Welcome, SC Paderborn 07

Klar ist das hier ein BVB-Blog – und das bleibt er auch.

Aber aus besonderem Anlass möchte ich heute von dieser Stelle aus einem Verein huldigen, der wohl als DER Sensationsaufsteiger in die Bundesliga-Annalen eingehen wird – und für fast ganz Fußball-Deutschland schon vor dem ersten Anpfiff der neuen Saison als sicherer Absteiger feststeht.

Ich sehe das allerdings ein wenig anders. Warum? Lest doch einfach selbst…


Heimstätte des SCP: die Benteler-Arena

Als gebürtigem und dort wohnhaften „Ur-Paderborner“ liegt mir der SCP naturgemäß am Herzen. Daß er darin allerdings nur die „zweite Geige“ spielt, liegt irgendwie in der Natur der Sache. Zum einen bin ich mit schwattgelbem Blut geboren und fußballerisch gesehen absolutes Dortmunder Ur-Gestein. Zum anderen dümpelte der SCP seit ich denken kann, in der fußballerischen Viert-, Dritt- oder Zweitklassigkeit mehr oder weniger vor sich hin. Dennoch habe ich schon immer neben den Besuchen des Westfalenstadions auch die Spiele des SCP verfolgt und oft live vor Ort erlebt.

Bei Wind und Regen im altehrwürdigen Hermann-Löns-Stadion mit knapp 1000 anderen „Unentwegten“ die Auftritte des damaligen TuS Schloß Neuhaus zu beobachten, war nicht immer vergnügungssteuerpflichtig. Aber dennoch erinnere ich mich auch an diese Zeit gerne zurück.

Mit der Fusion aus TuS Schloß Neuhaus und 1.FC Paderborn zum TuS Paderborn-Neuhaus, der sich dann Mitte der neunziger Jahre in „SC Paderborn 07“ umbenannte, wurde der Grundstein für die darauf folgende und bis heute andauernde Erfolgsgeschichte dieses Klubs gelegt.

Visionär und „Macher“: Wilfried Finke

Mit dem längst überfälligen Bau der heutigen Benteler-Arena fand der Verein dann 2008 endlich auch eine seiner lokalen Bedeutung angemessene Heimstätte. Ein Meilenstein auf dem Weg zu professionelleren Strukturen!

Dem dritten Zweitliga-Aufstieg 2009 folgte dann eine Konsolidierungsphase mit nachhaltigen fünf Jahren am Stück im Bundesliga-Unterhaus. Dabei schnupperte der SC Paderborn bereits 2012 zwischenzeitlich unter dem heutigen Leverkusener Coach Roger Schmidt an der deutschen Elite-Liga.

Doch erst mit dem vom TSV Havelse im Sommer 2013 verpflichteten Andre Breitenreiter gelang dem Verein nun sensationell und mit einem Mini-Etat ausgestattet der nie für möglich gehaltene Aufstieg in die „Liga der Weltmeister“.

Neben den rein lokalpatriotischen Gründen fühle ich mich allerdings auch persönlich mit dem SCP eng verbunden. Schließlich kickte ich in jungen Jahren mit Pressesprecher Matthias Hack und Busfahrer Uwe „Bus-Mann“ Hussmann gemeinsam bei unserem Heimatverein TuRa Elsen, Vereins-Boss Wilfried Finke (DER Macher und Visionär des Vereins schlechthin) war einige Jahre mein Chef und Arbeitgeber und SCP-Jahrhunderttrainer Pavel Dotchev zählt zu meinem heutigen Freundeskreis.

Wird immer größer: der SCP-Fan-Block

Ein weiterer Grund, dem SCP die Daumen zu drücken? Klar, den gibt es. Denn in Reihen des aktuellen Kaders des Aufsteigers stehen einige Akteure, die in der Vergangenheit das schwattgelbe BVB-Trikot trugen. Die Paderborner Eigengewächse Mahir Saglik und Lukas Kruse fanden über die BVB-Amateure den Weg zurück in ihre Heimatstadt. Mario Vrancic, Marvin Bakalorz, Martin Amedick und Uwe Hünemeier haben ebenfalls eine Dortmunder Vergangenheit. Und mit Marvin Ducksch kickt eine junge und hoffnungsvolle Leihgabe der Borussia für eine Saison an der Pader.

Andersrum hat auch Borussia Dortmund von Spielern profitiert, die aus dem SC Paderborn hervorgingen. So wechselte 1984 mit Günter Kutowski ein Akteur von der Pader an die Ruhr, der für Borussia 288 Bundesligaspiele bestritt und in Fankreisen des BVB noch heute Kultstatus genießt. Martin Driller und Norbert Runge sind zwei weitere Beispiele für Dortmunder Pader-Importe. Patrick Owomoyela schließlich nahm vom SC Paderborn kommend den Umweg über Bielefeld und Bremen in Jürgen Klopps Kader.

Vom SCP zum BVB: Kutowski

Mit dem Aufstieg des SC Paderborn 07 hat nun jeder Bundesliga-Spieltag für mich zwei Highlights parat. Solange sich die Spiele meines BVB und die des SCP zeitlich nicht überschneiden, werde ich mir selbstverständlich die Partien BEIDER Klubs anschauen. Genau 32 mal werde ich dabei dem SCP die Daumen drücken, damit den Blau-Schwarzen in Form des Klassenerhalts eine noch größere Sensation als der Aufstieg gelingt.

Nur zweimal – und da mögen mir alle Paderborner verzeihen – schlägt mein Herz einzig und allein für Schwarzgelb. In den direkten Duellen beider Klubs hört die „Freundschaft“ für neunzig Minuten auf. Denn tief im Herzen ist nur Platz für EINEN der beiden Klubs – und das ist und bleibt Borussia Dortmund.

