4:1 – Aubameyang glänzt als Matchwinner

Borussia Dortmund steht in der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals. Mit 4:1 gewann die Klopp-Elf vor 37.000 Zuschauern in der Mercedes-Benz-Arena gegen Drittligist Stuttgarter Kickers. Dabei avancierte Pierre-Emerick Aubameyang mit zwei Treffern und einem Assist zum schwattgelben Matchwinner. Die weiteren Tore für den BVB, bei dem Marco Reus überraschend sein Startelf-Comeback feierte, erzielten Henrikh Mkhitaryan und Neuzugang Adrian Ramos. Allerdings spiegelt das Ergebnis nicht die wahren Kräfteverhältnisse wieder, denn der drittklassige Underdog bot dem deutschen Vizemeister über nahezu 80 Minuten einen Kampf auf Augenhöhe.


Mkhitaryans 1:0

Im Gegensatz zum drei Tage zuvor großartig herausgespielten 2:0-Sieg über Bayern München, hatte Borussia diesmal über die gesamte Spielzeit große Probleme im Spielaufbau und machte sich das Leben durch einfache und völlig unnötige Ballverluste selbst schwer. Das allerdings lag auch an den engagiert und aggressiv pressenden Gastgebern, die Dortmunds Defensivverbund mit schnellem Umschaltspiel ein ums andere Mal in große Turbulenzen stürzte.

Mitch Langerak, der Weidenfeller wie schon im Supercup-Finale im Dortmunder Tor vertrat, mußte einige Male bei Großchancen der Stuttgarter sein ganzes Können unter Beweis stellen. Zwar blitzte das so gefürchtete Kombinationsspiel des BVB zwischenzeitlich auf, doch fehlte es den finalen Pässen meistens an Timing und Genauigkeit.

Aubameyangs 2:0

Letztlich verdankte Borussia den am Ende doch noch standesgemäßen Sieg sowohl der individuellen Klasse einiger seiner Protagonisten als auch der schwachen Chancenverwertung der Kickers. Bis zu Aubameyangs fast schon erlösendem 3:1 in der 78. Minute schnupperten die drittklassigen Stuttgarter jedenfalls an der durchaus möglichen Sensation.

Neben Matchwinner Aubameyang konnten beim BVB lediglich Torhüter Langerak sowie Henrikh Mkhitaryan und mit Abstrichen auch Lukasz Piszczek (zwei Assists) überzeugen. Neuzugang Ramos zeigte sich zwar durchaus engagiert, blieb jedoch weitestgehend unauffällig. Sein Tor zum 4:1 dürfte aber helfen, den weiteren Integrationsprozess des Kolumbianers zu beschleunigen.

Ramos trifft zum 1:4

Neben dem Erreichen der nächsten Pokalrunde gab es für den BVB noch einen weiteren Grund zur Freude. Nur 71 Tage nach seiner im Länderspiel gegen Armenien erlittenen Syndesmosebandverletzung gab Marco Reus sein überraschend schnelles Comeback.

Logischerweise merkte man dem Nationalspieler sowohl Trainingsrückstand als auch fehlende Spielpraxis noch deutlich an. Aber im Hinblick auf den bevorstehenden Bundesligastart gegen Bayer Leverkusen lieferte sein Startelf-Einsatz wichtige Erkenntnisse bezüglich des Fitnesszustands des Nationalspielers. Fazit: Test bestanden. Mit Marco Reus muß ab sofort wieder gerechnet werden.

In diesem Sinne verbleibe ich mit schwattgelben Grüßen   –   NUR  DER  BVB  !!

(Fotos: kicker)

 

DIE STATISTIK

Stuttgarter Kickers: Redl – Leutenecker, Stein, Fennell, Baumgärtel – Halimi, Marchese, Braun – Müller, Soriano, Edwini-Bonsu – Soriano

Borussia Dortmund: Langerak – Piszczek, Subotic, Sokratis, Durm – Jojic, Kirch – Aubameyang, Reus, Mkhitaryan – Ramos

Einwechselungen: 62. Calamata für Soriano, 81. Badiane für Müller – 57. Kehl für Reus, 83. Großkreutz für Mkhitaryan, 90.+1 Bender für Kirch

Tore: 0:1 Mkhitaryan (30., Piszczek), 0:2 Aubameyang (55.), 1:2 Edwini-Bonsu (60., Soriano), 1:3 Aubameyang (78., Piszczek), 1:4 Ramos (89., Aubameyang)

Schiedsrichter: Sippel (München)

Gelbe Karten: – Mkhitaryan, Ramos

Zuschauer: 37.000

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„Wir stehen am Ende der Vorbereitung, der Gegner ist schon mitten in der Saison. Der Supercup hat weder bei uns noch bei den Bayern ins Programm gepasst. Doch nächste Woche sind wir ein Stück weiter und auch frischer.

Miki und Auba sind herausragende Fußballer. Bei ihnen sieht man, dass eine Sommerpause und eine normale Vorbereitung gut tun. Auba hat unsere Spielweise gefressen, ist im Spiel gegen Ball stärker geworden und immer heiß auf Tore. Das 2:0 hat er überragend gemacht. Letzte Saison wäre ihm das wohl noch nicht gelungen. Manchmal muss man eben etwas länger lernen.

Marco ist seit anderthalb Wochen wieder im normalen Training. Irgendwann muss man anfangen, ihn in die Wettbewerbssituation zu bringen. Wenn du Marco trainieren siehst, musst du mit dem Klammerbeutel gebügelt sein, wenn du nicht darüber nachdenkst, ihn spielen zu lassen. Jetzt ist er 60 Minuten weiter. Das war eine ganz wichtige Belastung für ihn.“

 

MEINE BVB-NOTEN

Langerak (2), Piszczek (3), Subotic (4), Sokratis (4), Durm (4), Kirch (3,5), Jojic (4,5), Aubameyang (2), Reus (3,5), Mkhitaryan (2,5),Ramos (4), Kehl (3), Großkreutz (-), Bender (-).

Supercup-Sieg: Borussia ist gerüstet!

Mit einem 2:0-Sieg über den Deutschen Meister und Erzrivalen Bayern München errang Borussia Dortmund zum fünften Mal den deutschen Supercup. Mkhitaryan und Aubameyang erzielten im ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion die Treffer zum hochverdienten Sieg. Der BVB ist damit Rekordsieger in diesem in Deutschland eher stiefmütterlich behandelten Wettbewerb. Bedeutungsvoller als der errungene Titel dürfte für die Westfalen aber ohnehin der erlangte Prestigegewinn im Direktvergleich mit dem ewigen Rivalen von der Isar sein.

Nur drei Tage nach dem völlig verkorksten Auftritt an der legendären Anfield-Road, in dem Borussia dem englischen Vizemeister FC Liverpool klar und deutlich mit 0:4 unterlag, zeigte die Elf von Trainer Jürgen Klopp ihren Fans im ersten Pflichtspiel der neuen Saison ein ganz anderes Gesicht.

Jubel nach Mikis 1:0 (Foto: kicker)

Beide Teams mußten auf einige ihrer namhaftesten Akteure verzichten. Beim BVB fehlten neben den beiden Weltmeistern Hummels und Weidenfeller mit Gündogan, Reus, Sahin und Blaszykowski vier weitere potentielle Stammkräfte. Dazu saßen mit Großkreutz und Durm zwei Weltmeister bedingt durch ihren verspäteten Trainingseinstieg zunächst auf der Bank.

Bei den Gästen aus München fehlten im Gegenzug so namhafte Protagonisten wie Robben, Ribery, Thiago und Schweinsteiger. Der vom BVB zu den Bayern gewechselte Superstar Robert Lewandowski betrat seine ehemalige Wirkungsstätte erstmals nicht im schwarzgelben Trikot der Borussia.

ANALYSE

Jürgen Klopp beantwortete die Frage nach dem möglicherweise im BVB-Spiel entstandenen Lewandowski- Vakuum mit einem Systemwechsel. Borussias Coach ordnete seine Manschaft in einem ungewohnten 4-4-2-System mit Raute und zwei Sturmspitzen an. Ihrem typischen Spielstil, basierend auf Balleroberung und schnellem Umschaltspiel, blieben die Borussen dabei jedoch nach wie vor treu.

