitze neben den italienischen Neuzugang Ciro Immobile positionierte. Letzterem fehlte zunächst trotz aller Bemühungen noch die Bindung zu seinen Mitspielern, später deutete der Millionen-Einkauf jedoch einige Male seine Klasse an.

 

Auch defensiv hinterließ der BVB einen zum jetzigen Zeitpunkt der Saison überraschend gefestigten Eindruck. Der griechische Nationalverteidiger Sokratis entpuppte sich dabei als überragender Akteur der Dortmunder Viererkette. Das direkte Duell mit seinem ehemaligen Mannschaftskameraden Lewandowski gewann „Papa“ klar und deutlich. „Lewy“ hatte bei seiner Rückkehr ins Westfalenstadion lediglich eine einzige nennenswerte Aktion, als er freistehend am glänzend reagierenden Langerak scheiterte.

Zweikampf Immobile/Alaba (Foto: kicker)

Mit der Hereinnahme von Erik Durm für Marcel Schmelzer zu Beginn der zweiten Halbzeit machte Jürgen Klopp deutlich, dass die Position des linken Außenverteidigers in Bezug auf den Saisonstart die am meisten umkämpfte im Dortmunder Kader sein könnte. Momentan scheint „Platzhirsch“ Schmelzer aufgrund der komplett absolvierten Vobereitung leicht die Nase vor Weltmeister und Herausforderer Durm zu haben.

Positiv auch der Auftritt von Henrikh Mkhitaryan. Der Armenier sprühte nur so vor Spiel- und Einsatzfreude. Daß „Miki“ ein super Fußballer ist, stand schon in seinem ersten BVB-Jahr außerhalb jeder Diskussion. Gelingt es dem Mittelfeld-Akteur jetzt noch, diese Leistung konstant abzurufen, könnte Mkhitaryan zu einem der Top-Stars der neuen Saison werden.

Dieses Prädikat wird sich Oliver Kirch wahrscheinlich nicht mehr verdienen können. Aber der 31jährige Spätstarter überzeugte nach einer für seine Verhältnisse bärenstarken Rückrunde auch im ersten Pflichtspiel der neuen Saison. Allein mit der Startelf-Nominierung unterstrich Jürgen Klopp Kirchs extrem gestiegenen Stellenwert im Edel-Kader des BVB.

MEINUNG/KOMMENTAR

Der Sieg im Supercup-Finale beweist, daß mit Borussia Dortmund in der neuen Saison zu rechnen sein wird. Allerdings sollte der Erfolg gegen die Bayern dabei ebenso wenig überbewertet werden, wie die einige Tage zuvor erlittene 0:4-Klatsche in Liverpool.

 

Das Spiel gegen den Erzrivalen unterstrich jedoch die sowohl in Qualität als auch Quantität gestiegene Breite des Dortmunder Kaders. Wie bereits an anderer Stelle dieses Blogs ausführlich analysiert (siehe Artikel „Kader der unbegrenzten Möglichkeiten“), bietet das Aufgebot des BVB eine Vielzahl an personellen und taktischen Variationsmöglichkeiten.

Beruhigend wirkt sich dabei vor allem die gewonnene Erkenntnis aus, daß Borussia auch ohne ihren abgewanderten Superstar Robert Lewandowski durchaus in der Lage ist, attraktiven und erfolgreichen Offensiv-Fußball zu spielen. Daß dabei noch nicht alles Gold ist, was glänzt, liegt in der Natur der Sache.

Denn vor allem die externen Neuzugänge benötigen Geduld. Für sie gilt es zunächst, sich nicht nur an die sportlichen Abläufe auf dem grünen Rasen, sondern auch an das für sie ungewohnte und spezielle Umfeld des BVB zu gewöhnen.

Auch die internen Neuzugänge in Person der nach und nach zurückkehrenden Rekonvaleszenten wie Gündogan, Blaszykowski und Subotic benötigen Zeit, um durch individuelle und zielgerichtete Trainingsumfänge zu alter Klasse zurückzufinden.

Gelingt es Jürgen Klopp dann noch, seine verspätet und erst nach und nach ins Training eingestiegenen Weltmeister relativ zügig in ihren gewohnten Rhythmus zu bringen, steht einer erfolgreichen Saison des BVB nichts mehr im Wege.

Selbst ein dermaßen beispielloses Verletzungspech wie das der vergangenen Saison dürfte den BVB diesmal nicht bis ins Mark erschüttern. Zum Ende der vergangenen Hinrunde verspielte Borussia alle Chancen auf die Meisterschaft, als Jürgen Klopp auf die reihenweise ausfallenden Leistungsträger nicht mit entsprechend gleichwertigen Alternativen reagieren konnte.

Mit dem jetzigen Kader ist Borussia Dortmund definitiv in der Lage, bis zum Ende der Saison auf allen drei Hochzeiten gleichmäßig erfolgreich und attraktiv zu tanzen.

In diesem Sinne verbleibe ich mit schwattgelben Grüßen.  NUR  DER  BVB  !!

Die PK nach dem Spiel mit Klopp und Guardiola (präsentiert von SportLiveDortmund):

DIE STATISTIK

Borussia Dortmund: Langerak – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer (46. Durm) – Kehl – Kirch (84. Bender), Mkhitaryan – Hofmann – Aubameyang (63. Ramos), Immobile

FC Bayern München: Neuer – Boateng, Martinez (31. Dante), Alaba – Hojberg (59. Götze), Gaudino, Rode, Bernat – Müller (46. Lahm), Lewandowski, Shaqiri

Tore: 1:0 Mkhitaryan (23.), 2:0 Aubameyang (62., Piszczek)

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)

Gelbe Karten: – Hojberg, Boateng, Lahm

Zuschauer: 80.667 (ausverkauft)

HIER SPRICHT KLOPPO

„Wir haben ein ganz, ganz tolles Spiel gemacht für die Phase, in der wir uns befinden. Wir sind ganz bestimmt nicht der unverdiente Gewinner und jetzt Rekordsupercupgewinner. Es ging für uns auch darum, auf das zu reagieren, was in Liverpool war. Das hat uns nicht gefallen. Denn es war das krasse Gegenteil von dem, wie wir Fußball spielen wollen. Heute konnte ich unseren Fußball wiedererkennen.

Wir haben Raute gespielt und Hoffi auf der Zehn. So wie Bayern spielt, bedeutet dies, dass die beiden Spitzen sehr breit verteidigen müssen. Und der Zehner muss rausrücken, um Druck ausüben zu können. Das haben die Jungs gut gemacht, sehr gut gemacht.

Wir waren gegen den Ball extrem griffig, haben hoch und mutig verteidigt. Wir sind konzentriert und konsequent geblieben, haben unsere Möglichkeiten gehabt nach tollen Balleroberungen. Das erste Tor haben wir erzwungen und das zweite toll herausgespielt und vollendet. Das größte Problem in Spielen gegen Bayern München ist, sie nicht zu Torchancen kommen zu lassen. Das ist uns über einen langen Zeitraum gelungen, weil wir das sehr, sehr kompakt verteidigt haben. Damit bin ich total zufrieden.

Oli Kirch hat einen Schlag auf den Spann abbekommen. Dort ist ein kleiner Riss. Marcel Schmelzer hat Adduktorenprobleme. Das kann eng werden für Stuttgart. Sokratis läuft auch nicht rund.“

MEINE BVB-NOTEN

Langerak (2), Piszczek (2,5), Sokratis (1), Ginter (3), Schmelzer (3), Kehl (3), Kirch (2,5), Mkhitaryan (2,5), Hofmann (3), Aubameyang (2), Immobile (3), Durm (3), Ramos (-), Bender (-).

Alle Testspiele in der Statistik

Die heiße Phase der Vorbereitung ist beendet. Heute abend geht es für Borussia Dortmund um den ersten offiziellen Titel der neuen Saison. Gegen den Erzrivalen und Deutschen Meister Bayern München will der BVB den im Vorjahr errungenen Supercup im ausverkauften Westfalenstadion verteidigen. Als kleinen Service für alle schwattgelben Fans haben wir nachfolgend alle Vorbereitungsspiele der Borussia nochmal statistisch aufgearbeitet.


