Welcome, SC Paderborn 07

Klar ist das hier ein BVB-Blog – und das bleibt er auch.

Aber aus besonderem Anlass möchte ich heute von dieser Stelle aus einem Verein huldigen, der wohl als DER Sensationsaufsteiger in die Bundesliga-Annalen eingehen wird – und für fast ganz Fußball-Deutschland schon vor dem ersten Anpfiff der neuen Saison als sicherer Absteiger feststeht.

Ich sehe das allerdings ein wenig anders. Warum? Lest doch einfach selbst…


Heimstätte des SCP: die Benteler-Arena

Als gebürtigem und dort wohnhaften „Ur-Paderborner“ liegt mir der SCP naturgemäß am Herzen. Daß er darin allerdings nur die „zweite Geige“ spielt, liegt irgendwie in der Natur der Sache. Zum einen bin ich mit schwattgelbem Blut geboren und fußballerisch gesehen absolutes Dortmunder Ur-Gestein. Zum anderen dümpelte der SCP seit ich denken kann, in der fußballerischen Viert-, Dritt- oder Zweitklassigkeit mehr oder weniger vor sich hin. Dennoch habe ich schon immer neben den Besuchen des Westfalenstadions auch die Spiele des SCP verfolgt und oft live vor Ort erlebt.

Bei Wind und Regen im altehrwürdigen Hermann-Löns-Stadion mit knapp 1000 anderen „Unentwegten“ die Auftritte des damaligen TuS Schloß Neuhaus zu beobachten, war nicht immer vergnügungssteuerpflichtig. Aber dennoch erinnere ich mich auch an diese Zeit gerne zurück.

Mit der Fusion aus TuS Schloß Neuhaus und 1.FC Paderborn zum TuS Paderborn-Neuhaus, der sich dann Mitte der neunziger Jahre in „SC Paderborn 07“ umbenannte, wurde der Grundstein für die darauf folgende und bis heute andauernde Erfolgsgeschichte dieses Klubs gelegt.

Visionär und „Macher“: Wilfried Finke

Mit dem längst überfälligen Bau der heutigen Benteler-Arena fand der Verein dann 2008 endlich auch eine seiner lokalen Bedeutung angemessene Heimstätte. Ein Meilenstein auf dem Weg zu professionelleren Strukturen!

Dem dritten Zweitliga-Aufstieg 2009 folgte dann eine Konsolidierungsphase mit nachhaltigen fünf Jahren am Stück im Bundesliga-Unterhaus. Dabei schnupperte der SC Paderborn bereits 2012 zwischenzeitlich unter dem heutigen Leverkusener Coach Roger Schmidt an der deutschen Elite-Liga.

Doch erst mit dem vom TSV Havelse im Sommer 2013 verpflichteten Andre Breitenreiter gelang dem Verein nun sensationell und mit einem Mini-Etat ausgestattet der nie für möglich gehaltene Aufstieg in die „Liga der Weltmeister“.

Neben den rein lokalpatriotischen Gründen fühle ich mich allerdings auch persönlich mit dem SCP eng verbunden. Schließlich kickte ich in jungen Jahren mit Pressesprecher Matthias Hack und Busfahrer Uwe „Bus-Mann“ Hussmann gemeinsam bei unserem Heimatverein TuRa Elsen, Vereins-Boss Wilfried Finke (DER Macher und Visionär des Vereins schlechthin) war einige Jahre mein Chef und Arbeitgeber und SCP-Jahrhunderttrainer Pavel Dotchev zählt zu meinem heutigen Freundeskreis.

Wird immer größer: der SCP-Fan-Block

Ein weiterer Grund, dem SCP die Daumen zu drücken? Klar, den gibt es. Denn in Reihen des aktuellen Kaders des Aufsteigers stehen einige Akteure, die in der Vergangenheit das schwattgelbe BVB-Trikot trugen. Die Paderborner Eigengewächse Mahir Saglik und Lukas Kruse fanden über die BVB-Amateure den Weg zurück in ihre Heimatstadt. Mario Vrancic, Marvin Bakalorz, Martin Amedick und Uwe Hünemeier haben ebenfalls eine Dortmunder Vergangenheit. Und mit Marvin Ducksch kickt eine junge und hoffnungsvolle Leihgabe der Borussia für eine Saison an der Pader.