In diesem Sinne begrüße ich quasi als „Fan-Botschafter“ des BVB den SC Paderborn als 53. Mitglied in der Fußball-Bundesliga und wünsche dem Verein viel Erfolg und natürlich den Klassenerhalt. Wenn dann gleichzeitig „meine“ Borussen die „Großkopferten“ vom Weißwurst-Äquator im Sommer 2015 als Deutschen Meister ablösen, wäre es eine perfekte Saison.

In diesem Sinne verbleibe ich mit schwattgelben Grüßen  –  NUR   DER  BVB  !!

Werbeanzeigen

Supercup-Sieg: Borussia ist gerüstet!

Mit einem 2:0-Sieg über den Deutschen Meister und Erzrivalen Bayern München errang Borussia Dortmund zum fünften Mal den deutschen Supercup. Mkhitaryan und Aubameyang erzielten im ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion die Treffer zum hochverdienten Sieg. Der BVB ist damit Rekordsieger in diesem in Deutschland eher stiefmütterlich behandelten Wettbewerb. Bedeutungsvoller als der errungene Titel dürfte für die Westfalen aber ohnehin der erlangte Prestigegewinn im Direktvergleich mit dem ewigen Rivalen von der Isar sein.

Nur drei Tage nach dem völlig verkorksten Auftritt an der legendären Anfield-Road, in dem Borussia dem englischen Vizemeister FC Liverpool klar und deutlich mit 0:4 unterlag, zeigte die Elf von Trainer Jürgen Klopp ihren Fans im ersten Pflichtspiel der neuen Saison ein ganz anderes Gesicht.

Jubel nach Mikis 1:0 (Foto: kicker)

Beide Teams mußten auf einige ihrer namhaftesten Akteure verzichten. Beim BVB fehlten neben den beiden Weltmeistern Hummels und Weidenfeller mit Gündogan, Reus, Sahin und Blaszykowski vier weitere potentielle Stammkräfte. Dazu saßen mit Großkreutz und Durm zwei Weltmeister bedingt durch ihren verspäteten Trainingseinstieg zunächst auf der Bank.

Bei den Gästen aus München fehlten im Gegenzug so namhafte Protagonisten wie Robben, Ribery, Thiago und Schweinsteiger. Der vom BVB zu den Bayern gewechselte Superstar Robert Lewandowski betrat seine ehemalige Wirkungsstätte erstmals nicht im schwarzgelben Trikot der Borussia.

ANALYSE

Jürgen Klopp beantwortete die Frage nach dem möglicherweise im BVB-Spiel entstandenen Lewandowski- Vakuum mit einem Systemwechsel. Borussias Coach ordnete seine Manschaft in einem ungewohnten 4-4-2-System mit Raute und zwei Sturmspitzen an. Ihrem typischen Spielstil, basierend auf Balleroberung und schnellem Umschaltspiel, blieben die Borussen dabei jedoch nach wie vor treu.

Dominierten die Bayern die Anfangsphase noch mit ihrem gewohnten und auf Ballsicherheit ausgerichteten Kurzpass-Spiel, fand der BVB mit zunehmender Spieldauer immer besser in die Partie. Schon vor dem Seitenwechsel übernahm Dortmund die Initiative und kam zu der ein oder anderen guten Tormöglichkeit.

Jubel des Spidermans nach dem 2:0 (Foto: kicker)
Im zweiten Durchgang erspielte sich der BVB gar eine Torschuß-Statistik von 22:4 (!!). Besonders auffällig dabei der in jeder Hinsicht stark verbesserte Aubameyang, den Klopp als zweite Sturmspitze neben den italienischen Neuzugang Ciro Immobile positionierte. Letzterem fehlte zunächst trotz aller Bemühungen noch die Bindung zu seinen Mitspielern, später deutete der Millionen-Einkauf jedoch einige Male seine Klasse an.

 

Auch defensiv hinterließ der BVB einen zum jetzigen Zeitpunkt der Saison überraschend gefestigten Eindruck. Der griechische Nationalverteidiger Sokratis entpuppte sich dabei als überragender Akteur der Dortmunder Viererkette. Das direkte Duell mit seinem ehemaligen Mannschaftskameraden Lewandowski gewann „Papa“ klar und deutlich. „Lewy“ hatte bei seiner Rückkehr ins Westfalenstadion lediglich eine einzige nennenswerte Aktion, als er freistehend am glänzend reagierenden Langerak scheiterte.

Zweikampf Immobile/Alaba (Foto: kicker)

Mit der Hereinnahme von Erik Durm für Marcel Schmelzer zu Beginn der zweiten Halbzeit machte Jürgen Klopp deutlich, dass die Position des linken Außenverteidigers in Bezug auf den Saisonstart die am meisten umkämpfte im Dortmunder Kader sein könnte. Momentan scheint „Platzhirsch“ Schmelzer aufgrund der komplett absolvierten Vobereitung leicht die Nase vor Weltmeister und Herausforderer Durm zu haben.

Positiv auch der Auftritt von Henrikh Mkhitaryan. Der Armenier sprühte nur so vor Spiel- und Einsatzfreude. Daß „Miki“ ein super Fußballer ist, stand schon in seinem ersten BVB-Jahr außerhalb jeder Diskussion. Gelingt es dem Mittelfeld-Akteur jetzt noch, diese Leistung konstant abzurufen, könnte Mkhitaryan zu einem der Top-Stars der neuen Saison werden.