15.07.2014

Hessen Kassel – BVB 1:4

BVB: Alomerovic (46. Bonmann) – Piszczek (46. Bender), Hornschuh, Nyarko, Schmelzer (46. Dudziak) – Kehl (46. Kirch) – Jordanov, Jojic (46. Mkhitaryan), Gyau, Harder – Aubameyang (46. Hofmann)

Tore: 1:0 Lemke (38.), 1:1 Jordanov (63.), 1:2 Mkhitaryan (66.), 1:3 Harder (71.), 1:4 Kirch (77.)

Zuschauer: etwa 17.000

19.07.2014

FC Heidenheim – BVB 3:4

BVB: Alomerovic – Piszczek (46. Narey), Hornschuh, Nyarko (74. Subotic), Schmelzer (46. Bandowski) – Kirch (46. Bender), Kehl (46. Jojic) – Gyau, Harder, Jordanov (46. Mkhitaryan) – Aubameyang (46. Hofmann)

Tore: 0:1 Aubameyang (21.), 1:1 Niederlechner (24.), 2:1 Leipertz (38.), 2:2 Mkhitaryan (54.), 3:2 Mayer (66.), 3:3 Mkhitaryan (71.), 3:4 Gyau (86.)

Zuschauer: 9.000

22.07.2014

VfL Osnabrück – BVB 1:1

BVB 1. Halbzeit: Bonmann – Piszczek, Subotic, Stankovic, Schmelzer – Kirch, Bender – Hofmann, Ji, Gyau – Aubameyang

BVB 2. Halbzeit: Alomerovic – Narey, Hornschuh, Zimmermann, Bandowski – Kehl – Jordanov, Jojic, Mkhitaryan, Harder – Immobile

Tore: 1:0 Feldhahn (34., Foulelfmeter), 1:1 Mkhitaryan (65.)

Zuschauer: 13.000

27.07.2014

Rot-Weiß Essen – BVB 1:5

BVB: Bonmann (46. Langerak) – Piszczek (48. Knystock), Subotic (78. Maruoka), Zimmermann, Schmelzer (68. Güll) – Sahin (46. Kehl), Kirch (46. Bender) – Hofmann (73. Amini), Mkhitaryan (46. Jojic) Aubameyang (46. Ji), Immobile (46. Derstroff)

Tore: 0:1 Aubameyang (8.), 0:2 Aubameyang (10.), 0:3 Subotic (22.), 0:4 Mkhitaryan (25.), 0:5 Immobile (30.), 1:5 Soukou (40.)

Zuschauer: 17.000

01.08.2014

BVB – Chievo Verona 1:0 (in Altach, AUT)

BVB 1. Halbzeit: Langerak – Piszczek, Subotic, Zimmermann, Schmelzer – Maruoka, Kehl, Amini, Hofmann – Ramos, Immobile

BVB 2. Halbzeit: Bonmann – Knystock, Sokratis, Zimmermann, Güll – Bender – Jojic, Kirch – Maruoka, Ji, Aubameyang

Tor: 1:0 Aubameyang (73.)

Zuschauer: 7.156 in Altach (AUT)

03.08.2014

FC Rapperswil – BVB 0:10

BVB 1. Halbzeit: Langerak – Knystock, Subotic, Ginter, Schmelzer – Kirch – Jojic, Mkhitaryan – Ji – Aubameyang, Ramos

BVB 2. Halbzeit: Bonmann – Knystock, Sokratis, Sarr, Güll – Kehl, Bender – Maruoka, Amini, Hofmann – Immobile

Tore: 0:1 Aubameyang (2.), 0:2 Aubameyang (15.), 0:3 Ji (16.), 0:4 Mkhitaryan (26.), 0:5 Ji (37.), 0:6 Ramos (39.), 0:7 Maruoka (52.), 0:8 Immobile (56.), 0:9 Hofmann (75., Foulelfmeter), 0:10 Immobile (89.)

Zuschauer: 2.800 (ausverkauft)

06.08.2014

Slask Breslau – BVB 0:3

 BVB: Langerak – Piszczek (81. Knystock), Subotic (70. Sarr), Sokratis (46. Ginter), Schmelzer (77. Güll) – Mkhitaryan (60. Maruoka), Kehl (46. Jojic), Kirch (81. Amini), Hofmann (88. Blaszczykowski) – Aubameyang (46. Ramos), Immobile (46. Ji)

Tore: Mkhitaryan (10.), 0:2 Immobile (20.), 0:3 Ramos (82.)

Zuschauer: 34.000

10.08.2014

FC Liverpool – BVB 4:0

BVB: Langerak – Piszczek (58. Großkreutz), Sokratis (81. Sarr), Ginter, Schmelzer (81. Knystock) – Kehl (46. Bender) – Aubameyang (71. Bandowski), Jojic (76. Amini), Kirch (46. Hofmann), Mkhitaryan (63. Ji) – Ramos (46. Immobile)

Tore: 1:0 Sturridge (10.), 2:0 Lovren (14.), 3:0 Coutinho (48.), 4:0 Henderson (61.)

Zuschauer: 46.000 (ausverkauft)

Die Pressekonferenz zum Supercup-Spiel gegen Bayern München (präsentiert von SportLiveDortmund)

Soooo….nun lasst die Saison beginnen – her mit dem ersten Titel!!!

Nur der BVB!!

BVB um den Sieg betrogen!

Um eines von vornherein klar zu sagen. Bayern München war beim Pokalfinale in Berlin am Ende um einen Tick stärker als unsere schwattgelben Jungs. Aber die Frage muß erlaubt sein: wie wäre das Spiel verlaufen, wenn Schiedsrichter Florian Meyer in der 64. Minute dem klar regulären Treffer von Mats Hummels nicht die Anerkennung verweigert hätte? Antwort: es hätte wohl keine Verlängerung gegeben, Dortmund wäre jetzt höchstwahrscheinlich Pokalsieger und ausgerechnet jenen Akteuren der Bayern, die sich unter Gurdiola über zu wenig Einsatzzeiten beklagen, wären die schmerzhaften Wadenkrämpfe erspart geblieben.

Schlüsselszene: Dante klärt Hummels Kopfball hinter der Linie

So bleibt, wie schon nach dem letztjährigen Champions-League-Finale, erneut die bittere Erkenntnis, daß Borussia Dortmund in Berlin weniger am Gegner aus München, als vielmehr an den folgenschweren Fehlentscheidungen des jeweiligen Schiedsrichters gescheitert ist. Denn in Berlin sorgte nicht nur der nicht anerkannte Hummels-Treffer für empörtes Entsetzen.

Der von den Medien als neuer „BVB-Schreck“ gefeierte Arjen Robben hätte zum Zeitpunkt seines Treffers zum 1:0, ähnlich wie Vorlagengeber Boateng, gar nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen. Für seine plumpe und unverschämt offensichtliche „Schwalbe“ im Dortmunder Strafraum sah der „fliegende Holländer“ zwar die gelbe Karte. Es hätte allerdings Gelb-Rot und somit Platzverweis sein müssen. Schiedsrichter Meyer versäumte es nämlich, dem Niederländer bereits in der ersten Halbzeit  wegen zweier klarer taktischer Fouls die regeltechnisch dafür vorgesehene Verwarnung auszusprechen.

Weidenfeller empört über Robbens Schwalbe

Dasselbe gilt für Robbens Teamkamerad Jerome Boateng. Und auch Javi Martinez verließ in nahezu jedem Zweikampf den Weg der in den Fußball-Regeln vorgeschriebenen Legalität.

Auf einen langen und ausschweifenden Spielbericht und die daran anschließende Analyse verzichte ich diesmal bewußt. Das Pokalfinale war ein intensiver Abnutzungskampf zweier äußerst diszipliniert agierender Mannschaften auf Augenhöhe. Ein Fest für Taktikfreaks – nicht jedoch für Feinschmecker abwechslungsreicher Offensivspektakel. Lange Zeit ohne große Höhepunkte und eben relativ unspektakulär.