Dominierten die Bayern die Anfangsphase noch mit ihrem gewohnten und auf Ballsicherheit ausgerichteten Kurzpass-Spiel, fand der BVB mit zunehmender Spieldauer immer besser in die Partie. Schon vor dem Seitenwechsel übernahm Dortmund die Initiative und kam zu der ein oder anderen guten Tormöglichkeit.

Jubel des Spidermans nach dem 2:0 (Foto: kicker)
Im zweiten Durchgang erspielte sich der BVB gar eine Torschuß-Statistik von 22:4 (!!). Besonders auffällig dabei der in jeder Hinsicht stark verbesserte Aubameyang, den Klopp als zweite Sturmspitze neben den italienischen Neuzugang Ciro Immobile positionierte. Letzterem fehlte zunächst trotz aller Bemühungen noch die Bindung zu seinen Mitspielern, später deutete der Millionen-Einkauf jedoch einige Male seine Klasse an.

 

Auch defensiv hinterließ der BVB einen zum jetzigen Zeitpunkt der Saison überraschend gefestigten Eindruck. Der griechische Nationalverteidiger Sokratis entpuppte sich dabei als überragender Akteur der Dortmunder Viererkette. Das direkte Duell mit seinem ehemaligen Mannschaftskameraden Lewandowski gewann „Papa“ klar und deutlich. „Lewy“ hatte bei seiner Rückkehr ins Westfalenstadion lediglich eine einzige nennenswerte Aktion, als er freistehend am glänzend reagierenden Langerak scheiterte.

Zweikampf Immobile/Alaba (Foto: kicker)

Mit der Hereinnahme von Erik Durm für Marcel Schmelzer zu Beginn der zweiten Halbzeit machte Jürgen Klopp deutlich, dass die Position des linken Außenverteidigers in Bezug auf den Saisonstart die am meisten umkämpfte im Dortmunder Kader sein könnte. Momentan scheint „Platzhirsch“ Schmelzer aufgrund der komplett absolvierten Vobereitung leicht die Nase vor Weltmeister und Herausforderer Durm zu haben.

Positiv auch der Auftritt von Henrikh Mkhitaryan. Der Armenier sprühte nur so vor Spiel- und Einsatzfreude. Daß „Miki“ ein super Fußballer ist, stand schon in seinem ersten BVB-Jahr außerhalb jeder Diskussion. Gelingt es dem Mittelfeld-Akteur jetzt noch, diese Leistung konstant abzurufen, könnte Mkhitaryan zu einem der Top-Stars der neuen Saison werden.

Dieses Prädikat wird sich Oliver Kirch wahrscheinlich nicht mehr verdienen können. Aber der 31jährige Spätstarter überzeugte nach einer für seine Verhältnisse bärenstarken Rückrunde auch im ersten Pflichtspiel der neuen Saison. Allein mit der Startelf-Nominierung unterstrich Jürgen Klopp Kirchs extrem gestiegenen Stellenwert im Edel-Kader des BVB.

MEINUNG/KOMMENTAR

Der Sieg im Supercup-Finale beweist, daß mit Borussia Dortmund in der neuen Saison zu rechnen sein wird. Allerdings sollte der Erfolg gegen die Bayern dabei ebenso wenig überbewertet werden, wie die einige Tage zuvor erlittene 0:4-Klatsche in Liverpool.

 

Das Spiel gegen den Erzrivalen unterstrich jedoch die sowohl in Qualität als auch Quantität gestiegene Breite des Dortmunder Kaders. Wie bereits an anderer Stelle dieses Blogs ausführlich analysiert (siehe Artikel „Kader der unbegrenzten Möglichkeiten“), bietet das Aufgebot des BVB eine Vielzahl an personellen und taktischen Variationsmöglichkeiten.

Beruhigend wirkt sich dabei vor allem die gewonnene Erkenntnis aus, daß Borussia auch ohne ihren abgewanderten Superstar Robert Lewandowski durchaus in der Lage ist, attraktiven und erfolgreichen Offensiv-Fußball zu spielen. Daß dabei noch nicht alles Gold ist, was glänzt, liegt in der Natur der Sache.

Denn vor allem die externen Neuzugänge benötigen Geduld. Für sie gilt es zunächst, sich nicht nur an die sportlichen Abläufe auf dem grünen Rasen, sondern auch an das für sie ungewohnte und spezielle Umfeld des BVB zu gewöhnen.

Auch die internen Neuzugänge in Person der nach und nach zurückkehrenden Rekonvaleszenten wie Gündogan, Blaszykowski und Subotic benötigen Zeit, um durch individuelle und zielgerichtete Trainingsumfänge zu alter Klasse zurückzufinden.

Gelingt es Jürgen Klopp dann noch, seine verspätet und erst nach und nach ins Training eingestiegenen Weltmeister relativ zügig in ihren gewohnten Rhythmus zu bringen, steht einer erfolgreichen Saison des BVB nichts mehr im Wege.

Selbst ein dermaßen beispielloses Verletzungspech wie das der vergangenen Saison dürfte den BVB diesmal nicht bis ins Mark erschüttern. Zum Ende der vergangenen Hinrunde verspielte Borussia alle Chancen auf die Meisterschaft, als Jürgen Klopp auf die reihenweise ausfallenden Leistungsträger nicht mit entsprechend gleichwertigen Alternativen reagieren konnte.

Mit dem jetzigen Kader ist Borussia Dortmund definitiv in der Lage, bis zum Ende der Saison auf allen drei Hochzeiten gleichmäßig erfolgreich und attraktiv zu tanzen.

In diesem Sinne verbleibe ich mit schwattgelben Grüßen.  NUR  DER  BVB  !!

Die PK nach dem Spiel mit Klopp und Guardiola (präsentiert von SportLiveDortmund):

DIE STATISTIK

Borussia Dortmund: Langerak – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer (46. Durm) – Kehl – Kirch (84. Bender), Mkhitaryan – Hofmann – Aubameyang (63. Ramos), Immobile

FC Bayern München: Neuer – Boateng, Martinez (31. Dante), Alaba – Hojberg (59. Götze), Gaudino, Rode, Bernat – Müller (46. Lahm), Lewandowski, Shaqiri

Tore: 1:0 Mkhitaryan (23.), 2:0 Aubameyang (62., Piszczek)

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)

Gelbe Karten: – Hojberg, Boateng, Lahm

Zuschauer: 80.667 (ausverkauft)

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„Wir haben ein ganz, ganz tolles Spiel gemacht für die Phase, in der wir uns befinden. Wir sind ganz bestimmt nicht der unverdiente Gewinner und jetzt Rekordsupercupgewinner. Es ging für uns auch darum, auf das zu reagieren, was in Liverpool war. Das hat uns nicht gefallen. Denn es war das krasse Gegenteil von dem, wie wir Fußball spielen wollen. Heute konnte ich unseren Fußball wiedererkennen.

Wir haben Raute gespielt und Hoffi auf der Zehn. So wie Bayern spielt, bedeutet dies, dass die beiden Spitzen sehr breit verteidigen müssen. Und der Zehner muss rausrücken, um Druck ausüben zu können. Das haben die Jungs gut gemacht, sehr gut gemacht.

Wir waren gegen den Ball extrem griffig, haben hoch und mutig verteidigt. Wir sind konzentriert und konsequent geblieben, haben unsere Möglichkeiten gehabt nach tollen Balleroberungen. Das erste Tor haben wir erzwungen und das zweite toll herausgespielt und vollendet. Das größte Problem in Spielen gegen Bayern München ist, sie nicht zu Torchancen kommen zu lassen. Das ist uns über einen langen Zeitraum gelungen, weil wir das sehr, sehr kompakt verteidigt haben. Damit bin ich total zufrieden.

Oli Kirch hat einen Schlag auf den Spann abbekommen. Dort ist ein kleiner Riss. Marcel Schmelzer hat Adduktorenprobleme. Das kann eng werden für Stuttgart. Sokratis läuft auch nicht rund.“

MEINE BVB-NOTEN

Langerak (2), Piszczek (2,5), Sokratis (1), Ginter (3), Schmelzer (3), Kehl (3), Kirch (2,5), Mkhitaryan (2,5), Hofmann (3), Aubameyang (2), Immobile (3), Durm (3), Ramos (-), Bender (-).

BVB um den Sieg betrogen!