Dieses Prädikat wird sich Oliver Kirch wahrscheinlich nicht mehr verdienen können. Aber der 31jährige Spätstarter überzeugte nach einer für seine Verhältnisse bärenstarken Rückrunde auch im ersten Pflichtspiel der neuen Saison. Allein mit der Startelf-Nominierung unterstrich Jürgen Klopp Kirchs extrem gestiegenen Stellenwert im Edel-Kader des BVB.

MEINUNG/KOMMENTAR

Der Sieg im Supercup-Finale beweist, daß mit Borussia Dortmund in der neuen Saison zu rechnen sein wird. Allerdings sollte der Erfolg gegen die Bayern dabei ebenso wenig überbewertet werden, wie die einige Tage zuvor erlittene 0:4-Klatsche in Liverpool.

 

Das Spiel gegen den Erzrivalen unterstrich jedoch die sowohl in Qualität als auch Quantität gestiegene Breite des Dortmunder Kaders. Wie bereits an anderer Stelle dieses Blogs ausführlich analysiert (siehe Artikel „Kader der unbegrenzten Möglichkeiten“), bietet das Aufgebot des BVB eine Vielzahl an personellen und taktischen Variationsmöglichkeiten.

Beruhigend wirkt sich dabei vor allem die gewonnene Erkenntnis aus, daß Borussia auch ohne ihren abgewanderten Superstar Robert Lewandowski durchaus in der Lage ist, attraktiven und erfolgreichen Offensiv-Fußball zu spielen. Daß dabei noch nicht alles Gold ist, was glänzt, liegt in der Natur der Sache.

Denn vor allem die externen Neuzugänge benötigen Geduld. Für sie gilt es zunächst, sich nicht nur an die sportlichen Abläufe auf dem grünen Rasen, sondern auch an das für sie ungewohnte und spezielle Umfeld des BVB zu gewöhnen.

Auch die internen Neuzugänge in Person der nach und nach zurückkehrenden Rekonvaleszenten wie Gündogan, Blaszykowski und Subotic benötigen Zeit, um durch individuelle und zielgerichtete Trainingsumfänge zu alter Klasse zurückzufinden.

Gelingt es Jürgen Klopp dann noch, seine verspätet und erst nach und nach ins Training eingestiegenen Weltmeister relativ zügig in ihren gewohnten Rhythmus zu bringen, steht einer erfolgreichen Saison des BVB nichts mehr im Wege.

Selbst ein dermaßen beispielloses Verletzungspech wie das der vergangenen Saison dürfte den BVB diesmal nicht bis ins Mark erschüttern. Zum Ende der vergangenen Hinrunde verspielte Borussia alle Chancen auf die Meisterschaft, als Jürgen Klopp auf die reihenweise ausfallenden Leistungsträger nicht mit entsprechend gleichwertigen Alternativen reagieren konnte.

Mit dem jetzigen Kader ist Borussia Dortmund definitiv in der Lage, bis zum Ende der Saison auf allen drei Hochzeiten gleichmäßig erfolgreich und attraktiv zu tanzen.

In diesem Sinne verbleibe ich mit schwattgelben Grüßen.  NUR  DER  BVB  !!

Die PK nach dem Spiel mit Klopp und Guardiola (präsentiert von SportLiveDortmund):

DIE STATISTIK

Borussia Dortmund: Langerak – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer (46. Durm) – Kehl – Kirch (84. Bender), Mkhitaryan – Hofmann – Aubameyang (63. Ramos), Immobile

FC Bayern München: Neuer – Boateng, Martinez (31. Dante), Alaba – Hojberg (59. Götze), Gaudino, Rode, Bernat – Müller (46. Lahm), Lewandowski, Shaqiri

Tore: 1:0 Mkhitaryan (23.), 2:0 Aubameyang (62., Piszczek)

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)

Gelbe Karten: – Hojberg, Boateng, Lahm

Zuschauer: 80.667 (ausverkauft)

HIER SPRICHT KLOPPO

„Wir haben ein ganz, ganz tolles Spiel gemacht für die Phase, in der wir uns befinden. Wir sind ganz bestimmt nicht der unverdiente Gewinner und jetzt Rekordsupercupgewinner. Es ging für uns auch darum, auf das zu reagieren, was in Liverpool war. Das hat uns nicht gefallen. Denn es war das krasse Gegenteil von dem, wie wir Fußball spielen wollen. Heute konnte ich unseren Fußball wiedererkennen.

Wir haben Raute gespielt und Hoffi auf der Zehn. So wie Bayern spielt, bedeutet dies, dass die beiden Spitzen sehr breit verteidigen müssen. Und der Zehner muss rausrücken, um Druck ausüben zu können. Das haben die Jungs gut gemacht, sehr gut gemacht.

Wir waren gegen den Ball extrem griffig, haben hoch und mutig verteidigt. Wir sind konzentriert und konsequent geblieben, haben unsere Möglichkeiten gehabt nach tollen Balleroberungen. Das erste Tor haben wir erzwungen und das zweite toll herausgespielt und vollendet. Das größte Problem in Spielen gegen Bayern München ist, sie nicht zu Torchancen kommen zu lassen. Das ist uns über einen langen Zeitraum gelungen, weil wir das sehr, sehr kompakt verteidigt haben. Damit bin ich total zufrieden.

Oli Kirch hat einen Schlag auf den Spann abbekommen. Dort ist ein kleiner Riss. Marcel Schmelzer hat Adduktorenprobleme. Das kann eng werden für Stuttgart. Sokratis läuft auch nicht rund.“

MEINE BVB-NOTEN

Langerak (2), Piszczek (2,5), Sokratis (1), Ginter (3), Schmelzer (3), Kehl (3), Kirch (2,5), Mkhitaryan (2,5), Hofmann (3), Aubameyang (2), Immobile (3), Durm (3), Ramos (-), Bender (-).