Ein Finale mit einem überragenden und auf absolutem Weltklasse-Niveau agierenden Mats Hummels, mit einem bärenstarken Roman Weidenfeller, mit einer aufopferungsvoll kämpfenden und geschlossen diszipliniert auftretenden Mannschaft. Mit einem Robert Lewandowski, der in seinem letzten Spiel im BVB-Dress nicht wie gewohnt zur Entfaltung kam. Mit einem nimmermüden Marco Reus, der permanent versuchte, für offensive Akzente zu sorgen.

Letztlich reichte es für unsere Jungs nicht zum vierten Pokalsieg. Erstens aus oben bereits angesprochenen Gründen. Zweitens natürlich auch, weil unserem BVB am Ende der kräftezehrenden 120 Minuten Konzentrations-Fehler (Großkreutz vor dem 1:0) unterliefen, die die Bayern eiskalt zur späten Entscheidung nutzen konnten.

Allerdings fehlte es dem Dortmunder Spiel an diesem denkwürdigen Abend auch an offensivem Durchsetzungsvermögen. Zudem konnte das von gegnerischen Mannschaften so gefürchtete Pressing und Umschaltspiel vom BVB nicht wie gewohnt umgesetzt werden. Gelangen den Schwattgelben  Balleroberungen, verlor man das Leder zu schnell wieder oder setzte in oft sogar unbedrängten Situationen – zur Freude der Bayern-Defensive – auf langgeschlagene Bälle.

Am Ende macht sich ob der bitteren 0:2-Niederlage großer Frust in der schwattgelben Fußball-Seele breit. Dabei schmerzt nicht mal so sehr die Niederlage als solche. Ehrliche Anerkennung für den Gegner, wenn dieser verdient gegen den BVB die Oberhand behielt,  wurde von dieser Stelle aus schon mehrfach ausgesprochen. Vielmehr erzeugt die Art und Weise des Zustandekommens durch krasse Fehlentscheidungen der „Unparteiischen“ Frust und Empörung.

Robben gegen Hummels

Und dennoch überwiegt einen Tag nach dem Berliner Finale der Stolz auf diesen Verein und diese Dortmunder Mannschaft. Borussia hat eine Saison, geprägt von Nackenschlägen und großen personellen Problemen, in einer einzigartigen und beeindruckenden Art und Weise  bewältigt. Daraus sollte man Selbstvertrauen und Optimismus für die Zukunft ziehen. Denn irgendwann wird Ausdauer und der unerschütterliche Glaube an die eigene Stärke auch wieder belohnt. Und irgendwann ist der BVB wieder so stark, daß selbst zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidungen schwattgelbe Titel und Triumphe nicht mehr verhindern können.

In diesem Sinne! Nur der BVB!

(Fotos: kicker)

Jürgen Klopps Analyse der Schlüsselszene, des nicht gegebenen Tores von Mats Hummels.

 DIE STATISTIK

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Jojic, Sahin – Mkhitaryan, Reus, Großkreutz – Lewandowski

Bayern München: Neuer – Boateng, Martinez, Dante – Hojbjerg, Lahm, Kroos, Rafinha – Müller, Götze – Robben

Einwechselungen: 60. Kirch für Mkhitaryan, 83. Aubameyang für Jojic, 110. Hofmann für Großkreutz – 31. Ribery für Lahm, 102. van Buyten für Hojbjerg, 109. Pizarro für Ribery

Tore: 0:1 Robben (107., Boateng), 0:2 Müller (120.+3, Pizarro)

Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)

Gelbe Karten: – Kroos, Hojbjerg, Boateng, van Buyten, Robben

Zuschauer: 76.197 (ausverkauft)

 

HIER SPRICHT KLOPPO

(Auszüge aus Klopps Bankettrede nach dem Finale)

„Das Leben ist eine Ansammlung von Versuchen. Wenn man immer nur das machen würde, was zu 100 Prozent gelingt, wie langweilig wäre das denn? Das, was wir heute Abend gemacht haben, war eine Art Versuch, erneut einen Titel zu  gewinnen. Das hat leider nicht geklappt. Wir haben uns trotzdem als Verein und als Gemeinschaft präsentiert, wie es außergewöhnlicher nicht geht.

Wir alle wissen, wie das Spiel ausgegangen wäre, wie es gestanden hätte, wenn das Tor gezählt hätte. 1:0 für uns. Die Bayern haben sich Wadenkrämpfe rausgedrückt, haben irgendwie auf Zeit gespielt – und wir haben alles versucht, was ging.

Wenn heute Abend nur einer zu mir sagt ‚Schade‘, dem haue ich stumm das Glas aus der Hand. Wir kommen definitiv wieder. Diese Mannschaft ist so charakterstark. Egal, wer uns weggenommen wird, wir holen neue Jungs dazu. Macht euch keine Gedanken!“

MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (1,5), Piszczek (4), Sokratis (2), Hummels (1), Schmelzer (4), Sahin (4), Jojic (3,5), Mkhitaryan (4,5), Reus (3,5), Großkreutz (3,5), Lewandowski (3,5), Kirch (3), Aubameyang (3,5), Hofmann (-).

BVB ist heiß auf den „Pott“

Der Zeitpunkt des Showdowns ist gekommen. Am Samstag abend treffen im Berliner Olympiastadion mit Borussia Dortmund und Bayern München die beiden nationalen Top-Teams im Finale um den DFB-Pokal aufeinander. 13 Spieler aus Jogi Löws vorläufigem WM-Kader tummeln sich auf dem Rasen, 76.000 Zuschauer bilden einen gebührenden Rahmen, 189 Länder sind live zugeschaltet, 802 Medienvertreter  akkreditiert. Für die zahlreichen öffentlichen und privaten Public Viewings zeigt sich – so die Prognosen –  der Wettergott von seiner besten Seite. Es ist also alles angerichtet für ein echtes Fußball-Fest.


Ein letztes Mal für Schwattgelb: Robert Lewandowski

Aufgrund der typisch hohen eigenen Erwartungshaltung stehen die Bayern unter großem Druck. Eine Saison „nur“ mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft zu beenden, entspricht nicht dem Anspruchsdenken des Rekordmeisters und -pokalsiegers. Das „Double“ sollte es da schon sein. Auch wenn sich beide Teams sportlich momentan auf Augenhöhe begegnen, liegt der psychologische Vorteil somit auf Seiten des im diesjährigen Wettbewerb noch gegentorlosen BVB. Und auch die Formkurve der vergangenen Wochen spricht klar für die Westfalen. So sehen es scheinbar auch die Leser des „kicker“, die Borussia Dortmund in einer Umfrage mit 75 % aller Stimmen für das Finale favorisieren.

Der Umfrage entsprechend – und somit ungewohnt kleinlaut – äußerten sich die Bayern im Vorfeld zum bevorstehenden prestigeträchtigen Duell mit ihrem Erzrivalen, der sich anders als andere Teams in der Vergangenheit, partout nicht abschütteln lassen will. Die sonst so stark dosierten Giftpfeile blieben diesmal (allerdings beiderseits) fast vollständig aus. Thomas Müller sieht im neuen Pokalsieger, auch wenn er BVB heißen sollte, gar die momentan beste deutsche Vereinsmannschaft. Sein Teamkollege Franck Ribery mag nur bei einem Triumph seiner Farben von einer sehr guten Saison sprechen – andernfalls von einer „eher nicht guten“.

Kein Wiedersehen in Berlin: Mandzukic, Sokratis

Die Borussen jedenfalls sind heiß auf die Bayern und mehr als gewillt, den Triumph aus 2012 zu wiederholen. Damals gelang den Dortmundern ein beeindruckender 5:2-Erfolg, bei dem Robert Lewandowski einen Dreier-Pack schnürte. Und „Lewy“ dürfte diesmal besonders motiviert sein, denn der Pole will sich in seinem letzten Spiel im schwattgelben Trikot mit dem Gewinn des DFB-Pokals von den BVB-Fans verabschieden. Gegen seinen neuen Arbeitgeber. Wäre es nicht ohnehin ums Prinzip gegangen, so könnte sich die klare Verweigerung des BVB, mit Lewandowski ihren Weltklassestürmer schon vergangenen Sommer zum FC Bayern wechseln zu lassen, besonders im morgigen DFB-Pokalfinale nochmals richtig auszahlen.