Andersrum hat auch Borussia Dortmund von Spielern profitiert, die aus dem SC Paderborn hervorgingen. So wechselte 1984 mit Günter Kutowski ein Akteur von der Pader an die Ruhr, der für Borussia 288 Bundesligaspiele bestritt und in Fankreisen des BVB noch heute Kultstatus genießt. Martin Driller und Norbert Runge sind zwei weitere Beispiele für Dortmunder Pader-Importe. Patrick Owomoyela schließlich nahm vom SC Paderborn kommend den Umweg über Bielefeld und Bremen in Jürgen Klopps Kader.

Vom SCP zum BVB: Kutowski

Mit dem Aufstieg des SC Paderborn 07 hat nun jeder Bundesliga-Spieltag für mich zwei Highlights parat. Solange sich die Spiele meines BVB und die des SCP zeitlich nicht überschneiden, werde ich mir selbstverständlich die Partien BEIDER Klubs anschauen. Genau 32 mal werde ich dabei dem SCP die Daumen drücken, damit den Blau-Schwarzen in Form des Klassenerhalts eine noch größere Sensation als der Aufstieg gelingt.

Nur zweimal – und da mögen mir alle Paderborner verzeihen – schlägt mein Herz einzig und allein für Schwarzgelb. In den direkten Duellen beider Klubs hört die „Freundschaft“ für neunzig Minuten auf. Denn tief im Herzen ist nur Platz für EINEN der beiden Klubs – und das ist und bleibt Borussia Dortmund.

In diesem Sinne begrüße ich quasi als „Fan-Botschafter“ des BVB den SC Paderborn als 53. Mitglied in der Fußball-Bundesliga und wünsche dem Verein viel Erfolg und natürlich den Klassenerhalt. Wenn dann gleichzeitig „meine“ Borussen die „Großkopferten“ vom Weißwurst-Äquator im Sommer 2015 als Deutschen Meister ablösen, wäre es eine perfekte Saison.

In diesem Sinne verbleibe ich mit schwattgelben Grüßen  –  NUR   DER  BVB  !!

WELTMEISTER! „Ein Hoch auf uns!“

Meine kleine Nachlese zum WM-Finale kommt zugegebenermaßen etwas spät. Aber am Tag nach dem Gewinn des vierten WM-Titels fühlte ich mich noch zu sehr berauscht von den Ereignissen des 13. Juli 2014. Ich war mir nicht sicher, ob ich meine Gedanken mit der nötigen Objektivität zusammenfassen und niederschreiben würde. Nun sind allerdings fast 72 Stunden seit dem Triumph unserer Mannschaft vergangen. Und siehe da: ich bin noch immer restlos begeistert – vom Auftritt unserer Mannschaft sowieso, aber auch von der gesamten WM.

In den zurückliegenden Tagen und Wochen des World-Cups wurde sowohl der Bundestrainer als auch die deutsche Mannschaft von dieser Stelle gelobt und kritisiert. Gelobt wurde nie überschwänglich, kritisiert niemals unter der Gürtellinie. Beides geschah immer respektvoll.

Und diesen Respekt hat niemand mehr verdient als diese deutsche Nationalmannschaft inklusive des Trainer- und Betreuerstabes. Und natürlich allen, die im Hintergrund nahezu unsichtbar, jedoch durchaus entscheidend zum Gesamterfolg beigetragen haben. Der verdiente Weltmeister besteht aus mehr als lediglich 23 Spielern und ihrem Bundestrainer.

WELTMEISTER! „Unser“ Mats auf der Fanmeile Berlin

Daß es nach zwischenzeitlichem Motorstottern nicht zum Getriebeschaden, sondern zu diesem wahnsinnigen deutschen Turnier-Happy-End kam, hatte den Ursprung in den Tagen nach dem Zittersieg der DFB-Elf im Achtelfinalspiel gegen Algerien. Bundestrainer Löw, bis dahin scheinbar stur an seinen teilweise umstrittenen System- und Personalentscheidungen festhaltend, erkannte die Notwendigkeit, Dinge zu verändern.

Lahm von der Sechs zurück auf rechts hinten, Klose als klassischer Mittelstürmer zurück in die Startformation. Das Abrücken Löws von seinen fest zementiert anmutenden Vorstellungen und Idealen verdient Hochachtung und großen Respekt – und wurde belohnt. Denn durch diese Korrekturen des Bundestrainers fand Deutschland im Viertelfinale gegen Frankreich (1:0) zu alter Sicherheit zurück.