Subotic: Comeback eines Musterprofis

Am vorigen Samstag war es endlich soweit. Beim Testspiel in Heidenheim kehrte Neven Subotic aktiv in den Spielbetrieb des BVB zurück. Nach ca. achtmonatiger Verletzungspause feierte Borussias Innenverteidiger sein Comeback im schwattgelben Dress. Nachdem der Serbe fast das komplette Programm beim Kurz-Trainingslager im Brixental ohne größere Beschwerden absolvieren konnte, hielt Jürgen Klopp die Zeit für gekommen, seinen Musterprofi zurück auf den grünen Rasen zu schicken. Eine gute Nachricht also nicht nur für Spieler und Trainer, sondern auch für die riesige Fangemeinde der Borussia.


Starkes Duo: Subotic/Hummels

Subotic hatte sich im November vergangenen Jahres beim Bundesligaspiel des BVB in Wolfsburg einen Kreuz- und Innenbandriss zugezogen und bildete bis dahin an der Seite von Mats Hummels eines der besten Verteidiger-Duos Europas. Sofort nach der erforderlichen Operation arbeitete der Abwehrspieler mit großem Ehrgeiz und noch größerem Willen an seinem Comeback.

Die schweißtreibende Schufterei abseits des grünen Rasens und getrennt von den Mannschaftskollegen hat sich für den 25jährigen Nationalspieler ausgezahlt. Unzählige Stunden durchlief Subotic die unvermeidliche und sowohl körperlich als auch mental kräftezehrende Odyssee durch Reha-Zentren und Krafträume. Sollten keine unvorhergesehenen Probleme oder Rückschläge am lädierten Knie auftreten, dürfte Subotic bis zum Bundesliga-Start „spielfit“ und endlich wieder vollständig einsatzbereit sein.

Persönliche Hilfe vor Ort

 

Trotz Reha-Stress und eng bemessener Freizeit kümmerte sich der BVB-Profi während seiner Abstinenz von der großen Fußball-Bühne weiter um sein „Projekt Wasser“. Mit seiner „Neven-Subotic-Stiftung“ versorgt Subotic Schulen in Äthiopien mit Toiletten und Wasserbrunnen. Selbst in Großteilen seines Urlaubs, den die meisten seiner Berufskollegen an den Badestränden dieser Welt verbringen, kümmert sich Neven persönlich und vor Ort um dieses Projekt.

Mit seinem Engagement für die Ärmsten der Armen will der Dortmunder benachteiligten Kindern helfen, deren Lebenschancen zu verbessern. Wenn Subotic über sein Projekt berichtet, glänzen und strahlen seine Augen. Durch seine regelmäßigen persönlichen Besuche vor Ort sind ihm diejenigen, für die er sich so sehr engagiert, noch mehr ans Herz gewachsen.

„Meine Motivation ist gewachsen und ich habe die Notwendigkeit des Handelns erkannt den Menschen, die es nicht so gut haben, zu helfen.“ (Neven Subotic)

(weitere Infos unter http://www.nevensuboticstiftung.de)

Fan-Nähe: Subotic in DO-City

 

Keine Frage. Mit Neven Subotic kehrt nicht nur ein Musterprofi, sondern auch ein „echter Typ“ und großartiger Mensch, auf den grünen Rasen zurück. Der serbische Nationalspieler erfreut sich aufgrund seines lockeren, stets freundlichen Auftretens sowie seiner gelebten Nähe zu den Fans größter Beliebtheit über Borussias Vereinsfarben hinaus.

Schön, daß Du zurück bist. Alles Gute, Neven!

In diesem Sinne – schwattgelbe Grüße.  NUR  DER  BVB !!

BVB: Kader der unbegrenzten Möglichkeiten?

Borussia Dortmund hat auf die ständigen Personal-Engpässe der vergangenen Saison reagiert und seinen Kader unter der Woche mit Nationalspieler und Weltmeister Matthias Ginter komplettiert. Mit dem Transfer des 20jährigen Defensiv-Allrounders sind die Personalplanungen des BVB nun abgeschlossen. Zwar betont Sportdirektor Michael Zorc, daß man den Markt weiter beobachte, jedoch keinen weiteren Transfer plane. Borussias Kader umfasst nun 25 absolute Top-Spieler. Nie war ein BVB-Aufgebot unter Jürgen Klopp dermaßen ausgewogen und qualitativ und quantitativ gleichermaßen breit aufgestellt wie das für die kommende Saison. Hat Borussia nun einen Kader der unbegrenzten Möglichkeiten?

Die Antwort lautet „Ja“. Denn dem BVB-Coach bieten sich zahlreiche nahezu gleichwertige Rotations- und Variationsmöglichkeiten – vor allem dürfte es dem Dortmunder Übungsleiter in Zukunft leichter fallen, auf  Verletzungen und sonstige Ausfälle zu reagieren. Zudem erhöht sich durch die hochwertigen Alternativen Klopps Handlungsspielraum während der Spiele. Je nach Spielstand bieten sich dem Borussen-Coach nun innerhalb der neunzig Minuten zahlreiche Optionen, um auf den jeweiligen Spielverlauf zu reagieren. Weiterer Vorteil: die Trainingsqualität wird durch den zu erwartenden Konkurrenzkampf deutlich erhöht.