Da Fußballer zu Aberglauben neigen, übernimmt Borussia die Abläufe zur Vorbereitung aufs Finale quasi eins zu eins aus dem Jahr 2012. „Wir machen alles so wie damals“, bestätigte Sportdirektor Michael Zorc. Das gilt auch für die Unterkunft. Wie 2012 residiert der BVB im noblen Schloßhotel Grunewald, dem Quartier der deutschen Nationalmannschaft aus Tagen der WM 2006.

Die Startformation, mit der Jürgen Klopp das Finale angehen wird, ergibt sich quasi von allein. Zwar ist der BVB-Coach immer für eine Überraschung gut. Doch ist das Finale zu bedeutend, als daß Kloppo einen möglichen Triumph durch personelle Vabanque-Spiele gefährden würde. Somit scheint lediglich die Besetzung der Sechser-Position(en) völlig offen. Vertraut Klopp eher der jugendlichen Unbekümmertheit eines Milos Jojic oder der großen Erfahrung und Routine seines Kapitäns Sebastian Kehl? Vertraut er eher dem zuletzt überspielt wirkenden Nuri Sahin oder dem in der Rückrunde sehr präsenten Oliver Kirch?

Fest steht leider, daß Borussia auf seinen etatmäßigen Reservekeeper verzichten muß. Für Mitch Langerak, der sich eine Kreuzband-Dehnung zuzog, sitzt mit Zlatan Alomerovic der Stammkeeper der U23 als Weidenfeller-Ersatz auf der BVB-Bank. Außerdem fehlen der Borussia weiterhin die Langzeitverletzten Subotic, Gündogan, Blaszczykowski und Bender.

Klopps Kollege Guardiola verzichtet dagegen freiwillig und völlig überraschend auf seinen Top-Torjäger Mario Mandzukic. Der Kroate flog nicht mit nach Berlin. Die Gründe für diese Maßnahme wollte Guardiola nicht weiter erörtern. Allerdings sorgt der Coach mit dieser Personalie für neue Unruhe im Bayern-Umfeld und öffnet wild wuchernden Spekulationen Tür und Tor. Neben dem Kroaten fehlen dem Rekordmeister der langzeitverletzte Holger Badstuber sowie Bastian Schweinsteiger und Thiago Alcantara.

Spannend – und für den Spielausgang entscheidend – wird zu beobachten sein, welche der beiden aufeinanderprallenden Spielphilosophien sich durchsetzt. Klopps aggressives Pressing mit extrem schnellem Umschaltspiel oder Guardiolas bis zum Exzess praktizierter und auf eigenen Ballbesitz ausgerichteter Matchplan.

Über mangelnde Unterstützung kann sich Borussia wie gewohnt nicht beklagen. 50.000 BVB-Fans in Berlin sowie zig Tausende in der heimischen Westfalenhalle und der Dortmunder City bilden ein einzigartiges schwattgelbes Band der Sympathie und Begeisterung. Auf der Welle dieses unbezahlbar wichtigen Faustpfands sollen die Borussen zum vierten Gewinn des DFB-Pokals getragen werden. Als gutes Omen könnte man deuten, daß es nun schon jubiläumsverdächtige 25 Jahre her ist, daß der BVB mit einem 4:1-Finalsieg in Berlin gegen Werder Bremen eine bis heute anhaltende Phase der Begeisterung und Euphorie rund um Borussia Dortmund begründete.

Mein Tipp:

Borussia gewinnt mit 3:1. Robert Lewandowski verabschiedet sich mit zwei Toren und dem Gewinn des DFB-Pokals vom BVB.

Die möglichen Aufstellungen:

BVB: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Sahin (Kirch), Jojic (Kehl) – Mkhitaryan, Reus, Großkreutz – Lewandowski.

BAYERN: Neuer – Rafinha, Boateng, Dante, Alaba – Javi Martinez, Lahm – Robben, Kroos, Ribery (Götze) – Müller.

SCHIEDSRICHTER: Florian Meyer (Burgdorf)

0:3 – BVB scheitert an eigener Abschlußschwäche

Im Giganten-Duell der Fußball-Bundesliga unterlag Borussia Dortmund dem großen Rivalen und Titelverteidiger Bayern München überraschend deutlich mit 0:3. Am Ende einer von Hiobsbotschaften geprägten Woche scheiterte der BVB dabei vor 80.645 Zuschauern im ausverkauften Westfalenstadion vorrangig an der eigenen Abschlußschwäche. Die Bayern nutzten das eiskalt zu einem allerdings viel zu hohen Sieg aus und distanzierten ihren bis zu diesem Spieltag ärgsten Verfolger in der Tabelle auf sieben Punkte. Gleichzeitig bedeutete das 0:3 die erste Heimniederlage für den BVB in der laufenden Saison.

Luftkampf Friedrich, Robben (Foto: kicker)

 PERSONAL

Der BVB, ohne komplette Viererkette und Ilkay Gündogan, begann mit einer komplett neu gebildeten Abwehrreihe bestehend aus Großkreutz, Sokratis, Friedrich und Durm. Der kurzfristig nachverpflichtete Ex-Nationalspieler Manuel Friedrich gab dabei sein Debut im Trikot der Schwattgelben. Lukasz Piszczek stand ca. fünf Monate nach seiner Hüft-OP erstmals wieder im Kader des BVB. Den Bayern fehlten neben Ribery und Schweinsteiger noch Shaquiri, Pizarro und Badstuber. Der Ex-Borusse Mario Götze blieb ebenso zunächst auf der Bank wie Thiago. Guardiola begann mit Lahm auf der „Sechs“ und positionierte seinen Landsmann Javi Martinez überraschend im offensiven Mittelfeld.

SPIELVERLAUF

Borussia begann wie die Feuerwehr. Bereits nach drei Minuten die erste Großchance. Lewandowski konnte die Vorarbeit seines Landsmanns Blasczykowski jedoch nicht nutzen und semmelte aus kurzer Distanz über Neuers Tor. Danach tasteten sich beide Mannschaften mehr oder weniger ab. Bayern verschaffte sich durch viel Kurzpasspiel und lange Ballbesitzzeiten optische Vorteile, ohne den Dortmundern allerdings gefährlich werden zu können. Die neuformierte BVB-Abwehr stand den Umständen entsprechend zunächst sehr gut. Nach zwanzig Minuten gelang es Dortmund erstmals, mit mehreren Schußversuchen durch Reus und Kuba die Bayern-Abwehr zu fordern. Der BVB agierte nun mutiger im Offensivspiel. Nach 35 Minuten drehten die Münchner den Spieß wieder um und kamen nun ihrerseits durch Mandzukic und Müller zu den ersten beiden „Halbchancen“, scheiterten aaber an Roman Weidenfeller. Die größte Chance bot sich kurz vor der Pause erneut Mandzukic, doch der Kroate verpaßte eine flache Hereingabe von Robben nur knapp.

Gedankenschnell: Götzes 1:0 für Bayern (Foto:kicker)

Nach dem Wechsel das gleiche Bild. Bayern mit viel Ballbesitz optisch überlegen, Borussia blieb durch schnelle Gegenangriffe brandgefährlich. Lewandowski verpaßte eine Bender-Flanke nur knapp (51.). Nach 55 Minuten verpasste Guardiola dem Spiel mit der Einwechslung von Mario Götze die entscheidende Wendung. Der Jungstar wurde erwartungsgemäß mit einem gellenden Pfeifkonzert an alter Wirkungsstätte empfangen. Kurz darauf kam mit Thiago die zweite millionenschwere Neuverpflichtung des Rekordmeisters. Und es kam, wie es kommen mußte. Nach 66 Minuten nutzte ausgerechnet Götze eine Unachtsamkeit in der BVB-Deckung und schloß eine Müller-Vorlage gedankenschnell und technisch perfekt zur Münchner Führung ab. Borussia antwortete mit teilweise wütenden Offensiv-Attacken. Mkhitaryan vergab dabei freistehend eine weitere Großchance (69.), Reus platzierten Schuß aus 16 Metern vereitelte Manuel Neuer mit einer großartigen Parade (73.) Kurz zuvor hatte Klopp alles riskiert und mit Aubameyang und Hofmann zwei weitere Offensivakteure gebracht. Als Thiago dann mit einem Traumpass den völlig frei an der Mittellinie lauernden Robben bediente und dieser nach einem Solo zum 2:0 einschoß, war eine Vorentscheidung gefallen. Zwar versuchte der BVB alles, dem Spiel noch eine Wendung zu geben, lief dabei jedoch in der 86. Minute in einen weiteren Konter der gnadenlos effizienten Bayern, den Müller zum viel zu hohen 3:0-Endstand abschloß.