Um eines von vornherein klar zu sagen. Bayern München war beim Pokalfinale in Berlin am Ende um einen Tick stärker als unsere schwattgelben Jungs. Aber die Frage muß erlaubt sein: wie wäre das Spiel verlaufen, wenn Schiedsrichter Florian Meyer in der 64. Minute dem klar regulären Treffer von Mats Hummels nicht die Anerkennung verweigert hätte? Antwort: es hätte wohl keine Verlängerung gegeben, Dortmund wäre jetzt höchstwahrscheinlich Pokalsieger und ausgerechnet jenen Akteuren der Bayern, die sich unter Gurdiola über zu wenig Einsatzzeiten beklagen, wären die schmerzhaften Wadenkrämpfe erspart geblieben.

Schlüsselszene: Dante klärt Hummels Kopfball hinter der Linie

So bleibt, wie schon nach dem letztjährigen Champions-League-Finale, erneut die bittere Erkenntnis, daß Borussia Dortmund in Berlin weniger am Gegner aus München, als vielmehr an den folgenschweren Fehlentscheidungen des jeweiligen Schiedsrichters gescheitert ist. Denn in Berlin sorgte nicht nur der nicht anerkannte Hummels-Treffer für empörtes Entsetzen.

Der von den Medien als neuer „BVB-Schreck“ gefeierte Arjen Robben hätte zum Zeitpunkt seines Treffers zum 1:0, ähnlich wie Vorlagengeber Boateng, gar nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen. Für seine plumpe und unverschämt offensichtliche „Schwalbe“ im Dortmunder Strafraum sah der „fliegende Holländer“ zwar die gelbe Karte. Es hätte allerdings Gelb-Rot und somit Platzverweis sein müssen. Schiedsrichter Meyer versäumte es nämlich, dem Niederländer bereits in der ersten Halbzeit  wegen zweier klarer taktischer Fouls die regeltechnisch dafür vorgesehene Verwarnung auszusprechen.

Weidenfeller empört über Robbens Schwalbe

Dasselbe gilt für Robbens Teamkamerad Jerome Boateng. Und auch Javi Martinez verließ in nahezu jedem Zweikampf den Weg der in den Fußball-Regeln vorgeschriebenen Legalität.

Auf einen langen und ausschweifenden Spielbericht und die daran anschließende Analyse verzichte ich diesmal bewußt. Das Pokalfinale war ein intensiver Abnutzungskampf zweier äußerst diszipliniert agierender Mannschaften auf Augenhöhe. Ein Fest für Taktikfreaks – nicht jedoch für Feinschmecker abwechslungsreicher Offensivspektakel. Lange Zeit ohne große Höhepunkte und eben relativ unspektakulär.

Ein Finale mit einem überragenden und auf absolutem Weltklasse-Niveau agierenden Mats Hummels, mit einem bärenstarken Roman Weidenfeller, mit einer aufopferungsvoll kämpfenden und geschlossen diszipliniert auftretenden Mannschaft. Mit einem Robert Lewandowski, der in seinem letzten Spiel im BVB-Dress nicht wie gewohnt zur Entfaltung kam. Mit einem nimmermüden Marco Reus, der permanent versuchte, für offensive Akzente zu sorgen.

Letztlich reichte es für unsere Jungs nicht zum vierten Pokalsieg. Erstens aus oben bereits angesprochenen Gründen. Zweitens natürlich auch, weil unserem BVB am Ende der kräftezehrenden 120 Minuten Konzentrations-Fehler (Großkreutz vor dem 1:0) unterliefen, die die Bayern eiskalt zur späten Entscheidung nutzen konnten.

Allerdings fehlte es dem Dortmunder Spiel an diesem denkwürdigen Abend auch an offensivem Durchsetzungsvermögen. Zudem konnte das von gegnerischen Mannschaften so gefürchtete Pressing und Umschaltspiel vom BVB nicht wie gewohnt umgesetzt werden. Gelangen den Schwattgelben  Balleroberungen, verlor man das Leder zu schnell wieder oder setzte in oft sogar unbedrängten Situationen – zur Freude der Bayern-Defensive – auf langgeschlagene Bälle.

Am Ende macht sich ob der bitteren 0:2-Niederlage großer Frust in der schwattgelben Fußball-Seele breit. Dabei schmerzt nicht mal so sehr die Niederlage als solche. Ehrliche Anerkennung für den Gegner, wenn dieser verdient gegen den BVB die Oberhand behielt,  wurde von dieser Stelle aus schon mehrfach ausgesprochen. Vielmehr erzeugt die Art und Weise des Zustandekommens durch krasse Fehlentscheidungen der „Unparteiischen“ Frust und Empörung.

Robben gegen Hummels

Und dennoch überwiegt einen Tag nach dem Berliner Finale der Stolz auf diesen Verein und diese Dortmunder Mannschaft. Borussia hat eine Saison, geprägt von Nackenschlägen und großen personellen Problemen, in einer einzigartigen und beeindruckenden Art und Weise  bewältigt. Daraus sollte man Selbstvertrauen und Optimismus für die Zukunft ziehen. Denn irgendwann wird Ausdauer und der unerschütterliche Glaube an die eigene Stärke auch wieder belohnt. Und irgendwann ist der BVB wieder so stark, daß selbst zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidungen schwattgelbe Titel und Triumphe nicht mehr verhindern können.

In diesem Sinne! Nur der BVB!

(Fotos: kicker)

Jürgen Klopps Analyse der Schlüsselszene, des nicht gegebenen Tores von Mats Hummels.

 DIE STATISTIK

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Jojic, Sahin – Mkhitaryan, Reus, Großkreutz – Lewandowski

Bayern München: Neuer – Boateng, Martinez, Dante – Hojbjerg, Lahm, Kroos, Rafinha – Müller, Götze – Robben

Einwechselungen: 60. Kirch für Mkhitaryan, 83. Aubameyang für Jojic, 110. Hofmann für Großkreutz – 31. Ribery für Lahm, 102. van Buyten für Hojbjerg, 109. Pizarro für Ribery

Tore: 0:1 Robben (107., Boateng), 0:2 Müller (120.+3, Pizarro)

Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)

Gelbe Karten: – Kroos, Hojbjerg, Boateng, van Buyten, Robben

Zuschauer: 76.197 (ausverkauft)

 

HIER SPRICHT KLOPPO

(Auszüge aus Klopps Bankettrede nach dem Finale)

„Das Leben ist eine Ansammlung von Versuchen. Wenn man immer nur das machen würde, was zu 100 Prozent gelingt, wie langweilig wäre das denn? Das, was wir heute Abend gemacht haben, war eine Art Versuch, erneut einen Titel zu  gewinnen. Das hat leider nicht geklappt. Wir haben uns trotzdem als Verein und als Gemeinschaft präsentiert, wie es außergewöhnlicher nicht geht.

Wir alle wissen, wie das Spiel ausgegangen wäre, wie es gestanden hätte, wenn das Tor gezählt hätte. 1:0 für uns. Die Bayern haben sich Wadenkrämpfe rausgedrückt, haben irgendwie auf Zeit gespielt – und wir haben alles versucht, was ging.

Wenn heute Abend nur einer zu mir sagt ‚Schade‘, dem haue ich stumm das Glas aus der Hand. Wir kommen definitiv wieder. Diese Mannschaft ist so charakterstark. Egal, wer uns weggenommen wird, wir holen neue Jungs dazu. Macht euch keine Gedanken!“

MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (1,5), Piszczek (4), Sokratis (2), Hummels (1), Schmelzer (4), Sahin (4), Jojic (3,5), Mkhitaryan (4,5), Reus (3,5), Großkreutz (3,5), Lewandowski (3,5), Kirch (3), Aubameyang (3,5), Hofmann (-).

4:0 – BVB und Lewy bereit fürs Finale

71 Punkte, Vizemeister, Ruhrpott-Meister – Borussia Dortmund hat mit dem 4:0-Sieg bei Hertha BSC am 34. Spieltag der Bundesliga alle vor der Saison gesetzten Ziele erreicht. Vor 76.197 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion ballerten sich die Schwattgelben schon mal für das bevorstehende Pokalfinale gegen Bayern München warm. Einer stand dabei besonders im Mittelpunkt: Robert Lewandowski traf in seinem letzten Bundesligaspiel für den BVB zweimal und sicherte sich damit die so heiß ersehnte Torjägerkanone. Henrikh Mkhitaryan und Milos Jojic erzielten die weiteren Treffer für die Borussia.