Borussias Nr.1: Weidenfeller

Durch die extrem hohe Leistungsdichte dieses auch quantitativ üppigen Dortmunder Aufgebots, besteht darüber hinaus die Möglichkeit, sogenannten „unverzichtbaren“ Stammkräften wie Hummels oder Reus vor allem während der zahlreichen „englischen Wochen“ Verschnaufpausen und dringend notwendige Regenerationszeiten zu gönnen. Dadurch minimiert sich das Risiko, daß kleinere Blessuren wie in der Vergangenheit nur unzureichend auskuriert werden, sich anschließend verschlimmern und irgendwann schließlich zu langen Ausfallzeiten führen.

KADER-ANALYSE

Beim detaillierten Blick auf den schwattgelben Kader stellt man fest, daß nun sämtliche Positionen mindestens doppelt und vor allem hochwertig besetzt sind. Weiterer Trumpf des Dortmunder Aufgebots ist die Vielzahl an Spielern, die auf mehreren Positionen einsetzbar sind. Allen voran natürlich „Allzweckwaffe“ Kevin Großkreutz.

Hoffnungsträger: Gündogan

Während bei den Torhütern alles beim alten bleibt (Weidenfeller Nr.1, Langerak als Vertreter), stehen Klopp beispielsweise als Innenverteidiger mit Hummels, Subotic, Sokratis und Ginter vier absolute Hochkaräter, allesamt Nationalspieler, zur Verfügung. Dazu gesellt sich mit Marian Sarr ein Rohdiamant, dem Klopp nun in aller Ruhe und ohne Zeitdruck den finalen Feinschliff verpaßen kann.

Auch die Außenverteidiger-Positionen sind doppelt und zudem namhaft mit vier Nationalspielern besetzt. Piszczek und Großkreutz rechts, Schmelzer und Durm links. Großkreutz könnte in Notsituationen auch links aushelfen, der etatmäßige Innenverteidiger Ginter gar auf beiden Seiten.

Im defensiven Mittelfeld ist die Auswahl für maximal zwei zu besetzende Positionen noch größer. Sahin, Gündogan und Jojic kommen für die kreative Hälfte der Doppel-Sechs in Betracht, Kehl, Kirch und Bender als Staubsauger für die eher defensiv ausgerichtete Hälfte. Eine weitere und somit die siebte Option stellt auch hier Matthias Ginter dar.

Im offensiven Mittelfeld liest es sich ähnlich prominent und qualitativ hochwertig. Blaszczykowski, Aubameyang, Hofmann, Großkreutz, Reus, Mkhitaryan und Ji gelten hier als erste Optionen – jedoch besteht für Klopp auch die Möglichkeit, mit Gündogan einen der etatmäßigen „Sechser“ auf der „Zehn“ hinter einer oder zwei Sturmspitzen zu positioneren. Das gleiche gilt für Jojic. Der Serbe kann neben seinem Part als „Sechser“ auch die offensiven Außenbahnen (oder je nach System die Halbpositionen) besetzen.

„Last but not least“ der Angriff. Die vorderste Front ist trotz der namhaften Zugänge von Ramos und Immobile die „große Unbekannte“ beim BVB. Nach Lewandowskis Abgang bleibt abzuwarten, wann (und ob überhaupt) die ohne Frage hoffnungsvollen „Neuen“ die riesige Lücke, die der Pole hinterlassen hat, zu schließen imstande sind. Möglicherweise wird sich die Statik des BVB-Spiels verändern, weil sowohl der Italiener als auch der Kolumbianer andere Spielertypen sind als ihr polnischer Vorgänger.

Lewandowski-Nachfolger: Ciro Immobile

Bleibt Klopp seinem System mit nur einer echten Sturmspitze treu, dürften sich Immobile und Ramos um den jeweiligen Startelf-Platz streiten. Ji und/oder Aubameyang gelten hier eher als „Notlösungen“. Ramos könnte zudem auch in der offensiv ausgerichteten Dreier-Reihe hinter Immobile agieren.

Auch ein Systemwechsel wäre unter den gegebenen Umständen vorstellbar. Bisher bevorzugte Klopp meistens das über Jahre bewährte BVB-typische 4-2-3-1-System. Zuweilen begann der Dortmunder Coach auch im 4-1-4-1-System mit nur einem Sechser. Da die Anzahl der qualitativ hochwertigen Sturm-Alternativen trotz „Lewy´s“ Abgang größer geworden ist, könnte es sein, daß Klopp zusätzlich ein 4-3-3 oder 4-4-2-System (mit Raute oder „flacher Vier“) einstudiert und bei Bedarf anwendet.

In der Kader-Analyse noch unberücksichtigt ist der ein oder andere Nachwuchs- oder U23-Spieler. Die Vergangenheit hat gezeigt, daß sich im Laufe einer Vorbereitung immer wieder das ein oder andere Talent in den Vordergrund spielt. Im Vorjahr war dies z. B. Erik Durm. Der damalige Nobody sorgte in Bundesliga und Champions-League für soviel Furore, daß er nur wenige Monate später sogar auf den WM-Zug aufsprang und mit der deutschen Mannschaft in Brasilien Weltmeister wurde.

KOMMENTAR/MEINUNG

Das neue Aufgebot der Borussia präsentiert sich sowohl quantitativ als auch qualititativ auf einem enorm hohen Niveau. Immer vorausgesetzt, daß der personelle Krankenstand nicht wieder ähnlich inflationäre Höhen wie in der vergangenen Saison erreicht, die Langzeitverletzten schnell wieder zu alter Form finden und die Neuzugänge zügig integriert werden.