FAZIT / MEINUNG / ANALYSE

Hitzköpfe: Mandzukic, Großkreutz

Wer das Ergebnis liest, könnte meinen, die Bayern hätten das Spiel im Westfalenstadion beherrscht und den heimischen BVB vorgeführt. Dem war jedoch nicht so. Borussia lieferte dem Rekordmeister einen großen Kampf und begegnete den Gästen gute siebzig Minuten auf Augenhöhe. Die neuformierte Abwehrreihe des BVB stand besser als erwartet und stellte mit ihrem neuen „Chef“ Sokratis den an diesem Abend stärksten Dortmunder. Manuel Friedrich fügte sich relativ gut ein. Doch merkte man dem Ex-Nationalspieler die fehlende Spielpraxis fast über die gesamte Spielzeit an (fast jeder Pass war ein Fehlpass). Großkreutz hatte Robben weitestgehend im Griff und Durm ließ Müller fast nie zur Entfaltung kommen. Beide Außenverteidiger schalteten sich nebenbei immer wieder wirkungsvoll ins Offensivspiel mit ein. Während Sven Bender als „defensiver Sechser“ das Zentrum gut dicht machte und dabei vom fleißigen Sahin aufopferungsvoll unterstützt wurde, gelangen dem Deutsch-Türken in der Offensive kaum überraschende oder gefährliche Aktionen. Sahins Passquote war unterirdisch. Das gilt leider auch für Mkhitaryan, der sich wie immer überragend in der Balleroberung präsentierte, ansonsten jedoch nahezu wirkungslos blieb. Borussias Spiel fehlte ganz offensichtlich ein Lenker. Das Fehlen von Hummels (und natürlich Gündogan) machte sich somit vor allem im Aufbauspiel bemerkbar. Auf den offensiven Außenpositionen machte Kuba seine Sache zunächst sehr gut, fiel aber mit zunehmender Spieldauer immer mehr ab. Sein Pendant auf links, Marco Reus, war für die Bayern-Abwehr ein ständiger Unruheherd. Der Nationalspieler blieb jedoch in seinen Abschlußbemühungen ebenso glücklos wie Robert Lewandowski in vorderster Front.

Der BVB scheiterte an diesem Abend überwiegend an der fehlenden Zielstrebigkeit und Entschlossenheit sowie der mangelnden Effektivität vor dem gegnerischen Tor. In den entscheidenden Momenten agierten die Schwattgelben zu umständlich, statt den direkten Torabschluß zu suchen und versäumten es schon in der ersten Halbzeit, dem Spiel mit einem Tor eine andere Richtung zu geben. Gegen andere Gegner mag das noch gutgehen – gegen einen FC Bayern mit dieser Qualität jedoch nicht. Dem Rekordmeister spielte die Führung durch Götze klar in die Karten, um der sich zwangsläufig entblößenden BVB-Defensive den endgültigen K.O. zu verpassen.

Weiteres Manko der Dortmunder – die vielen unerklärlich leichten Abspielfehler und Ballverluste im Umschaltspiel. Zum wiederholten Male in dieser Saison machten sich die Dortmunder damit das Leben selbst schwer und nahmen dadurch ihrem kräftezehrenden und teilweise zu untentschlossenem Gegenpressing  die sonst so große Wirkung.

Unbedingt erwähnenswert bleibt die durchgängig und über das Spielende hinaus großartige Unterstützung des Dortmunder Publikums. Während des gesamten Spiels waren die Zuschauer der von Trainer Klopp im Vorfeld geforderte 12. Mann. Die Fans spürten, daß die Mannschaft an diesem Abend alles gab, mit der zwangsweise neu formierten Aufstellung jedoch an Grenzen stieß. Und auch nach Spielschluß feierte „die Süd“ ihre Lieblinge mit minutenlangen Sprechchören und Ovationen.

AUSBLICK

Rassig: Dante und Lewandowski

In den nächsten Tagen ist Jürgen Klopp besonders als Psychologe gefragt. Ob und wie stark die dritte Pflichtspiel-Niederlage in Folge Spuren in den Köpfen der Spieler hinterlässt, bleibt abzuwarten. Im CL-Endspiel gegen den SSC Neapel am Dienstag muß der Trainer seine Abwehr jedoch auf jeden Fall erneut umbauen, da Manuel Friedrich für die Gruppenphase nicht spielberechtigt ist. Vielleicht kehrt mit Lukasz Piszczek dann sogar jener Mann in die Startelf zurück, der gegen die Bayern zehn Minuten vor Schluß sein Comeback im BVB-Dress feierte.

Vorrangiges Ziel muß es jedoch sein, den Kopf schnell freizubekommen. Viel Zeit bleibt bei diesem schwierigen Unterfangen allerdings nicht. Gegen die Italiener, die ihrerseits die eigene Generalprobe für das Duell mit dem BVB ebenfalls verloren (0:1 daheim gegen Parma), dürfte jedoch die Einstellung wichtiger sein als die Aufstellung. Kehrt Dortmund zu seinem schnörkellosen und entschlossenen Angriffsfußball zurück, stehen die Chancen auf einen dringend notwendigen Sieg des BVB nicht schlecht. Zwingend erforderlich ist dabei jedoch eine größere Effektivität vor dem gegnerischen Tor. Viele Chancen wird es gegen die Neapolitaner nämlich erfahrungsgemäß nicht geben.

Wie auch immer das Spiel gegen Neapel endet, bleibt eines jedoch unumstößlich und für immer bestehen: NUR  DER  BVB !!

Die Pressekonferenz nach dem Spiel (präsentiert von SportLive Dortmund)

DIE STATISTIK

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, Friedrich, Durm – Sahin, Bender – Blaszczykowski, Mkhitaryan, Reus – Lewandowski

Bayern München: Neuer – Rafinha, Boateng, Dante, Alaba – Lahm – Robben, Martinez, Kroos, Müller – Mandzukic

Einwechselungen: 71. Hofmann und Aubameyang für Mkhitaryan und Blaszczykowski, 79. Piszczek für Bender – 56. Götze für Mandzukic, 64. Thiago für Boateng, 79. van Buyten für Rafinha

Tore: 0:1 Götze (66., Müller), 0:2 Robben (85., Thiago), 0:3 Müller (87., Lahm)

Chancenverhältnis: 5:4

Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)

Gelbe Karten: Großkreutz, Mkhitaryan – Boateng, Rafinha, Mandzukic

Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)

DIE STIMMEN ZUM SPIEL

Hatte Müller gut im Griff: Erik Durm

Hans-Joachim Watzke: „Bayern ist die beste Mannschaft in Europa. Auch wenn das Spiel hätte anders ausgehen können. Sie haben gewonnen, und sie haben verdient gewonnen. Dazu gratulieren wir natürlich.“

Jürgen Klopp: „Man hat gemerkt, dass die Bayern viel Respekt vor uns hatten. Sie haben viele lange Bälle gespielt, und wir haben nur sehr wenige Chancen zugelassen. Bis zum 0:1 hatten wir die größeren Torchancen, hatten dann die riesige Möglichkeit zum 1:1; da müssen wir einen machen, wenn wir was hinkriegen wollen in solch einem Spiel. Nach dem 0:2 haben wir etwas die Nerven verloren; wir dachten alle, dass es vorher ein Foul an Marco Reus war. Danach hatten die Bayern viel Raum. Nach dem zweiten Gegentreffer hat die Mannschaft einen richtigen Knick bekommen. An das ganz große Wunder haben wir dann nicht mehr geglaubt.“