Torschützenkönig 2013/14: Robert Lewandowski (Foto: kicker)

PERSONAL

Gegenüber dem Sieg gegen Hoffenheim veränderte Jürgen Klopp seine Startformation lediglich auf einer Position. Manuel Friedrich kam zu seinem letzten Bundesliga-Spiel für den BVB und erhielt somit nochmal Gelegenheit, sich durch gewonnene Spielpraxis als mögliche Option für das Pokalfinale gegen Bayern München anzubieten. Der vor allem in der Rückrunde stark beanspruchte Sokratis bekam gleichzeitig eine Verschnaufpause.

SPIELVERLAUF

Es war keineswegs ein Sommerkick, den beide Teams ihren Fans in einem für die Tabelle eher belanglosen letzten Saisonspiel boten. In einer temporeichen Anfangsphase mit beiderseits schnell vorgetragenen Angriffen kamen beide Mannschaften zu guten Torchancen. Die größte bot sich Herthas Wagner, dessen Kopfball Nuri Sahin für den bereits geschlagenen Weidenfeller auf der Linie klären konnte (5. Minute). Dortmund spielte bis zum gegnerischen Strafraum sehr gefällig. Lediglich der finale Pass wollte zunächst nicht gelingen. Die Gastgeber agierten ähnlich wie der BVB – auch ihre Angriffsversuche endeten spätestens am Dortmunder Strafraum.

Nachdem beide Mannschaften zwischenzeitlich das Tempo aus dem Spiel nahmen, drehte der BVB kurz vor der Halbzeit noch einmal auf. Der knapp im Abseits stehende Lewandowski vollstreckte mit seinem 19. Saisontor eiskalt zur Dortmunder Führung (41.), nachdem Hummels ihn mustergültig freigespielt hatte.Kurz darauf eine Doppelchance für den emsigen Reus, die dieser aber nicht nutzen konnte. Besser machte es da Milos Jojic in der 44. Minute. Der junge Serbe schlenzte das Leder zu seinem vierten Saisontor von halbrechts ins lange Eck.

Immer stärker: Milos Jojic (Foto: kicker)

Nach dem Wechsel löste Oliver Kirch den kraft- und ideenlos wirkenden Sahin ab. Und Borussia kam durch den starken, aber diesmal im Abschluß glücklosen Reus zur nächsten hochkarätigen Chance (47.). Nachdem auch Jojic in der 49. Minute das 3:0 verpaßte, verflachte die Partie. Borussia überließ Hertha nun das Geschehen und beschränkte sich darauf, den Vorsprung zu verwalten. Hertha kam lediglich durch einen Ndjeng-Freistoß (64.) und einen Ramos-Kopfball (69.) zu gefährlichen Aktionen.

Zum Ende der Partie zog Borussia nochmal das Tempo an. Und wurde prompt mit dem 3:0 belohnt. Lewandowski versenkte mit seinem 20. Saisontor einen direkten Freistoß aus 18 Metern im linken Torwinkel des Hertha-Gehäuses (80.). Und nur zwei Minuten später setzte Henrikh Mkhitaryan nach einem Querschläger Aubameyangs mit seinem neunten Saisontreffer den Schlußpunkt unter einen hochverdienten Sieg des BVB.

ANALYSE

Borussia setzte die Vorgaben ihres Trainers bemerkenswert konsequent um und präsentierte sich beim Bundesliga-Saisonausklang durchaus bemüht und keineswegs demotiviert. Mit dem deutlichen 4:0-Sieg blieb der BVB in der Erfolgsspur und unterstrich einmal mehr seine derzeit beeindruckende Spätform.

Zwar unterliefen den Schwattgelben einige Konzentrationsfehler und auch die defensive Zweikampfführung war nicht hundertprozentig konsequent – aber das dürfte niemanden ernsthaft verwundern. Schließlich ging es zum einen tabellarisch um nichts mehr. Zum anderen wollten alle Borussen das Risiko einer Verletzung im Hinblick aufs bevorstehende Pokalfinale minimieren.

Zweikampf Reus / Hosogai (Foto: kicker)

Dennoch zuckten wohl alle, die mit dem BVB sympathisieren, in der 70. Minute zusammen. Nach einem Zweikampf mit Herthas Sandro Wagner mußte Marco Reus mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Platz. Zuvor hatte sich bereits Mats Hummels vorsorglich auswechseln lassen. Und auch Friedrich und Sokratis zogen sich kleinere Blessuren zu. Alle vier dürften aber bis zum Pokalfinale wieder zur Verfügung stehen.

Bemerkenswert einmal mehr der Auftritt von Milos Jojic. Es ist schon beeindruckend, wie schnell sich der junge Serbe an das hohe Bundesliga-Niveau gewöhnt hat und sich mittlerweile zu einem fast schon unverzichtbaren Aktivposten des Dortmunder Spiels entwickelt hat. Nicht von ungefähr gelang Jojic mit einem wunderschönen Treffer bereits sein viertes Saisontor.

Abschließend ein herzlicher Glückwunsch an Robert Lewandowski. Der Musterprofi veredelte seine starke Saison mit zwei Treffern in seinem letzten Bundesligaspiel für den BVB und sicherte sich den Gewinn der  imageträchtigen Torjägerkanone. Lewy ist somit nach Lothar Emmerich und Marcio Amoroso der dritte Borusse, dem dieses Kunststück gelang. Dortmunds Verantwortliche haben alles richtig gemacht, als sie dem Polen vor der Saison einen vorzeitigen Wechsel zum FC Bayern untersagten und dabei bewußt auf eine hohe Ablösesumme verzichteten.

Ab sofort gilt die volle Konzentration dem 17. Mai. Dann will Borussia eine bisher ganz starke Saison  mit dem vierten Gewinn des DFB-Pokals gegen Bayern München krönen. Erinnerungen an das Jahr 2012 werden wach, als der BVB den Rekordmeister in Berlin mit 5:2 demütigte. Ganz Dortmund fiebert nun sieben Tage lang dem absoluten Saison-Höhepunkt entgegen.

DIE STATISTIK

Hertha BSC: Kraft – Ndjeng, Langkamp, Brooks, Pekarik – Hosogai, Kobiashvili – Skjelbred, Mukhtar, Schulz – Wagner

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Hummels, Schmelzer – Jojic, Sahin – Mkhitaryan, Reus, Großkreutz – Lewandowski

Einwechselungen: 34. van den Bergh für Skjelbred, 58. Niemeyer für Langkamp, 64. Ramos für Kobiashvili – 46. Kirch für Sahin, 56. Sokratis für Hummels, 70. Aubameyang für Reus

Tore: 0:1 Lewandowski (41., Hummels), 0:2 Jojic (44.), 0:3 Lewandowski (80., dir. Freistoß), 0:4 Mkhitaryan (82., Aubameyang)

Schiedsrichter: Stieler (Hamburg)

Gelbe Karten: Schulz, Wagner

Zuschauer: 76.197 (ausverkauft)

HIER SPRICHT KLOPPO

„Ich fand das Spiel extrem schwer, weil der Rasen viel zu trocken war. Das ist gefährlich für die Spieler und schlecht für den Fußball. Ansonsten war ich mit dem Spiel meiner Mannschaft hochzufrieden. Wir haben verdient und auch ziemlich hoch gewonnen, weil wir motiviert waren, die 71 Punkte zu schnappen. Das ist die drittbeste Ausbeute in der Bundesligageschichte von Borussia Dortmund. Und dazu haben wir, unter tatkräftiger Mithilfe seiner Mitspieler, Robert Lewandowski noch zum Torschützenkönig machen können. Von daher ist es ein perfekter Tag.

Nuri Sahin hat eine muskuläre Geschichte. Das ist nicht so günstig. Deshalb haben wir ihn in der Halbzeitpause raus genommen. Die anderen drei haben Schläge abbekommen. Das aber dürfte kein größeres Problem bedeuten für kommenden Samstag.

Von den 8.000 Freistößen, die Lewy im Training geschossen hat, waren maximal zwei drin. Kein Witz. Auf den letzten Drücker nimmt er auch noch diese Qualität mit.

Zweikommairgendwas Millionen Euro an Ablöse sind eine Menge Geld, aber im Fußball kann man sie noch als Schnäppchen bezeichnen. Milos Jojic ist ein Riesentalent, das auf mehreren Positionen im Mittelfeld spielen kann. Dass er torgefährlich ist, hat man vom ersten Moment an gemerkt. Ein toller Junger, der sich prima eingefügt hat.