Das Zusammenwachsen des Kaders und das Greifen wichtiger Automatismen wird Zeit und Geduld bei allen Beteiligten (inkl. der Fans) erfordern. Gerade zu Saisonbeginn könnte es aufgrund des terminlich unterschiedlichen Trainings-Einstiegs der WM-Teilnehmer zu einigen Stotterern im BVB-Getriebe kommen. Zudem werden Gündogan und Reus definitiv in den ersten Saisonspielen verletzungsbedingt noch fehlen.

Somit ist in der ersten Phase der neuen Spielzeit besonders wichtig (u. U. auch auf Kosten der spielerischen Qualität), daß in erster Linie die nackten Ergebnisse stimmen, um der Konkurrenz nicht schon frühzeitig hinterherhecheln zu müssen. Der spielerische Feinschliff mit den daraus resultierenden Automatismen sowie das Zusammenwachsen dieses Edel-Kaders dürfte sich ohnehin über die komplette Hinrunde ziehen.

Ich bin sehr gespannt auf die ersten wirklich ernsthaften Spiele unseres BVB und blicke der kommenden Saison mit viel Spannung, Vorfreude und Optimismus entgegen.

In diesem Sinne – schwattgelbe Grüße. NUR  DER  BVB !!

WELTMEISTER! „Ein Hoch auf uns!“

Meine kleine Nachlese zum WM-Finale kommt zugegebenermaßen etwas spät. Aber am Tag nach dem Gewinn des vierten WM-Titels fühlte ich mich noch zu sehr berauscht von den Ereignissen des 13. Juli 2014. Ich war mir nicht sicher, ob ich meine Gedanken mit der nötigen Objektivität zusammenfassen und niederschreiben würde. Nun sind allerdings fast 72 Stunden seit dem Triumph unserer Mannschaft vergangen. Und siehe da: ich bin noch immer restlos begeistert – vom Auftritt unserer Mannschaft sowieso, aber auch von der gesamten WM.

In den zurückliegenden Tagen und Wochen des World-Cups wurde sowohl der Bundestrainer als auch die deutsche Mannschaft von dieser Stelle gelobt und kritisiert. Gelobt wurde nie überschwänglich, kritisiert niemals unter der Gürtellinie. Beides geschah immer respektvoll.

Und diesen Respekt hat niemand mehr verdient als diese deutsche Nationalmannschaft inklusive des Trainer- und Betreuerstabes. Und natürlich allen, die im Hintergrund nahezu unsichtbar, jedoch durchaus entscheidend zum Gesamterfolg beigetragen haben. Der verdiente Weltmeister besteht aus mehr als lediglich 23 Spielern und ihrem Bundestrainer.

WELTMEISTER! „Unser“ Mats auf der Fanmeile Berlin

Daß es nach zwischenzeitlichem Motorstottern nicht zum Getriebeschaden, sondern zu diesem wahnsinnigen deutschen Turnier-Happy-End kam, hatte den Ursprung in den Tagen nach dem Zittersieg der DFB-Elf im Achtelfinalspiel gegen Algerien. Bundestrainer Löw, bis dahin scheinbar stur an seinen teilweise umstrittenen System- und Personalentscheidungen festhaltend, erkannte die Notwendigkeit, Dinge zu verändern.

Lahm von der Sechs zurück auf rechts hinten, Klose als klassischer Mittelstürmer zurück in die Startformation. Das Abrücken Löws von seinen fest zementiert anmutenden Vorstellungen und Idealen verdient Hochachtung und großen Respekt – und wurde belohnt. Denn durch diese Korrekturen des Bundestrainers fand Deutschland im Viertelfinale gegen Frankreich (1:0) zu alter Sicherheit zurück.

Es folgte das spielerisch unfassbar spektakuläre 7:1 gegen Gastgeber Brasilien und schließlich der finale, auf einem hohen Niveau ausgetragene Abnutzungskampf im Endspiel von Maracana gegen gleichermaßen starke wie unbequeme Argentinier. Mario Götzes Tor in der 113. Minute war ein Treffer für die Ewigkeit.

Mit seinem „goldenen Schuß“ versetzte „der Hochbegabte“ ein ganzes Land in einen ekstatischen und kollektiven Freudentaumel. Zudem reiht sich der Ex-Dortmunder durch sein technisch perfekt erzieltes Siegtor nun in die Liste vergangener und unsterblicher WM-Helden wie Helmut Rahn, Gerd Müller und Andreas Brehme ein, die mit ihren entscheidenden Treffern Deutschland zu den WM-Titeln 1954, 1974 und 1990 schossen.

Atemlos durch die WM in Helenes Arme…

Ein Wort noch zu Jogi Löw. Wie schon in mehreren vorangegangenen WM-Spielen bewies der Bundestrainer auch gegen Argentinien unglaubliches Gespür und ein „gutes Händchen“ bei seinen Einwechslungen. Turnier-Joker Schürrle (3 Tore, 3 Assists) leistete die Vorarbeit für Final-Joker Götzes magischen Treffer. Mein Kompliment, Herr Löw!

Entscheidender Faktor für den WM-Sieg waren allerdings auch die Millionen Fußballfans in ganz Deutschland, die unsere Mannschaft mit Leidenschaft und Herzblut durch die Wochen des World-Cups begleitet und mit ihr gezittert und gejubelt haben.

Absoluter Höhepunkt der „Liebesbeziehung“ zwischen Fans und Mannschaft war der grandiose Empfang unserer Weltmeister am Dienstag auf der Berliner Fanmeile, wo sich ca. eine halbe Million Anhänger einfanden. Daß sich die deutsche Mannschaft dort nicht einfach nur präsentierte und sich mit den üblichen „warmen“ Worten artig bei ihren Anhängern bedankte, sondern mit einem eigens entworfenen Show-Programm Dankbarkeit und Respekt gegenüber den Fans ausdrückte, verlieh diesem triumphalen Abschluß der WM-Wochen eine ganz besondere Note.