Roman Weidenfeller: „Wir hatten mehr Chancen. Aber Spiele werden durch Tore entschieden. Und die machen wir nicht, wir sind nicht zielstrebig in den Aktionen. Die Höhe der Niederlage ist irrelevant. Was bitter ist, dass wir über 80 Minuten ein gutes Spiel gemacht haben.“

Sven Bender: „Ein richtig bitterer Abend. Wir hatten viele gute Torchancen und haben enorm schnell umgeschaltet.“

Pep Guardiola: „Wir sind zufrieden, haben gegen die beste Kontermannschaft der Welt gewonnen. Wenn wir sie laufen lassen, Blaszczykowski, Reus, Mkhitaryan, sind sie nicht zu stoppen. Die ersten 15 Minuten haben wir gut gespielt, dann 30 Minuten nicht mehr. In der zweiten Halbzeit waren wir deutlich besser. Ich habe sehr großen Respekt vor Borussia Dortmund. Wir hatten Probleme im Mittelfeld. Mit Götze und Thiago haben wir das Spiel besser kontrolliert.“

Thomas Müller: „Es war ein Spiel auf Augenhöhe. Nach dem 1:0 hat Dortmund trotzdem gute Möglichkeiten gehabt, da hat uns Manuel Neuer im Spiel gehalten.“

MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (3), Großkreutz (3), Sokratis (2), Friedrich (4,5), Durm (3), Bender (3), Sahin (4,5),  Blaszczykowski (3,5), Mkhitaryan (4,5), Reus (3), Lewandowski (3,5), Aubameyang (-), Hofmann (-), Piszczek (-).

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Klopps Appell an die „BVB-Familie“

geschrieben von Markus Flügel

Trotz großer Personalsorgen geht Borussia Dortmund voller Optimismus und Zuversicht in den Mega-Knaller gegen Triple-Sieger Bayern München. 80.645 Zuschauer im seit Wochen ausverkauften Westfalenstadion sowie über 200 Länder weltweit werden die Neuauflage des Champions-League-Finales von Wembley live vor Ort oder am Bildschirm verfolgen. Dabei setzt BVB-Coach Jürgen Klopp diesmal nicht nur auf die Stärke seiner Spieler, sondern appelliert an die gesamte „BVB-Familie“, gemeinsam mit der Mannschaft Großes zu vollbringen.


Duell der Trainer-Schwergewichte: Klopp vs. Guardiola

Die Ausfall-Liste der Schwattgelben war zwar zwischenzeitlich schon umfangreicher, doch noch nie traf es dabei so massiv einen einzigen Mannschaftsteil. Mit Piszczek, Subotic, Hummels und Schmelzer fehlt der Borussia die komplette Abwehr des CL-Finales von London. Dazu gesellt sich mit Ilkay Gündogan der „spiritus rector“ des BVB-Spiels. Der Nationalspieler und eigentliche Taktgeber im Dortmunder Mittelfeld fehlt bereits nahezu die komplette Hinrunde und hofft, Jürgen Klopp ab Januar wieder zur Verfügung stehen zu können.

Aufgrund dieser dramatischen Personalentwicklung der letzten Tage, mußten sich Mannschaft und Verantwortliche der Schwattgelben einen Tag „schütteln“. Die Schockstarre saß zunächst tief – doch seit Donnerstag herrscht im Dortmunder Lager eine Mischung aus Trotz und Optimismus vor. Zwar verwies Jürgen Klopp darauf, daß „Bayern übrigens genauso viele Verletzte“ habe, dies aber besser kompensieren könne. Genau aus diesem Grund reagierte der BVB am Mittwoch mit der Verpflichtung des vereinslosen Ex-Nationalspielers Manuel Friedrich als zusätzlicher Defensiv-Option auf das plötzliche und unerwartet große Vakuum im Defensiv-Bereich. Friedrich, der mit Klopp bereits in Mainz erfolgreich zusammenarbeitete, fehlt zwar die Spielpraxis – doch ist er allein aufgrund seiner Erfahrung allemal eine echte Alternative in den Gedankenspielen des BVB-Coaches. Dem FC Bayern übrigens wird Franck Ribery ebenso fehlen wie Bastian Schweinsteiger sowie die Langzeitverletzten Holger Badstuber und Claudio Pizarro.

Klopp baut auf die Hilfe der Fans!

Bei all den Personaldebatten gerät die Rückkehr des „verlorenen Sohnes“ fast schon zur Nebensache. Mit Mario Götze kehrt ein Spieler an seine alte Wirkungsstätte zurück, der beim Großteil der BVB-Fans chronisch schlechte Laune verursacht. Diese verübeln dem Jungstar weniger den Wechsel als solches, als  vielmehr die Art und Weise des Zustandekommens des Transfers. Kurz vor Bekanntgabe seines Wechsels zum FC Bayern hatte Götze noch vollmundig schwattgelbe Treue- und Liebesschwüre abgelegt. Die Fans fühlten und fühlen sich noch immer von ihrem einstigen Liebling „verraten“ und hintergangen. Man muß  wahrlich kein Prophet sein, um Götze einen ungemütlichen Abend vorauszusagen. Zwar werden alle Dortmunder Verantwortlichen nicht müde, ihren Anhang zu Fairness gegenüber Götze aufzurufen – doch sitzt der Stachel aus Wut und Enttäuschung zu tief in der schwattgelben Fan-Seele, als daß diese Bitte auch nur ansatzweise auf Gehör stoßen könnte.

Erstmals gegen schwattgelb: Mario Götze

Nicht zuletzt darum appellierte Jürgen Klopp in der PK zum Spiel vehement an „jeden, der schwarz-gelb denkt und fühlt“, alle Kräfte zu bündeln und sich ausschliesslich auf das Wesentliche – sprich das Spiel – zu konzentrieren. „Jeder, der für Samstag ein Ticket gelöst hat, hat Einfluß auf den Ausgang des Spiels.“ Klopps Kontrahent Guardiola sprach in der Parallel-PK in München voller Respekt über den BVB und seinen Trainer. Der Katalane bezeichnete die Borussia als „in ihrem Umschaltspiel beste Mannschaft der Welt“ und Jürgen Klopp „als einen der weltbesten Trainer“. Nur mit viel Mut könne sein FC Bayern beim BVB bestehen. „Ohne Mut haben wir in Dortmund keine Chance“, so der Bayern-Coach weiter.

BVB-Faustpfand: die gelbe Wand!

Die Ausgangssituation zwischen dem „angeschlagenen Herausforderer“ BVB und dem Titelverteidiger von der Isar jedenfalls ist sonnenklar. Sollte es den Bayern gelingen, erstmals seit dreieinhalb Jahren wieder ein Bundesliga-Spiel gegen Dortmund zu gewinnen, scheint den Münchnern der Titel bereits jetzt nicht mehr zu nehmen. Auch wenn dies alle Beteiligten (außer Aki Watzke) anders sehen und dementieren, wären sieben Punkte Rückstand für den BVB aufgrund der unbeschreiblichen Konstanz der Münchner ein zu „dickes Brett“.

Aber schon immer war es eine große Stärke dieser BVB-Mannschaft, in besonders schwierigen Situationen über sich hinauszuwachsen. Warum also nicht auch morgen abend gegen die Bayern mit einem Sieg den Abstand auf einen Punkt verkürzen? Dortmund steht zwar buchstäblich mit dem Rücken zur Wand – weiß allerdings die  „GELBE Wand“ hinter sich. Die Südtribüne kann am Samstagabend, besonders wenn es nicht gut für Schwattgelb laufen sollte, zu einem spielentscheidenden Faktor werden. Es wäre nicht das erste Mal, daß die 25.000 Zuschauer fassende größte Stehplatz-Tribüne Europas, den Jungs auf dem Rasen den entscheidenden Kick verpassen würde. Denn allen Hiobsbotschaften der vergangenen Tage zum Trotz, wissen besonders die Kicker in schwattgelb:

„…am Ende der dunklen Gasse, erstrahlt die gelbe Wand…“ 

In diesem Sinne: Auf geht´s, Jungs! Gemeinsam werden wir die Bayern schlagen!