Wenn man in dieses Stadion hier einläuft und weiß, dass man nächste Woche schon wieder da ist, dann begleiten einen ein paar Gedanken. Ansonsten aber hat das Pokalfinale mit dem heutigen Spiel nichts zu tun gehabt.“

MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (2), Piszczek (3,5), Hummels (2), Friedrich (3), Schmelzer (3), Sahin (3,5), Joljic (2,5), Mkhitaryan (3), Reus (2,5), Großkreutz (2,5), Lewandowski (2), Kirch (3), Sokratis (3), Aubameyang (-).

3:2 – BVB bleibt in der Erfolgsspur

Im letzten Heimspiel dieser Bundesliga-Saison gelang Borussia Dortmund vor 80.200 Zuschauern im einmal mehr ausverkauften Westfalenstadion ein 3:2-Sieg über die TSG Hoffenheim. Das Duell mit der Gisdol-Elf war zugleich die Abschiedsvorstellung von Robert Lewandowski vor den eigenen Fans. Zwar blieb Lewy ein eigener Treffer verwehrt, doch sorgten Borussias Verantwortliche und vor allem die BVB-Fans für einen gleichermaßen emotionalen wie würdigen Abschied des polnischen Torjägers. Zweimal noch wird einer der erfolgreichsten Stürmer der BVB-Historie das schwattgelbe Trikot tragen – letztmals am 17. Mai im Berliner Pokalfinale gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber Bayern München.


Mit seinem 1:1 brach Großkreutz den Bann. Links Jojic (Foto: kicker)

PERSONAL

Der wiedergenesene Marcel Schmelzer feierte nach sechswöchiger Verletzungspause sein Comeback und kam für den grippeerkrankten Oliver Kirch ins Team. Weil Schmelle seine angestammte Position als Linksverteidiger einnahm, rutschte Klopps Allrounder Kevin Großkreutz vor auf die linke offensive Außenbahn, während Milos Jojic als zweiter Sechser neben Nuri Sahin agierte.

SPIELVERLAUF

Hoffenheim begann erwartet frech, offensiv und ohne großen Respekt. Da sich Dortmunds Defensive in den ersten Minuten vogelwild und unkonzentriert präsentierte, kamen die Gäste zwangsläufig zu ersten guten Torchancen. Eine davon nutzte Firmino in der 5. Minute zur Führung für die TSG. Der Brasilianer verwertete dabei Rudys starke Vorarbeit, nachdem dieser Schmelzer und Hummels regelrecht düpiert hatte. Beinahe hätte die Gisdol-Elf die allgemeine Verunsicherung in Borussias Defensive nur zwei Minuten später zum 0:2 genutzt – doch Hummels klärte einen Volland-Schuß auf der Torlinie.

Danach fing sich der BVB jedoch und fand immer besser ins Spiel. Lewandowski und Reus bot sich in der 10. und 12. Minute die Chance zum Ausgleich. Im Anschluß brachten beide Teams mehr Ruhe in ihr Spiel und vor allem in ihre Defensiv-Reihen. So endeten die beiderseits mit hohem Tempo vorgetragenen Offensivaktionen meistens am gegnerischen Strafraum. In der 29. Minute gelang Borussia aus der zunehmenden optischen Überlegenheit der folgerichtige Ausgleich. Ein Zuspiel von Jojic schlenzte Großkreutz von halblinks gefühlvoll und platziert ins lange Eck des von Grahl gehüteten Gästetores.

Offizielle Verabschiedung: Lewandowski und Zorc (Foto: kicker)

Das 1:1 leitete eine fünfminütige Vollgas-Phase der Hausherren ein. In der 31. Minute das 2:1 für den BVB durch Mkhitaryan, der eine maßgenaue Reus-Flanke per Flugkopfball ins Netz wuchtete. Und nur drei Minuten später gar das 3:1 für die nun wie entfesselt aufspielenden Gastgeber. Einen Reus-Freistoß wehrten die Hoffenheimer zu unkontrolliert ab. Der freistehende Piszczek nahm die Einladung an und schlenzte das Leder per Außenrist in den rechten Torwinkel. Innerhalb weniger Minuten hatte der BVB die Partie gedreht.

Nach dem Wechsel schienen beide Teams den Schwung der ersten 45 Minuten in der Kabine gelassen zu haben. Die Partie verflachte mit fortschreitender Spieldauer. Zwar war Dortmund um weitere Abschlußmöglichkeiten bemüht (Lewandowski, Reus), doch zwingende Gefahr für die Gäste verursachte Borussia dadurch nicht. Lediglich zwei Fernschüße von Großkreutz in der 59. und 60. Minute brachten die TSG nochmal in Bedrängnis.

Die Partie plätscherte nun fast ereignislos dahin – bis ausgerechnet Roman „Mr. Zuverlässig“ Weidenfeller in der 62. Minute nochmal für ein klein wenig Spannung sorgte. Einen Fernschuß von Süle ließ Borussias Nationalkeeper zum Anschlußtreffer der Gäste durch die Beine rutschen. Das wars dann allerdings auch schon, denn in der Folgezeit kamen beide Teams nicht mehr zu wirklich zwingenden Torchancen. Einziger Höhepunkt war schließlich noch die Auswechslung von Lewandowski kurz vor Spielende. Der Pole wurde bei seinem letzten Heimspiel für den BVB von den Fans mit Standing-Ovations und Sprechchören würdig verabschiedet.

Rassiger Zweikampf Großkreutz / Johnson (Foto: kicker)

ANALYSE

Eine allzu kritische Analyse verbietet sich für dieses letzte BVB-Heimspiel der laufenden Saison. Zum einen hatten die Schwattgelben bereits vor dem Anpfiff ihr Bundesliga-Saisonziel erreicht. Zum anderen lag der Fokus dieses letzten Saisonauftritts vor eigenem Publikum auf der Person Robert Lewandowski.

Der Pole absolvierte sein letztes Spiel als Borusse im Westfalenstadion und stand bereits vor Spielbeginn im Rahmen seiner offiziellen Verabschiedung logischerweise im Mittelpunkt des Interesses. Seine letzten 90 Minuten als Borusse im Westfalenstadion absolvierte der Torjäger, wie man es von ihm gewohnt ist. Lewy war sowohl Anspielstation als auch Vorbereiter, war Prellbock und Vorlagengeber – aber ein eigener Treffer wollte dem in Dortmund zum Weltklassespieler gereiften Polen partout nicht gelingen. Gelegentlich wirkte Lewandowski ungewohnt eigensinnig. In einigen Situationen wurde regelrecht spürbar, daß er sich unbedingt (verständlicherweise) mit einem Treffer vom Dortmunder Publikum verabschieden wollte.

Nach anfänglichem Tohuwabohu im Defensivverhalten bot die Borussia ihren Fans insgesamt ein recht kurzweiliges und im ersten Durchgang teilweise hochklassiges Spiel. Gelegentliche Unkonzentriertheiten beider Teams (Höhepunkt Weidenfellers Lapsus beim 3:2) waren eindeutig der Tatsache geschuldet, daß sowohl für den BVB als auch für die Gäste nicht mehr so furchtbar viel auf dem Spiel stand.

Erwähnenswert das Comeback von Marcel Schmelzer. Der Nationalverteidiger hatte seinen Faserriß auskuriert und mit der Startelf-Nominierung seine sechswöchige Wettkampf-Abstinenz beendet. Die lange Pause war Schmelle durchaus anzumerken, was jedoch niemanden wirklich verwundern konnte.

Kevin Großkreutz zeigte sich einmal mehr von seiner besten Seite. Borussias Allzweckwaffe entpuppte sich mit zunehmender Spieldauer als diesmal stärkste Dortmunder Offensivkraft. Großkreutz war an fast allen gefährlichen Aktionen seiner Mannschaft beteiligt und krönte seinen starken Auftritt mit seinem ersten Tor in dieser Bundesliga-Saison.

Ein eigener Treffer gelang Marco Reus diesmal zwar nicht. Dennoch war der Nationalspieler einmal mehr ein absoluter Aktivposten des Dortmunder Spiels und erneut an zwei Toren seiner Mannschaft als Vorbereiter direkt beteiligt.

Starker Auftritt: Sokratis gegen Firmino (Foto: kicker)

Aus meiner Sicht ein wenig unverständlich und auch enttäuschend, daß Manuel Friedrich ein letzter Einsatz vor heimischem Publikum verwehrt blieb. Zwar wurde der Routinier (wie Lewandowski) vor dem Spiel offiziell verabschiedet. Doch wird es wohl Jürgen Klopps Geheimnis bleiben, warum er seinem langjährigen Weggefährten in dessen letztem Westfalenstadion-Einsatz nicht wenigstens ein paar Einsatz-Minuten gönnte und  ihn damit um den verdienten Szenen-Applaus brachte.