Es folgte das spielerisch unfassbar spektakuläre 7:1 gegen Gastgeber Brasilien und schließlich der finale, auf einem hohen Niveau ausgetragene Abnutzungskampf im Endspiel von Maracana gegen gleichermaßen starke wie unbequeme Argentinier. Mario Götzes Tor in der 113. Minute war ein Treffer für die Ewigkeit.

Mit seinem „goldenen Schuß“ versetzte „der Hochbegabte“ ein ganzes Land in einen ekstatischen und kollektiven Freudentaumel. Zudem reiht sich der Ex-Dortmunder durch sein technisch perfekt erzieltes Siegtor nun in die Liste vergangener und unsterblicher WM-Helden wie Helmut Rahn, Gerd Müller und Andreas Brehme ein, die mit ihren entscheidenden Treffern Deutschland zu den WM-Titeln 1954, 1974 und 1990 schossen.

Atemlos durch die WM in Helenes Arme…

Ein Wort noch zu Jogi Löw. Wie schon in mehreren vorangegangenen WM-Spielen bewies der Bundestrainer auch gegen Argentinien unglaubliches Gespür und ein „gutes Händchen“ bei seinen Einwechslungen. Turnier-Joker Schürrle (3 Tore, 3 Assists) leistete die Vorarbeit für Final-Joker Götzes magischen Treffer. Mein Kompliment, Herr Löw!

Entscheidender Faktor für den WM-Sieg waren allerdings auch die Millionen Fußballfans in ganz Deutschland, die unsere Mannschaft mit Leidenschaft und Herzblut durch die Wochen des World-Cups begleitet und mit ihr gezittert und gejubelt haben.

Absoluter Höhepunkt der „Liebesbeziehung“ zwischen Fans und Mannschaft war der grandiose Empfang unserer Weltmeister am Dienstag auf der Berliner Fanmeile, wo sich ca. eine halbe Million Anhänger einfanden. Daß sich die deutsche Mannschaft dort nicht einfach nur präsentierte und sich mit den üblichen „warmen“ Worten artig bei ihren Anhängern bedankte, sondern mit einem eigens entworfenen Show-Programm Dankbarkeit und Respekt gegenüber den Fans ausdrückte, verlieh diesem triumphalen Abschluß der WM-Wochen eine ganz besondere Note.

Um es mit Andreas Bouranis Worten auszudrücken: „Ein Hoch auf uns!“. Denn nie zuvor spiegelte ein Song die Gefühlslage einer ganzen Nation so wieder, wie sein WM-Hit „Auf uns“. Ein „Hoch“ auf Mannschaft und Fans – ein „Hoch“ auf uns!

Abschließend nochmals ein großes „Dankeschön“ an die deutsche Nationalmannschaft, die mit dem Gewinn des „vierten Sterns“ nicht nur die Sehnsucht einer ganzen Nation stillte. Vielmehr hat sie in den Tagen von Brasilien bewiesen, was eine starke Gemeinschaft zu leisten imstande ist. Das DFB-Team hat sich als Musterbeispiel für Teamwork entpuppt. Der Star war die Mannschaft – nicht der Einzelne. DER Schlüssel zum Erfolg schlechthin.

In diesem Sinne allen eine schöne Sommerpause – man sieht sich spätestens, wenn die „Liga der Weltmeister“ am 23. August in ihre neue Saison startet.

(Fotos: Mats Hummels)

DFB-Elf: Die Wiedergeburt der Spielfreude

Welch ein historischer Tag für den deutschen Fußball. Im WM-Halbfinale in Belo Horizonte schrieb die DFB-Elf Fußballgeschichte. Mit sage und schreibe 7:1 zerlegte und demütigte Deutschland den fünfmaligen Weltmeister Brasilien und stürzte das Land des WM-Gastgebers in ein tiefes Tal der Tränen. Mit „Fußball vom anderen Stern“ katapultierte sich Deutschland ins WM-Finale am Sonntag Abend in Rio de Janeiro. Und im legendären Maracana-Stadion soll die Jagd nach dem vierten Titelgewinn nun auch ihre erfolgreiche Vollendung finden.