Um es mit Andreas Bouranis Worten auszudrücken: „Ein Hoch auf uns!“. Denn nie zuvor spiegelte ein Song die Gefühlslage einer ganzen Nation so wieder, wie sein WM-Hit „Auf uns“. Ein „Hoch“ auf Mannschaft und Fans – ein „Hoch“ auf uns!

Abschließend nochmals ein großes „Dankeschön“ an die deutsche Nationalmannschaft, die mit dem Gewinn des „vierten Sterns“ nicht nur die Sehnsucht einer ganzen Nation stillte. Vielmehr hat sie in den Tagen von Brasilien bewiesen, was eine starke Gemeinschaft zu leisten imstande ist. Das DFB-Team hat sich als Musterbeispiel für Teamwork entpuppt. Der Star war die Mannschaft – nicht der Einzelne. DER Schlüssel zum Erfolg schlechthin.

In diesem Sinne allen eine schöne Sommerpause – man sieht sich spätestens, wenn die „Liga der Weltmeister“ am 23. August in ihre neue Saison startet.

(Fotos: Mats Hummels)

DFB-Elf: Löw muß „Back to the Roots“

Deutschland zittert und stolpert sich ins WM-Viertelfinale. Beim 2:1-Sieg n.V. gegen Algerien bewahrten Andre Schürrle und Mesut Özil mit ihren Treffern in der Verlängerung die DFB-Elf vor dem Ausscheiden. In der regulären Spielzeit war es allein Manuel Neuer, der unsere Mannschaft vor einer drohenden Niederlage rettete. Der Bayern-Keeper mußte einige Male Kopf und Kragen riskieren, um die Fehler seiner teils völlig indisponierten Vorderleute auszubügeln. Im deutschen Team stimmte außer Einsatz und später auch einem erkennbaren Siegeswillen so gut wie gar nichts. Die Löw-Elf hinkt den eigenen hohen Ansprüchen weiterhin deutlich hinterher.

Gegen die tapferen und mutigen Algerier mußte Bundestrainer Löw den Dortmunder Mats Hummels ersetzen, der sich eine Grippe einfing und gar nicht mit im Stadion war. Für ihn rückte Boateng von rechts in die Innenverteidigung. Boatengs Part auf der rechten Seite übernahm mit Skhodran Mustafi erneut ein Innenverteidiger. Hummels Ausfall allein kann jedoch nicht der Grund für das vogelwilde und desaströse Auftreten der Mannschaft in den ersten 45 Minuten gewesen sein.

Eher ist es die ernüchternde (aber von mir erwartete) Erkenntnis, daß durch das von Löw ohne Not kurz vor der WM installierte 4-3-3-System die Gesamtbalance im deutschen Team nicht passt – teilweise riesige Abstände zwischen den Mannschaftsteilen, individuelle taktische Fehler en masse, haarsträubende Abspielfehler und damit verbundene Ballverluste im Spielaufbau.

Fakt ist auch, daß diese ständige Diskussion um Löws neue „Ideen“ und seine Abkehr vom „alten“ System so langsam langweilt und nervt. Allerdings ist genau das die Wurzel allen Übels. Eine Detail-Analyse über die Ursachen der enttäuschenden deutschen Leistung(en) könnte man mühelos auf das Seiten-Volumen eines Tolkien-Romans ausdehnen. Darum nachfolgend nur ein kurzer Anriss der generellen deutschen Problematik bei dieser WM.

Wenn selbst eine aus vier Innenverteidigern bestehende Vierer-Abwehrkette in einem Spiel gegen Algerien noch von einem in Libero-Funktion agierenden Torhüter abgesichert werden muß, kann irgend etwas in der Gesamtstatik des Teams nicht stimmen. Ganz von der Gefahr zu schweigen, daß dieser Torhüter dabei nicht nur mehrfach eigenen Hals und Kragen riskiert sondern auch ständig Gefahr läuft, bei einer seiner halsbrecherischen Rettungsaktionen eventuell zu spät zu kommen und/oder einen Platzverweis zu erhalten.

Ebenso bleibt weiterhin unverständlich, daß mit Philipp Lahm der weltbeste rechte Außenverteidiger auf der „Sechser“-Position verschenkt wird. Nur weil dies für Bayern München vielleicht die beste aller Lösungen darstellt, muß das nicht auch für die Nationalmannschaft gelten.

Fraglich auch nach wie vor die Außenbahn-Rolle Mesut Özils, dessen Parade-Position im Löw´schen System ohne klassischen Mittelstürmer entfällt. Das wirft dann gleich auch die Frage nach Sinn und Unsinn der sogenannten „falschen Neun“ auf. Auch gegen Algerien war das oft herrschende „Vakuum“ im Angriffszentrum unübersehbar.

Schütze des 2:0: Mesut Özil

Fest steht, daß sich entgegen der alten (und auch in Brasilien von Löw angekündigten) Weisheit, nach der sich die deutsche Mannschaft in einem Turnier von Spiel zu Spiel immer steigert, die aktuelle Mannschaft nun von Spiel zu Spiel immer schlechter und zunehmend verunsicherter präsentiert. Eine positive Entwicklung ist nicht ansatzweise zu erkennen.

Der Bundestrainer muß nun endlich einlenken und von seiner bisher stur durchgezogenen Taktik abrücken. Hin zum alten System mit zwei Innen- und zwei echten Außenverteidigern, zwei Sechsern hinter einem offensiven Dreier-Mittelfeld und einem klassischen Mittelstürmer.