Abschließend bleibt festzuhalten, daß die Schwattgelben ihre schon während der Saison mehrfach nachgewiesene großartige Mentalität und Charakterstärke auch gegen Hoffenheim unter Beweis stellten. Die Lust am Spiel und der Wille zum Sieg war der Klopp-Elf auch in diesem sportlich relativ bedeutungslosen Duell mit den Kraichgauern jederzeit anzumerken – und fand seine Krönung zwischen der 29. und 34. Minute, als die Mannschaft den frühen Rückstand in einen vorentscheidenden 3:1-Vorsprung drehte. Durch den letztlich verdienten 3:2-Sieg bleibt Borussia Dortmund in der Erfolgsspur der letzten Wochen.

Die Pressekonferenz mit Jürgen Klopp nach dem Spiel gegen Hoffenheim (präsentiert von SportLiveDortmund)

DIE STATISTIK

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Jojic, Sahin – Mkhitaryan, Reus, Großkreutz – Lewandowski

TSG Hoffenheim: Grahl – Johnson, Abraham, Süle, Beck – Elyounoussi, Strobl, Polanski, Rudy – Roberto Firmino, Volland

Einwechselungen: 76. Aubameyang für Reus, 81. Hofmann für Mkhitaryan, 90.+1 Schieber für Lewandowski – 54. Salihovic fürElyounoussi, 61. Gyau für Polanski, 85. Nazario für Strobl

Tore: 0:1 Roberto Firmino (5., Rudy), 1:1 Großkreutz (29., Jojic), 2:1 Mkhitaryan (31., Reus), 3:1 Piszczek (34., Freistoß Reus), 3:2 Süle (66.)

Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden)

Gelbe Karte: – Polanski

Zuschauer: 80.200 (ausverkauft)

HIER SPRICHT KLOPPO

„Zweitletzter Spieltag, Abschiedszeremonien – der undankbarste Gegner, den man zu einem solchen Zeitpunkt in der Saison kriegen kann, ist Hoffenheim. Die lassen sich von einer Atmosphäre, wie wir sie haben, inspirieren, sind schnell, haben einen guten Plan und Lust auf Fußball. Alles, was einem da an Konzentration fehlt, musst du durch Laufen ausgleichen. So kam diese Anfangsphase zustande. Wir hatten Aktien am Gegentor und an der Großchance, da waren wir noch nicht richtig da. Danach waren wir geweckt und im Spiel, haben tollen Fußball gespielt. Die erste Halbzeit war sehr spektakulär, das hat den Leuten, denke ich, richtig Spaß gemacht. Dafür, dass der Druck weg war, war das heute herausragend gut und Werbung für den Fußball.“

MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (4), Piszczek (3), Sokratis (2), Hummels (3), Schmelzer (3,5), Sahin (4), Jojic (3,5), Mkhitaryan (3), Reus (2,5), Großkreutz (2), Lewandowski (3,5), Hofmann (-), Aubameyang (-), Schieber (-).

2:2 – „Rolls Reus“ erneut überragend

In einem über weite Strecken hochklassigen Bundesligaspiel trennten sich mit Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund zwei Top-Teams der Liga leistungsgerecht 2:2 unentschieden. Die jeweilige Führung der Gastgeber durch Lars Bender und Gonzalo Castro konnte der BVB durch Oliver Kirch und Marco Reus zweimal egalisieren. Vor 30.210 Zuschauern in der ausverkauften Bay-Arena lieferten sich beide Mannschaften einen offenen Schlagabtausch auf teilweise hohem Niveau.

Verschworener „Haufen“: Borussia vor dem Anpfiff (Foto:kicker)

PERSONAL

Gegenüber dem 4:2 gegen Mainz kehrte der wiedergenesene Weidenfeller für Langerak zwischen die Dortmunder Pfosten zurück. Anstelle des verletzten Erik Durm vertraute BVB-Coach Jürgen Klopp bei der Besetzung der Linksverteidiger-Position auf seine Allzweckwaffe Kevin Großkreutz.

SPIELVERLAUF

Beide Teams begegneten sich mit hochstehenden Abwehrreihen und frühem Pressing und somit in ähnlicher taktischer Ausrichtung. Mit der ersten Torchance gingen die Gastgeber in der 7. Minute in Führung. Einen von Weidenfeller an die Latte gelenkten Kießling-Abpraller netzte Lars Bender geistesgegenwärtig per Kopf zum 1:0 für Bayer ein. Borussia zeigte sich allerdings keineswegs geschockt und kam in der 12. und 13. Minute durch Mkhitaryan zu zwei guten Gelegenheiten, die der Armenier jedoch nicht nutzen konnte. Der verdiente Ausgleich für die Schwattgelben nach 29 Minuten. Einen von halblinks wie immer mit viel Schnitt und Präzision von Reus geschlagenen Freistoß verlängerte Oliver Kirch mit dem Hinterkopf in die lange Ecke des von Leno gehüteten Leverkusener Tores. Eine Kopie des Piszczek-Treffers gegen Mainz aus der Vorwoche.

Der offene und intensiv geführte Schlagabtausch setzte sich in der Folgezeit fort und mündete nach 35 Minuten in Leverkusens erneute Führung. Eine gefühlvolle Hereingabe von Brandt köpfte Gonzalo Castro aus halblinkem spitzem Winkel unhaltbar für Weidenfeller zum 2:1 ein. Aber auch der erneute Rückstand hinterließ keine Schockstarre beim BVB, denn bereits in der 39. Minute besorgte Reus per Strafstoß das 2:2. Hilbert hatte zuvor eine Jojic-Flanke im Zweikampf mit Lewandowski mit einem klaren Handspiel geklärt. Nur eine Minute später verpaßte der einmal mehr überragende Marco Reus, seine Mannschaft mit 3:2 in Führung zu bringen.

Vollgas-Coaching: Jürgen Klopp (Foto: kicker)

Nach dem Seitenwechsel begannen beide Teams personell und auch in ihrer Spielanlage unverändert. Kießling (46. und 60.) ließ zwei Möglichkeiten ungenutzt, Son traf in der 68. Minute nur das Außennnetz und Brandt scheiterte freistehend am grandios reagierenden Weidenfeller (72.). Borussia zeigte sich spielerisch gegen die sich in der Folgezeit immer weiter zurückziehenden Leverkusener zwar überlegen, konnte sich aber kaum noch gefährliche Tormöglichkeiten herausarbeiten. Einzig durch einen Reus-Freistoß in der 79. Minute, den Hummels knapp verpaßte, konnte der BVB das Tor der Gastgeber nochmals ernsthaft in Bedrängnis bringen.

Ansonsten neutralisierten sich beide Teams bereits im Mittelfeld. Boenisch bot sich in der Nachspielzeit nochmal die Möglichkeit zum Siegtreffer für Bayer, doch der Außenverteidiger vergab aus spitzem Winkel. So blieb es beim letzlich gerechten Unentschieden zwischen zwei an diesem Nachmittag gleich starken Teams.

Leverkusens 1:0 durch L.Bender (Foto: kicker)

ANALYSE

Zwar trumpfte Borussia nicht so brillant und furios wie in den Spielen der letzten Wochen auf, bestach aber dennoch durch einen Mix aus Leidenschaft, taktischer Disziplin und im ersten Durchgang auch spielerischer Finesse.

Aus einer wie gewohnt geschlossenen Mannschaft ragte einmal mehr Marco Reus heraus. Der Nationalspieler war nicht nur an beiden Toren seines Teams direkt beteiligt. Vielmehr lief fast jeder Angriff über „Woodyinho“. Wo immer der blonde Wirbelwind auch auftauchte, verursachte er durch seine furiosen Aktionen Unruhe in der Leverkusener Defensive. Reus sprühte nur so vor Spielfreude und sorgte mit seinen blitzgescheiten Pässen und stets gefährlichen Dribblings für permante Überraschungsmomente im Offensivspiel des BVB. Nicht zu vergessen seine Standards, bei denen vor dem Tor der Gastgeber stets „Alarmstufe Rot“ ausgerufen wurde.