Mein Tipp:

Der  GESAMTE  BVB  rückt noch enger als gewöhnlich zusammen und gewinnt mit 2:1!

Die wahrscheinliche Aufstellung des BVB:

Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, Bender (Friedrich), Durm – Kehl (Bender), Sahin – Blaszczykowski, Mkhitaryan, Reus – Lewandowski.

Die wahrscheinliche Aufstellung der Bayern:

Neuer – Lahm, Boateng, Dante, Alaba – Thiago – Müller, Götze, Kroos, Robben – Mandzukic.

Die Klopp-PK zum Bayern-Spiel (präsentiert von SportLive Dortmund)

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Giganten-Special (2) – BVB und Bayern im Teamcheck

geschrieben von Markus Flügel

Der Tag des großen Spiels rückt immer näher. Das Fieber steigt. Nach der kleinen Zeitreise im Giganten-Special (1) widme ich mich diesmal den beiden aktuellen Mannschaften des BVB und des FC Bayern. Markus` BVB-Blog vergleicht die beiden Teams. Ein Kadervergleich ist in diesem Fall irrelevant, weil der Kader des FC Bayern an Breite und Ausgeglichenheit nicht nur national seinesgleichen sucht. Insofern bezieht sich mein Vergleich ausschliesslich auf die zu erwartenden Startformationen beider Teams. Und da siehts für den BVB gar nicht schlecht aus.

Beim nachfolgenden Team-Vergleich lege ich die beiden wahrscheinlichen Startformationen zugrunde, die sich natürlich bis zum Samstag noch ändern können.

BVB:

Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Bender, Sahin – Blaszczykowski, Mkhitaryan, Reus – Lewandowski.

Bayern:

Neuer – Rafinha, Boateng, Dante, Alaba – Lahm – Robben, Müller, Kroos, Ribery – Mandzukic.

TORHÜTER

Mittlerweile gibt es vor allem unter neutralen Fußball-Fans und Experten nicht wenige, die Roman Weidenfeller auf eine Stufe mit Manuel Neuer oder gar eine darüber stellen. Und das völlig zu Recht. Weidenfeller ist der in den letzten Jahren mit Abstand konstanteste deutsche Keeper, sowohl national als auch international. Dem BVB-Keeper unterlaufen im Gegensatz zu seinem Münchner Kontrahenten erheblich weniger Patzer. Neuer-Fans führen dies auf die oft vorherrschende Beschäftigungslosigkeit des Bayern-Keepers zurück. Doch leidet auch Weidenfeller in den meisten Spielen unter diesem Zustand. Außerdem strahlt Weidenfeller erheblich mehr Ruhe aus, als der oft „zappelig“ wirkende Neuer. Der Bayern-Keeper ist zweifellos der bessere Fußballer. Doch das Kerngeschäft eines Torhüters ist und bleibt nunmal das Parieren von gegnerischen Torchancen. In Eins-gegen-Eins-Situationen stellen übrigens beide absolute Weltklasse dar. Alle statistischen Werte der letzten Jahre sehen den Dortmunder zudem eindeutig im Vorteil gegenüber Löws Nummer 1. Neuer lebt in hohem Maße vom auch in weiten Teilen der Presse vorherrschenden Bayern-Bonus. Hypothetisch, aber meiner Meinung nach ganz klar: wäre Neuer noch in Diensten von Schalke und Weidenfeller im Bayern-Tor, wäre Letzterer längst auch bei Löw eindeutig die Nummer 1. Aber zum Glück ist es so wie es ist. Denn mit „Weide“ hat Dortmund den momentan besten deutschen Keeper zwischen den Pfosten.

Vorteil – wenn auch nur knapp – für Dortmund!

AUSSENVERTEIDIGER

Schlüsselduell: Großkreutz, Ribery

Das Duell der Linksverteidiger geht klar zu Gunsten des FC Bayern. David Alaba ist einer der Top-Spieler Europas auf dieser Position. Der Österreicher hat sich innerhalb weniger Monate zu einem Spieler der internationalen Extraklasse entwickelt. Alaba findet stets die richtige Balance zwischen Erledigung seiner Defensivaufgaben und gefährlichen Offensivaktionen. Seine Flanken sind brandgefährlich. Zudem gilt Alaba als äußerst fairer Spieler. Dortmunds Marcel Schmelzer gilt als Laufwunder mit Pferdelunge und profitiert von seinem unbändigen Einsatzwillen und seiner Stärke in den Defensivzweikämpfen. Offensiv hat „Schmelle“ jedoch eindeutig Steigerungspotential.

Auf der rechten Seite ist Kevin Großkreutz von einer Notlösung längst zu einem Rechtsverteidiger auf allerhöchstem Niveau geworden. Mittlerweile gilt der „Dortmunder Jung“ gar wieder als ernsthafte Alternative für Jogi Löws WM-Kader und hat in Oliver Kahn und Lothar Matthäus prominente Fürsprecher. Großkreutz hat den kurz vor seinem Comeback stehenden Lukasz Piszczek mehr als gut vertreten. Den Dortmunder zeichnen neben seinem unbändigen Willen und der unglaublichen Laufstärke vor allem Spielintelligenz und starkes Zweikampfverhalten aus. Bayerns Rafinha gilt dagegen als nickelig. Der Brasilianer bedient sich in der Bearbeitung seiner Gegenspieler oft Mitteln, die über das erlaubte Maß hinausgehen. Zudem fehlt es seinen nur selten vorgetragenen Offensivaktionen meistens an der nötigen Genauigkeit und Entschlossenheit. Weiteres Plus von Großkreutz ist seine Variabilität. Der Dortmunder kann auf nahezu allen Positionen – mit Ausnahme der Torhüterposition – risikolos und ohne Bedenken eingesetzt werden.

Vorteil: links für Bayern, rechts für Dortmund. Also remis!

INNENVERTEIDIGUNG

Internationale Klasse: Sokratis

Hier enden beide „Duelle“ unentschieden. Sokratis und Boateng bewegen sich genauso auf gleichwertigem Niveau wie Dante und Hummels. Der griechische Nationalspieler gilt als eisenharter aber fairer Spieler, der zudem in seiner Außenwirkung extrem abgeklärt daherkommt. Bayerns Boateng hat sich in den letzten Monaten zu einem internationalen Klasse-Mann entwickelt, der zu Recht mittlerweile auch in der Nationalmannschaft als gesetzt gilt. Beiden Spielern fehlt es noch an Initiative und Ideen in der Spieleröffnung, gegen den Mann verkörpern sie jedoch internationale Klasse.

Dante und Hummels sind die eindeutigen „Chefs“ ihrer jeweiligen Abwehrformation. Der Brasilianer wirkt im Bayern-Verbund mit seiner Ruhe und Abgeklärtheit wie ein Fels in der Brandung. Hummels` Stärken liegen im Antizipieren und dem frühen Erkennen von gefährlichen Situationen, die dem Dortmunder meist den entscheidenden Vorteil im Zweikampf verschaffen. Beide Akteure sind extrem kopfballstark und somit auch bei eigenen Standardsituationen echte Waffen im gegnerischen Strafraum. In der Spieleröffnung beschränkt sich Dante meistens auf den „sicheren“ Ball zum am nächsten postierten Mitspieler. Hummels dagegen agiert risikoreicher und marschiert öfter mit Ball in die gegnerische Hälfte oder eröffnet eigene Angriffe mit meist zentimetergenau geschlagenen langen Bällen auf die schnellen Dortmunder Offensivakteure.

Vorteil: Fehlanzeige. Beide Duelle enden remis!