Damit einhergehend sollten die zweifellos hochbegabten Spieler unseres Kaders auf den Positionen eingesetzt werden, auf denen sie ihre Stärken ausspielen können und nicht derer beraubt werden. Kurz gesagt: weg vom 4-3-3 oder 4-1-2-3 hin zum altbewährten 4-2-3-1. Für einen solchen System-Wechsel ist es trotz des relativ weit fortgeschrittenen Turnierzeitpunkts noch nicht zu spät.

Eine Sieg-Garantie gegen Frankreich stellt eine Rückbesinnung Löws hin zum gewohnten System freilich nicht automatisch dar, würde aber die Chancen auf einen weiteren Verbleib im Turnier dramatisch erhöhen. Gegen Algerien wurde vom Glück, daß man dringend benötigt, um Weltmeister zu werden, ein Großteil in Anspruch genommen. Gegen Frankreich – und danach hoffentlich auch im Halbfinale – sollte sich Deutschland ausschließlich auf die eigenen Stärken besinnen und verlassen. Ob es so kommt, liegt allein in den Händen des Bundestrainers. Hält dieser stur am bisherigen System fest, rennt Deutschland offenen Auges ins (WM-)Verderben.

Darum muß nun Schluß sein mit der Schön-Rederei und Lob-Hudelei nach unverhältnismäßig schwer erkämpften Siegen gegen Fußball-„Mächte“ wie Ghana, die USA und Algerien. Gegen Frankreich muß endlich eine überzeugende Vorstellung der DFB-Elf her. Denn alles andere wird gegen den ersten echten „Brocken“ dieser WM nicht reichen.

Watzkes neuer Mega-Deal

Eine Woche vor dem offiziellen Trainingsauftakt der neuen Saison ist Borussia Dortmund außerhalb des grünen Rasens ein echter Coup gelungen. Die Schwattgelben gaben im Rahmen einer Pressekonferenz die Verlängerung des Vertrags mit Hauptsponsor „Evonik“ bis zum Jahr 2025 bekannt. Darüberhinaus ist es dem BVB gelungen, den Essener Spezielchemie-Konzern als strategischen Partner zu gewinnen. „Evonik“ erwarb sechs Millionen Aktien für 26,7 Millionen Euro, was einem Aktienanteil von 9,06 Prozent entspricht. Für die nahe Zukunft kündigte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sowohl weitere strategische Partnerschaften als auch eine zweite Kapitalerhöhung und eine wichtige Personalentscheidung an.


FAKTEN

Zwischen dem 1. Juli und dem 30. September will der BVB weitere 24,6 Millionen Aktien für einen oder mehrere weitere strategische Partner auf den Markt bringen. Watzke zeigte sich zuversichtlich, die bereits laufenden Sondierungsgespräche mit einigen Unternehmen zu einem positiven Abschluß bringen zu können. Um welche Unternehmen es sich dabei handelt, verriet der BVB-Boss dabei nicht. Spekulationen ranken sich um den aktuellen Stadion-Namensgeber „Signal Iduna“ sowie Borussias Ausrüsterfirma „Puma“.

Mit dem aus einer zweiten Kapitalerhöhung zu erwartenden Zufluss von mindestens 130 Millionen Euro plant Watzke einen „konservativen Umgang“ in Form einer Ablösung der aktuell noch vorhandenen Stadion-Verbindlichkeiten in Höhe von ca. 34 Mio. Euro sowie des Erwerbs der BVB-Geschäftsstelle am Ruhrschnellweg. Die dadurch ersparten Mittel für Zinsen, Miete und Tilgung sollen in die Mannschaft investiert werden.

Zusätzlich zur Besiegelung der strategischen Partnerschaft verlängerten BVB und „Evonik“ auch den laufenden Sponsoring-Vertrag bis 2025. Der bisherige Basisbetrag von zwölf Mio. Euro jährlich soll sich dabei deutlich erhöhen. Einen genauen Betrag wollten weder der BVB noch „Evonik“ nennen. Das Gesamtvolumen von neuem Sponsoren-Vertrag plus zweier Kapitalerhöhungen beläuft sich auf ca. 300 Mio. Euro.

KOMMENTAR / MEINUNG

Mit dem neuen Sponsoren-Vertrag und der Kapitalerhöhung stößt Borussia Dortmund in bisher nicht gekannte wirtschaftliche Dimensionen vor und ist für die Zukunft bestens gerüstet. Entgegen früherer Zeiten können sich alle Fans der Schwattgelben auf einen verantwortungsvollen Umgang der BVB-Verantwortlichen mit dem neuen „Kapitalsegen“ verlassen.

Zumal Hans-Joachim Watzke, der mit seiner Führungsmannschaft für absolute und zuverlässige Seriösität steht, erfreulicherweise andeutete, Borussia Dortmund über seine aktuell bis 2016 fixierte Vertragslaufzeit hinaus als Geschäftsführer erhalten bleiben zu wollen. Eine endgültige Entscheidung darüber soll bis zum Jahresende fallen.

Sollte sich Watzke wirklich zu einem weiterhin langfristigen Verbleib beim BVB entscheiden, wäre das ein personeller Meilenstein auf dem Dortmunder Weg, sich neben Bayern München als zweiter „Leuchtturm“ des deutschen Fußballs zu etablieren. Der „Retter von 2005“ wäre dann nach seinem erfolgreich durchgeführten Konsolidierungskurs auch der schwattgelbe „Architekt der Zukunft“. Es wäre für Borussia Dortmund ein noch größerer Glücksfall als der gesetzte wirtschaftliche Meilenstein.