Überdurchschnittlich einmal mehr auch der Auftritt von Oliver Kirch. Der 31jährige Blondschopf war nicht nur wegen seines Ausgleichstreffers zum 1:1 neben Reus der auffälligste Borusse. Kirch stopfte mehrmals Löcher im Mittelfeld-Zentrum und sorgte in der Vorwärtsbewegung für spielerische Akzente. Fast alle Aktionen des Routiniers hatten Hand und Fuß. Kirch verlieh dem Aufbauspiel des BVB Struktur, auch wenn seinen Offensiv-Aktionen in manchen Umschaltmomenten die Schnelligkeit fehlte – was Mitte der zweiten Hälfte zu einem kurzen Disput mit Jürgen Klopp führte.

Kirchs Ausgleich zum 1:1 (Foto: kicker)

Erwähnenswert, weil äußerst selten: Robert Lewandowski kam gegen Leverkusens Innenverteidiger-Duo Spahic und Toprak kaum zur Geltung. Zwar bemühte sich der polnische Nationalspieler wie gewohnt und schaffte auch immer wieder Räume für die nachrückenden Mannschaftskollegen. Doch Lewy wollte an diesem Nachmittag irgendwie nichts gelingen. Aber kein Vorwurf an Borussias Goalgetter, der sich in zahlreichen nickeligen Zweikämpfen mit Spahic und Toprak extrem aufrieb.

Mit dem Punkt in Leverkusen setzten die Schwattgelben ihren positiven Lauf der vergangenen Wochen fort und untermauerten ihren Anspruch auf Platz Zwei. In den beiden noch ausstehenden Saisonspielen gegen Hoffenheim und bei Hertha BSC könnte der BVB sein Punktekonto auf starke 71 Zähler ausbauen und eine von vielen Nackenschlägen geprägte Bundesliga-Saison zu einem mehr als positiven Ende bringen.

DIE STATISTIK

Bayer Leverkusen: Leno – Hilbert, Toprak, Spahic, Boenisch – Bender, Can – Brandt, Castro, Son – Kießling

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Großkreutz – Sahin, Kirch – Jojic, Reus, Mkhitaryan – Lewandowski

Einwechselungen: 81. Rolfes und Öztunali für Castro und Brandt, 84. Derdiyok für Kießling – 75. Aubameyang für Mkhitaryan, 82. Hofmann für Jojic, 90. Schieber für Lewandowski.

Tore: 1:0 L. Bender (7., Kießling), 1:1 Kirch (29., Freistoß Reus), 2:1 Castro (35., Brandt), 2:2 Reus (39., Handelfmeter, Hilbert)

Schiedsrichter: Perl (Pullach)

Gelbe Karten: Spahic – Lewandowski

Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)

HIER SPRICHT KLOPPO

Ein Punkt in Leverkusen ist für Borussia Dortmund immer noch ein Erfolg, und das wird auch noch eine Zeitlang so bleiben. Und wie er zustande gekommen ist, war gut. Wir waren voller Spielfreude und hatten richtig Bock auf Fußball, haben die Kugel laufen lassen. Leider haben wir dem Gegner damit auch ein bisschen in die Karten gespielt. Nach Ballverlust mussten wir weite Wege zurück in die Defensive gehen, die richtig weh getan haben. Die beiden Gegentreffer hätten wir besser verteidigen können. Beim zweiten wollte einer von uns auf Abseits stellen. Wir haben aber auf beide Gegentore gut reagiert, weiter Fußball gespielt und ein tolles Standard-Tor – ähnlich wie am vergangenen Wochenende gegen Mainz – zum 1:1 erzielt.

Die zweite Halbzeit war ein bisschen offener, weil wir ungeduldiger wurden in unseren Aktionen. Wir waren zwar immer noch gut, aber nicht mehr herausragend. So ist es ein verdienter Punkt für beide Mannschaften.

Marco Reus ist in einer sehr guten Verfassung, und das hilft uns, Spiele zu gewinnen. Neben seinem großartigen Talent bringt er die Bereitschaft zum Arbeiten mit ein. Marco hat unsere Spielweise maximalst verinnerlicht. Es macht ihm Spaß, gegen die Kugel zu arbeiten, weil es ihm auch viele Dinge erleichtert. Er hätte auch ein zweites Tor erzielen können, wenn er vielleicht an Leno vorbeigelaufen wäre, aber er wollte den Ball durchstecken.

Für uns ist wichtig, dass wir erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit wieder eine komplette Trainingswoche hatten, in der wir auch an taktischen Dingen arbeiten konnten. Dafür nutzen wir die letzten drei Wochen vor dem alles entscheidenden Spiel in Berlin. Dabei müssen wir hoffen, dass sich niemand weh tut. Aber das kann man nicht verhindern, indem man sie nicht mehr aufstellt. Wenn wir so spielen wie in der ersten Halbzeit in Leverkusen, werden wir die weiteren Spiele gewinnen und können mit breiter Brust ins Finale gehen.“

MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (2), Piszczek (3,5), Sokratis (2,5), Hummels (2,5), Großkreutz (3,5), Kirch (2), Sahin (4), Jojic (3), Reus (1,5), Mkhitaryan (3,5), Lewandowski (4), Aubameyang (-), Hofmann (-), Schieber (-).

4:2 – Furioser BVB nicht zu stoppen

Borussia Dortmund hat sein Saisonziel in der Bundesliga erreicht. Am Nachmittag besiegte der BVB den FSV Mainz 05 mit 4:2 und machte damit die direkte Champions-League-Qualifikation perfekt. 80.500 Zuschauer im ausverkauften Westfalenstadion erlebten ein Offensivspektakel und einen offenen Schlagabtausch allererster Güte. Von Müdigkeit oder Erschöpfungszuständen zum Abschluß der fünften englischen Woche in Folge war bei den Schwattgelben nichts zu spüren. Milos Jojic, Robert Lewandowski, Lukasz Piszczek und Marco Reus erzielten die Treffer zum hochverdienten und furios herausgespielten Dortmunder Sieg gegen aufopferungsvoll kämpfende, letztlich aber chancenlose Mainzer.


Borussias 1:0 durch Jojics abgefälschten Schuß. (Foto: kicker)

PERSONAL

Jürgen Klopp änderte die siegreiche Mannschaft aus dem Pokalfight gegen Wolfsburg auf drei Positionen. Weidenfeller und Kehl fehlten leicht angeschlagen, Großkreutz bekam eine längst verdiente schöpferische Pause. Langerak, Kirch und Jojic rückten statt ihrer in die Startformation, die Klopp im altbewährten 4-2-3-1-System ausrichtete.

SPIELVERLAUF

Borussia begann wie die Feuerwehr. Mit schnellen Kombinationen schien der BVB die Gäste überrennen zu wollen. Bereits in der 3. Minute bewahrte der Pfosten die Mainzer nach einem Reus-Freistoß vor einem frühen Rückstand. Zwar versuchte die Tuchel-Elf mit recht harter Gangart die Borussen am Spielaufbau zu hindern, doch die wie entfesselt auftretenden Schwattgelben kamen in der 8. Minute zum 1:0. Einen Schuß von Jojic fälschte Kirch mit einem unabsichtlichen Handspiel unhaltbar für Karius ab. Auch danach Dortmund nicht zu stoppen. Mit teilweise furiosen Ballstafetten kam der BVB immer wieder zu gefährlichen Aktionen vor dem Gästetor. Mkhitaryans Schuß in der 12. Minute wurde von Noveski knapp neben das Tor abgefälscht. Mainz nur sporadisch mit Offensivaktionen, von denen eine in der 14. Minute jedoch zum überraschenden Ausgleich führte. Okazakis Schuß fälschte Hummels unerreichbar für Langerak ins eigene Tor ab.

Dortmund schüttelte sich kurz und spielte danach weiter groß auf. Einen Traumpaß von Sahin auf den rechts durchstartenden Mkhitaryan legte dieser quer zu Lewandowski. Der polnische Torjäger umkurvte Karius und schob mit seinem 18.Saisontor zum 2:1 für den BVB ein (18.). Mit hohem Tempo ging es bis zur Halbzeit weiter. Lewandowski und Reus (22. und 24.) scheiterten bei weiteren Gelegenheiten für Dortmund, Choupo-Moting (25.) und Malli (35.) taten es ihnen für Mainz gleich.