DEFENSIVES MITTELFELD

Abräumer: Sven Bender

Zu vergleichen sind hier Lahm und Bender sowie Sahin und Kroos. Zwar agiert der FC Bayern momentan offiziell nur mit einem Sechser, doch läßt sich einer der vier offensiv ausgerichteten Mittelfeldspieler immer wieder auf die „Sechs“ fallen, wenn sich Lahm mit ins Offensivspiel einschaltet oder der Gegner in Ballbesitz ist. Bei der oben angenommenen Startformation wäre Kroos derjenige, der seinem Kapitän bei Offensivvorstößen den Rücken freihält.

Der Vergleich Bender/Lahm geht klar zugunsten des Bayern-Kapitäns. Über dessen Stärken noch irgendwelche Wort zu verlieren, ist völlig unangemessen – da jedem bekannt. Lahm verkörpert auch im defensiven Mittelfeld absolute Weltklasse. Sven Bender ist für den BVB dennoch ein extrem wichtiger Spieler, der immer wieder durch seine Zweikampf- und Laufstärke, aber auch durch das Vorausahnen von Spielsituationen sich anbahnende Gefahrensituationen gar nicht erst zuläßt und schon im Keime erstickt.

Sahin und Kroos spielen dagegen auf einem Level. Nach Gündogans Ausfall brauchte Sahin eine gewisse Anlaufzeit, hat sich mittlerweile aber auf der strategisch wichtigen Position des kreativen Sechsers im Dortmunder Mittelfeld etabliert. Zwar erscheint Kroos in seinen Offensivaktionen aufgrund seiner außergewöhnlichen Technik, Spielübersicht und Torgefährlichkeit gegenüber dem Türken im Vorteil. Dies gleicht Sahin jedoch durch sein erheblich besseres Verhalten in defensiven Zweikämpfen aus.

Vorteil insgesamt: knapp für Bayern!

OFFENSIVES MITTELFELD

Blaszczykowski/Robben – Mkhitaryan/Müller – Reus/Ribery lauten hier die zu vergleichenden Pärchen.

Remis endet das Duell zwischen „Kuba“ und Robben. Zwar hat der Holländer eindeutige technische Vorteile und ist von beiden der torgefährlichere Spieler. Doch Blaszczykowski ist in Zweikampfstärke, Defensivarbeit und Laufstärke im Vorteil. Zudem hat der Kapitän der polnischen Nationalmannschaft aufgrund seiner Dynamik durchaus auch Stärken in der Offensive.

Im Vergleich Mkhitaryan und Thomas Müller ist der Münchner im Vorteil. Einen Spieler wie Müller wünscht sich jede Mannschaft. Der Nationalspieler hat kaum Schwächen, ist torgefährlich und extrem variabel. Zudem zeichnet sich Müller durch extreme Laufbereitschaft und Unberechenbarkeit in seinen Aktionen aus. Dortmunds Neuzugang Mkhitaryan verkörpert zwar internationale Klasse, ist bisher aber den endgültigen Beweis seiner Klasse noch schuldig geblieben. Dem Armenier fehlt noch die Konstanz in seinen Leistungen. Das aber ist nach vier Monaten Eingewöhnungszeit in neuem Verein und neuer Kultur durchaus normal. Daß „Miki“ auch Spiele allein entscheiden kann, hat er bereits bewiesen. Weltklasse sind defintiv seine Balleroberungen, die er sich jedoch noch zu oft durch dann folgende schlampige Abspiele selbst wieder „kaputt“ macht.

BVB-Flügelzange: Reus und „Kuba“

Bleiben noch Marco Reus und Franck Ribery. Der Franzose trägt zurecht den Titel „Europas Fußballer des Jahres“ und verkörpert in der Offensive absolute Weltklasse. Ebenso wie bei Philipp Lahm muß man über Riberys Klasse keine großen Worte verlieren. Dennoch hat der Franzose Schwächen im Defensivverhalten und ist ein echter Heißsporn, der sich sehr leicht provozieren läßt und somit oftmals am Rande eines Platzverweises wandelt. Marco Reus ist vielleicht einen Tick torgefährlicher als Ribery, steht jedoch in puncto Dribblings auf engstem Raum hinter dem Franzosen hintenan. Dagegen hat Reus widerum Vorteile im Defensivverhalten. Mittlerweile hat der Ex-Gladbacher das Dortmunder Pressing verinnerlicht und geht auch in der Defensive weite und wirkungsvolle Wege. Was die Vielseitigkeit angeht, endet dieses Duell ebenfalls remis. Sowohl Reus als auch Ribery sind sowohl auf allen offensiven Mittelfeldpositionen als auch im Angriff einsetzbar.

Vorteil: knapp für Bayern (Thomas Müller sei Dank!)

ANGRIFF

Das Duell Lewandowski gegen Mandzukic geht an den (Noch-) Dortmunder. Lewandowski verkörpert absolute Weltklasse. Echte Schwächen sind beim polnischen Nationalspieler nicht auszumachen. Der Borusse gilt als kompletter Stürmer. Zwar kratzt auch Mandzukic am Prädikat „Weltklasse“, doch gilt der Kroate als reiner „Stoßstürmer“. Lewandowski dagegen ist erheblich variabler, läßt sich schon mal fallen und weicht auf die Flügel aus. Zudem ist der Pole auch in der Rückwärtsbewegung absolut vorbildlich. Unschlagbar ist seine Ballbehauptung bei hohen Anspielen, meistens gegen mehrere Gegenspieler. Zudem hat „Lewy“ Vorteile bei Dribblings auf engstem Raum. Und auch in Sachen Vielseitigkeit liegt der Pole vor seinem Kontrahenten aus München. Lewandowski kann auch hinter den Spitzen auf der „Zehn“ spielen, was er zu Zeiten eines Lucas Barrios oft genug bewiesen hat. Vorteil für Mandzukic dagegen in Sachen Effektivität. Der Münchner gilt vor dem Tor als eiskalt, während sein Dortmunder Pendant schon mal die ein oder andere „Hundertprozentige“ liegen läßt. Alles in allem jedoch gewinnt Lewandowski den Vergleich mit Bayerns Sturmführer.

Vorteil: knapp für Dortmund!

Absolute Weltklasse: Lewandowski

FAZIT

Der Vergleich der Startformationen endet remis. Für den Samstagabend wäre das für den BVB definitiv zu wenig. Doch spricht ein nicht zu unterschätzender Aspekt für einen Erfolg der Borussia. Und das ist der 12. Mann. Die Südtribüne ist das Faustpfand des BVB, besonders in knappen und engen Spielen – und besonders gegen Gegner wie Bayern München. Die 25.000 Zuschauer fassende „gelbe Wand“ wirkt auf die Heim-Elf wie ein Aufputschmittel. Sie setzt letzte Kräfte frei, beflügelt den Willen der eigenen Mannschaft, auch ein eventuell schon verloren geglaubtes Spiel noch zu drehen.

Borussias 12.Mann: die legendäre Südtribüne

Beim Vergleich der beiden Teams habe ich versucht, mit der für ein solches Unterfangen notwendigen Objektivität vorzugehen. Natürlich wird es hier, ebenso wie z.B. bei den Aufstellungen der deutschen Nationalmannschaft, tausende anderer Meinungen und Einschätzungen – vor allem aus Bayern-Sicht – geben. Und vielleicht werden meine obigen Einschätzungen am Samstagabend auch ad absurdum geführt. Doch genau das ist es doch, was den Fußball so spannend und interessant macht. Jedenfalls freue ich mich wie Millionen anderer Fußball-Fans auf ein echtes sportliches Highlight, wenn am Samstag abend das Giganten-Duell im Westfalenstadion angepfiffen wird. Zweifellos treffen dort die beiden besten deutschen Mannschaften aufeinander. Und auch wenn der BVB momentan in der Champions League aufgrund der eindeutig schwierigeren Gruppe nicht die Souveränität der Bayern an den Tag legt, gelten beide Mannschaften auch europaweit zu den absoluten Top-Teams.

In diesem Sinne – auf ein spannendes und aufregendes Match am Samstag! Trotzdem gilt natürlich wie immer an dieser Stelle einzig und allein: NUR  DER  BVB !!

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