In den vergangenen Tagen und Wochen habe ich sowohl den Bundestrainer als auch die deutsche Mannschaft oft kritisiert. Zwar war der Respekt vor dem Erreichen des Halbfinales bei mir absolut vorhanden. Aber Begeisterung oder gar Euphorie über die Spielweise der deutschen Elf wollte sich bis zum Anpfiff des Halbfinales gegen Brasilien bei mir partout nicht einstellen.

Mir waren die Auftritte der deutschen Mannschaft zu sehr geprägt von kühlem und zweckmäßigem Ergebnisfußball. Leidenschaft und Spielfreude der vergangenen Jahre blieben in den ersten fünf WM-Spielen der Löw-Elf nahezu komplett auf der Strecke.

Am Dienstag Abend trat dann aber endlich das ein, was ich für die laufende WM nicht mehr für möglich gehalten hatte. Die DFB-Elf hat mich zum ersten Mal bei diesem World-Cup regelrecht begeistert. Bei einem 7:1 über die stolze Selecao gehen einem die Superlativen aus. Darum erübrigt sich auch eine Analyse der neunzig Minuten. Das Ergebnis allein spricht diesmal für sich.

Dabei hat mich vor allem die Art und Weise, wie Deutschland den Gastgeber und WM-Favoriten in seine Einzelteile zerlegte, sehr beeindruckt. Statt sich, wie in den anderen Spielen zuvor, mit einem 1:0 oder 2:0 zufriedenzugeben, legte Deutschland endlich mal nach und machte innerhalb weniger Minuten „den Sack zu“.

Mehr noch – die zuletzt tief verschüttete Spielfreude, die dieser Mannschaft bei der WM 2010 zu weltweiter Anerkennung und großem Respekt verholfen hatte, trat endlich wieder zu Tage und fand ihren Ausbruch in sieben herrlichen Treffern.

Schockiert hat mich allerdings das Auftreten der Brasilianer. Ich habe selten eine Mannschaft erlebt, die nach einem 0:1 so in sich zusammengefallen ist, wie gestern der WM-Gastgeber. Nahezu hilf- und wehrlos taumelte die „Selecao“ in eine Demontage. Aber nicht jeder Gegner hätte das so eiskalt und gleichzeitig berauschend ausgenutzt wie unsere Elf. Das war schlicht und einfach Fußball von einem anderen Stern. Chapeau!

Am meisten gefreut hat mich (neben dieser Gala des deutschen Kollektivs) der Treffer von Miro Klose. Mit seinem 16. Tor bei seiner vierten WM-Teilnahme hat Deutschlands Mittelstürmer den Brasilianer Ronaldo als Rekordtorschütze abgelöst und Fußball-Geschichte geschrieben. Keinem gönne ich das mehr als dem „ewigen“ Miro. Herzlichen Glückwunsch an den „alten Mann“ im DFB-Angriff!

Heute abend ermitteln die Niederlande und Argentinien den Finalgegner der deutschen Mannschaft. Mir wären Louis van Gaals Holländer zwar im Endspiel lieber, aber ich glaube, daß sich die Südamerikaner um Superstar Lionel Messi knapp mit 1:0 durchsetzen werden – und es zu einer Neuauflage des WM-Finals von 1990 kommt.

Wer immer jedoch am Sonntag Abend in Rio de Janeiro der Gegner unserer Jungs sein wird. Seit Dienstag Abend, dem Abend der Rückkehr deutscher Spielfreude, bin ich mir sicher, daß der neue Weltmeister Deutschland heißen wird.

DFB-Elf: 1:0 – Der Star ist die Mannschaft

Herzlichen Glückwunsch an die deutsche Mannschaft. Mit dem 1:0-Sieg über Frankreich zog die Löw-Elf ins Halbfinale der WM ein. Dortmunds Innenverteidiger Mats Hummels gelang im ausverkauften Maracana-Stadion von Rio de Janeiro mit seinem Kopfballtreffer nach Freistoß von Kroos das Tor des Tages. Durch den Sieg über die „Equipe Tricolore“ stellte Deutschland zudem einen neuen Rekord auf. Zum vierten Mal hintereinander steht die DFB-Elf bei einer Weltmeisterschaft im Halbfinale. Dort trifft sie am Dienstag Abend in Belo Horizonte auf Gastgeber Brasilien, der am Abend Kolumbien mit 2:1 bezwang.