Kollektiver Jubel über Piszczeks 3:2 (Foto:Kicker)

Nach dem Wechsel wollte Dortmund die schnelle Entscheidung und startete ein regelrechtes Powerplay. Reus (48.) und Lewandowski (52.) scheiterten jedoch an Karius. Effektiver zeigten sich die Gäste. Okazaki erlief einen katastrophalen Sahin-Rückpaß und schob ihn am verdutzten Langerak vorbei zum 2:2 ins Tor der Borussia. Doch wie schon nach dem 1:1 ließ die Antwort der Schwattgelben auch diesmal nicht lange auf sich warten. Einen Freistoß von Marco Reus veredelte Lukasz Piszczek zur erneuten Dortmunder Führung. Mit dem Rücken zum Tor stehend beförderte der polnische Rechtsverteidiger das Leder ins Mainzer Gehäuse.

Die Gäste hatten dem nun folgenden Sturmlauf des BVB kaum noch etwas entgegenzusetzen. Zweimal scheiterte Lewandowski an Karius (63., 64.), bevor Okazaki einen Hummels-Kopfball von der Torlinie kratzte (67.). Mainz kam kaum noch zum Luftholen und geriet in puncto Torschüsse bis zur 75. Minute mit 7:21 (!!) in Rückstand. Das 4:2 lag mehr als in der Luft und in der 79. Minute war es dann endlich soweit. Nach einem Traumzuspiel von Reus umkurvte Lewandowski den starken Karius. Seinen strammen Schuß aus spitzem Winkel konnte Bungert nur per Handspiel stoppen und sah dafür die Rote Karte. Den fälligen Strafstoß verwandelte der überragende Reus mit seinem 15. Saisontor zum 4:2 für den BVB. Der Wiederstand der Gäste war nun endgültig gebrochen und Dortmund kam in Überzahl durch den eingewechselten Aubameyang noch zu zwei hochkarätigen Chancen (86., 87.), die dieser jedoch ungenutzt ließ. Am Ende stand ein hochverdienter 4:2-Sieg einer spektakulär aufspielenden Borussia.

ANALYSE

Die Frage muß erlaubt sein: Woher nimmt der BVB diese Energie und Kraft? Trotz andauernder personeller Nackenschläge und zuletzt zwölf Spielen innerhalb von 36 Tagen präsentiert sich Borussia zum Saisonende in Gala-Form. Körperlich und mental befindet sich diese Mannschaft momentan auf absolutem Top-Niveau und spielt hochkarätige Gegner wie Madrid, Bayern München, Wolfsburg und auch die zuvor stark auftrumpfenden Mainzer in Grund und Boden.

Lewandowskis 2:1 für Borussia (Foto: kicker)

Der Schlüssel schlechthin zu dieser bemerkenswerten Verfassung der Dortmunder Mannschaft heißt Jürgen Klopp. Wen immer der Coach derzeit aufstellt und mit welchem System er seine Elf auch ausstattet – Klopp trifft mit seinen Entscheidungen permanent ins Schwarze. Zudem muß der von zahlreichen europäischen Top-Klubs umworbene Erfolgstrainer des BVB auch in puncto Training und Trainingssteuerung einiges richtig machen und gemacht haben. Denn statt, wie er selbst beteuert, auf der letzten Felge zu laufen, präsentiert sich sein ausgedünnter Kader zum Ende einer schwierigen Saison mental und physisch auf allerhöchstem Niveau.

Allen voran Marco Reus. Der Nationalspieler war nie so stark wie momentan. Reus ist der absolute Schlüsselspieler in der Offensive und hat in dem glänzend aufgelegten Mkhitaryan und dem nimmermüden Alleskönner Lewandowski zwei kongeniale Partner. Wenn diese drei aufs Gaspedal drücken, sind sie momentan kaum aufzuhalten.

Natürlich profitieren alle drei auch von Mats Hummels, der nach etlichen Verletzungsunterbechungen endlich zu absoluter körperlicher Fitness gefunden hat und sich mittlerweile in konstant starker Form präsentiert. Der Nationalverteidiger stopft Löcher, gewinnt Zweikämpfe, dirigiert lautstark, zeigt Präsenz und kurbelt die eigene Offensive mit großer Kreativität an. Hummels ist der uneingeschränkte Kopf, das Hirn der aktuellen Mannschaft.

Schlußpunkt: Reus´ Elfmeter zum 4:2 (Foto: kicker)

Dazu präsentieren sich Akteure aus der „zweiten Reihe“ wie Winter-Neuzugang Milos Jojic und Oliver Kirch als vollwertiger Ersatz für die etablierten, aber verletzten Langzeitausfälle. Besonders der junge Serbe beweist von Spiel zu Spiel deutlicher, daß er einen echten Faustpfand für die Zukunft der Schwattgelben darstellt. Klopp und Zorc scheinen in Jojic einmal mehr einen absoluten Rohdiamanten entdeckt zu haben. Routinier Kirch hingegen empfiehlt sich durch konstant starke Leistungen für eine scheinbar kurz bevorstehende Verlängerung seines zum Saisonende auslaufenden Vertrags.

Zum absoluten Shooting-Star im Kader der Borussia könnte Erik Durm werden. Der für den verletzten Marcel Schmelzer ins kalte Wasser gewordene Jungspund hat über die gesamte Saison gesehen einen dermaßen starken und konstanten Eindruck als Linksverteidiger hinterlassen, daß ihn Lothar Matthäus jüngst als ernsthafte Option für Jogi Löws WM-Kader ins Gespräch brachte.

Beeindruckt von seinem Team: Jürgen Klopp (Foto: kicker)

Glückwunsch jedoch an die komplette Mannschaft und den Trainerstab zur vorzeitigen direkten Qualifikation für die neue Champions-League-Saison, die mit dem heutigen Sieg gegen Mainz perfekt gemacht wurde. Der Mannschaft bleiben nun erstmal sechs Tage Zeit zum Durchschnaufen, bevor es am 32. Spieltag zu Bayer Leverkusen geht. Dort will Borussia dringend erneut punkten, denn bis zum Abpfiff der Saison wollen die Schwattgelben unbedingt den zweiten Platz vor ihrem Revier-Nachbarn aus der verbotenen Stadt verteidigen.

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, daß Borussia die derzeitige Form bis zum Pokalfinale am 17. Mai in Berlin konservieren kann. Dann steht einem erneuten Gewinn des DFB-Pokals gegen den Erzrivalen Bayern München nichts mehr im Wege.

Die Pressekonferenz mit Jürgen Klopp (präsentiert von SportLiveDortmund)

DIE STATISTIK

Borussia Dortmund: Langerak – Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm – Sahin, Kirch – Jojic, Reus, Mkhitaryan – Lewandowski

1. FSV Mainz 05: Karius – Pospech, Bungert, Noveski, Junior Diaz – Geis – Bell, Malli, Moritz, Choupo-Moting – Okazaki

Einwechselungen: 80. Großkreutz für Mkhitaryan, 81. Hofmann für Jojic, 84. Aubameyang für Reus – 46. Saller und Parker für Bell und Moritz, 75. Koo für Malli

Tore: 1:0 Jojic (6.), 1:1 Okazaki (14., Junior Diaz), 2:1 Lewandowski (18., Mkhitaryan), 2:2 Okazaki (53.), 3:2 Piszczek (56., Freistoß Kirch), 4:2 Reus (79., Handelfmeter, Lewandowski)

Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)

Rote Karte: 78. Bungert (Handspiel)

Gelbe Karten: Jojic – Okazaki

Zuschauer: 80.500 (ausverkauft)

HIER SPRICHT KLOPPO

„Das war herausragend gut, was meine Truppe gemacht hat. Nichts war selbstverständlich heute. Zu allem, was zusammenkommen kann, hat heute auch noch die Sonne geschienen. Das ist für Fußballer nicht so toll. Dennoch hat meine Mannschaft den inneren Schweinhund ein für allemal besiegt. Sie ist aggressiv angelaufen, hat ein hohes Tempo gespielt. Das erleichtert mich total. Es war stark; dazu tolle Tore. Es hätte sogar das eine oder andere mehr sein können. Dennoch war das Spiel lange Zeit eng. Noch neun Punkte aus den letzten drei Spielen, und alles ist gut.“

MEINE BVB-NOTEN

Langerak (3), Piszczek (3), Sokratis (2,5), Hummels (2,5), Durm (3), Sahin (3), Kirch (2,5), Jojic (2,5), Reus (1), Mkhitaryan (2), Lewandowski (2,5), Großkreutz (-), Hofmann (-), Aubameyang (-).