Mit seiner Rückkehr vom zuletzt praktizierten 4-3-3 hin zum altbewährten 4-2-3-1-System setzte Bundestrainer Löw ein Zeichen mit Signalwirkung. Ein erneutes Auftreten wie gegen Algerien wollte Löw unter allen Umständen vermeiden – und die Rechnung ging auf. Die Stellschrauben, an denen der Bundestrainer nach dem Algerien-Spiel relativ kräftig drehte, erwiesen sich als absolut richtig. Philipp Lahm kehrte auf die Position des Rechtsverteidigers zurück, Hummels und Boateng spielten in der Innenverteidigung, Höwedes bildete das linke Glied der Viererkette. Per Mertesacker wurde zum personellen Härtefall und mußte auf die Bank.

Tor des Tages: Mats Hummels

Darüberhinaus setzte Löw wieder auf einen klassischen Mittelstürmer in vorderster Front. Miro Klose spielte erstmals von Beginn an, unterstützt von einer offensiven Dreier-Reihe mit Müller, Kroos und Özil. Der später für Klose eingewechselte Schürrle erwies sich als belebendes Element, auch wenn dem Chelsea-Star diesmal das nötige Abschlußglück fehlte. Schweinsteiger und Khedira bildeten die Doppel-Sechs und sorgten für die nötige Balance zwischen Defensive und Offensive.

Zwar war auch gegen Frankreich spielerisch längst nicht alles Gold was glänzte (leichtfertige Ballverluste; zu wenig Druck und Gefahr über die Außen; der finale Paß in der torgefährlichen Zone kam zu selten) – aber durch die Rückkehr zum alten System fand das Löw-Team nach einer teilweise konfusen Leistung gegen Algerien zu alter Sicherheit und Struktur zurück. Daß sich ein Gegner wie die Franzosen dennoch Torchancen erspielte, läßt sich auf diesem Niveau einfach nicht in Gänze verhindern. Dennoch präsentierte sich die DFB-Elf defensiv erheblich kompakter und im Spielaufbau strukturierter als in den Spielen zuvor.

Kollektiver Jubel nach dem 1:0

Eine geschlossene Teamleistung, aus der Neuer und Hummels herausragten, als Schlüssel zum Erfolg – der Star ist die Mannschaft. Alle für einen, einer für alle. Deutschland hat in der entscheidenden Turnierphase, auch mit Hilfe des nötigen Glücks, zurück in die Spur gefunden. Mit Brasilien wartet nun ein noch größerer Prüfstein auf die Löw-Elf, als es die starken Franzosen waren.

Mit der Einstellung und dem Teamspirit des Viertelfinals stehen Deutschlands Chancen auf den Einzug ins WM-Finale jedenfalls sehr gut. Löws Team hat Blut geleckt. Bleibt die Mannschaft auf dem gegen Frankreich eingeschlagenen Weg, könnte die Mission „Titelgewinn“ trotz aller vorherigen Personal- und Systemirrungen und -wirrungen diesmal erfolgreich beendet werden.

DFB-Elf: Löw muß „Back to the Roots“

Deutschland zittert und stolpert sich ins WM-Viertelfinale. Beim 2:1-Sieg n.V. gegen Algerien bewahrten Andre Schürrle und Mesut Özil mit ihren Treffern in der Verlängerung die DFB-Elf vor dem Ausscheiden. In der regulären Spielzeit war es allein Manuel Neuer, der unsere Mannschaft vor einer drohenden Niederlage rettete. Der Bayern-Keeper mußte einige Male Kopf und Kragen riskieren, um die Fehler seiner teils völlig indisponierten Vorderleute auszubügeln. Im deutschen Team stimmte außer Einsatz und später auch einem erkennbaren Siegeswillen so gut wie gar nichts. Die Löw-Elf hinkt den eigenen hohen Ansprüchen weiterhin deutlich hinterher.

Gegen die tapferen und mutigen Algerier mußte Bundestrainer Löw den Dortmunder Mats Hummels ersetzen, der sich eine Grippe einfing und gar nicht mit im Stadion war. Für ihn rückte Boateng von rechts in die Innenverteidigung. Boatengs Part auf der rechten Seite übernahm mit Skhodran Mustafi erneut ein Innenverteidiger. Hummels Ausfall allein kann jedoch nicht der Grund für das vogelwilde und desaströse Auftreten der Mannschaft in den ersten 45 Minuten gewesen sein.

Eher ist es die ernüchternde (aber von mir erwartete) Erkenntnis, daß durch das von Löw ohne Not kurz vor der WM installierte 4-3-3-System die Gesamtbalance im deutschen Team nicht passt – teilweise riesige Abstände zwischen den Mannschaftsteilen, individuelle taktische Fehler en masse, haarsträubende Abspielfehler und damit verbundene Ballverluste im Spielaufbau.

Fakt ist auch, daß diese ständige Diskussion um Löws neue „Ideen“ und seine Abkehr vom „alten“ System so langsam langweilt und nervt. Allerdings ist genau das die Wurzel allen Übels. Eine Detail-Analyse über die Ursachen der enttäuschenden deutschen Leistung(en) könnte man mühelos auf das Seiten-Volumen eines Tolkien-Romans ausdehnen. Darum nachfolgend nur ein kurzer Anriss der generellen deutschen Problematik bei dieser WM.

Wenn selbst eine aus vier Innenverteidigern bestehende Vierer-Abwehrkette in einem Spiel gegen Algerien noch von einem in Libero-Funktion agierenden Torhüter abgesichert werden muß, kann irgend etwas in der Gesamtstatik des Teams nicht stimmen. Ganz von der Gefahr zu schweigen, daß dieser Torhüter dabei nicht nur mehrfach eigenen Hals und Kragen riskiert sondern auch ständig Gefahr läuft, bei einer seiner halsbrecherischen Rettungsaktionen eventuell zu spät zu kommen und/oder einen Platzverweis zu erhalten.

Ebenso bleibt weiterhin unverständlich, daß mit Philipp Lahm der weltbeste rechte Außenverteidiger auf der „Sechser“-Position verschenkt wird. Nur weil dies für Bayern München vielleicht die beste aller Lösungen darstellt, muß das nicht auch für die Nationalmannschaft gelten.

Fraglich auch nach wie vor die Außenbahn-Rolle Mesut Özils, dessen Parade-Position im Löw´schen System ohne klassischen Mittelstürmer entfällt. Das wirft dann gleich auch die Frage nach Sinn und Unsinn der sogenannten „falschen Neun“ auf. Auch gegen Algerien war das oft herrschende „Vakuum“ im Angriffszentrum unübersehbar.

Schütze des 2:0: Mesut Özil

Fest steht, daß sich entgegen der alten (und auch in Brasilien von Löw angekündigten) Weisheit, nach der sich die deutsche Mannschaft in einem Turnier von Spiel zu Spiel immer steigert, die aktuelle Mannschaft nun von Spiel zu Spiel immer schlechter und zunehmend verunsicherter präsentiert. Eine positive Entwicklung ist nicht ansatzweise zu erkennen.

Der Bundestrainer muß nun endlich einlenken und von seiner bisher stur durchgezogenen Taktik abrücken. Hin zum alten System mit zwei Innen- und zwei echten Außenverteidigern, zwei Sechsern hinter einem offensiven Dreier-Mittelfeld und einem klassischen Mittelstürmer.

Damit einhergehend sollten die zweifellos hochbegabten Spieler unseres Kaders auf den Positionen eingesetzt werden, auf denen sie ihre Stärken ausspielen können und nicht derer beraubt werden. Kurz gesagt: weg vom 4-3-3 oder 4-1-2-3 hin zum altbewährten 4-2-3-1. Für einen solchen System-Wechsel ist es trotz des relativ weit fortgeschrittenen Turnierzeitpunkts noch nicht zu spät.

Eine Sieg-Garantie gegen Frankreich stellt eine Rückbesinnung Löws hin zum gewohnten System freilich nicht automatisch dar, würde aber die Chancen auf einen weiteren Verbleib im Turnier dramatisch erhöhen. Gegen Algerien wurde vom Glück, daß man dringend benötigt, um Weltmeister zu werden, ein Großteil in Anspruch genommen. Gegen Frankreich – und danach hoffentlich auch im Halbfinale – sollte sich Deutschland ausschließlich auf die eigenen Stärken besinnen und verlassen. Ob es so kommt, liegt allein in den Händen des Bundestrainers. Hält dieser stur am bisherigen System fest, rennt Deutschland offenen Auges ins (WM-)Verderben.

Darum muß nun Schluß sein mit der Schön-Rederei und Lob-Hudelei nach unverhältnismäßig schwer erkämpften Siegen gegen Fußball-„Mächte“ wie Ghana, die USA und Algerien. Gegen Frankreich muß endlich eine überzeugende Vorstellung der DFB-Elf her. Denn alles andere wird gegen den ersten echten „Brocken“ dieser WM nicht reichen.

DFB-Elf: Bitte mehr Herz gegen Algerien

Vor dem WM-Achtelfinalspiel der deutschen Mannschaft gegen Algerien sind in der öffentlichen Wahrnehmung die Rollen klar verteilt. Deutschland gilt als der haushohe Favorit. Sogar von einem „Freilos“ für die Löw-Elf war in den sozialen Netzwerken die Rede. Doch wer die Gruppenspiele der Algerier verfolgt hat, kommt zu einer völlig anderen und vor allem dieser Mannschaft gegenüber respektvolleren Einschätzung. Daß Deutschland bisher beide Vergleiche mit den Nordafrikanern verloren hat, ist eine rein statistische Tatsache – aber sicher nicht der Hauptgrund, diese Mannschaft besser nicht zu unterschätzen.

Es steht natürlich außerhalb jeder Diskussion, daß die DFB-Elf die größere fußballerische Qualität besitzt. Individuell dürfte jede einzelne unserer Kaderpositionen besser besetzt sein. Algerien wird aber mit großer Leidenschaft, unbändigem Willen und viel Mut und Feuer dagegenhalten. Außerdem hinterläßt das skandalöse WM-Aus 1982 auch 32 Jahre danach noch tiefe Narben in der Seele des algerischen Fußballs. Zwar wurde Deutschland damals mit 2:1 bezwungen, doch mit der „Schmach von Gijon“ sorgte die deutsche Mannschaft damals in Co-Produktion mit den eigentlich ungeliebten Nachbarn aus Österreich für den Gruppen-K.O. der Algerier.

Mit ihrer unorthodoxen Spielweise ist diese Mannschaft durchaus in der Lage, der Löw-Elf Probleme zu bereiten. Defensiv sind die Afrikaner zwar anfällig, die quirligen Offensiv-Akteure der Algerier dürften jedoch nicht gerade nach dem Geschmack der aus vier Innenverteidigern bestehenden Viererkette der Deutschen sein. Das könnte ein Grund sein, der Bundestrainer Löw zumindest für dieses Spiel zu einem Umdenken veranlasst. Es gilt als nicht ausgeschlossen, daß anstelle des defensiv zuverlässigen, aber offensiv wirkungslosen Höwedes diesmal der Dortmunder Erik Durm eine Chance von Beginn an erhält. Durm könnte besser zur unberechenbaren, „wuseligen“ Spielweise der Algerier passen – und gleichzeitig auch für eine Belebung der offensiv bisher nahezu brachliegenden linken Seite sorgen.

Einen weiteren Startelf-Wechsel könnte es im defensiven Mittelfeld geben. Wahrscheinlich wird der gegen die USA geschonte Sami Khedira in die Mannschaft zurückkehren. Bastian Schweinsteiger, für mich gegen Klisnmanns US-Boys bester deutscher Spieler, müßte dann wohl wieder auf die Bank – es sei denn, Löw gönnt dem zuletzt nicht voll überzeugenden Kroos eine Verschnaufpause.

Wer immer auch morgen in der deutschen Startelf steht. Entscheidend ist die Einstellung zum Spiel und die Art und Weise des Auftretens unserer Mannschaft. Ich würde mir von unserer Elf – auch nach einer möglichen Führung – mehr Feuer und Leidenschaft statt kühler Ergebisverwaltung wie gegen die USA wünschen. Denn der unbedingte Drang, ein zweites oder drittes Tor erzielen zu wollen, muß nicht zwangsläufig auf Kosten der Defensive gehen und somit zu einer unnötig risikoreichen Spielweise führen.

Sollte Deutschland das beherzigen und endlich die Spielfreude entwickeln wie beim World-Cup 2010 in Südafrika, könnte das auch bei mir zu einer Begeisterung für unser Team führen, die mich bisher partout nicht so richtig packen will.

In diesem Sinne hoffe ich auf ein sowohl erfolgreiches als auch attraktives Spiel unserer Elf. Joachim Löw wies bezüglich der noch nicht restlos überzeugenden Auftritte seiner Mannschaft in der gestrigen Pressekonferenz darauf hin, daß die WM ein Marathon und kein 100-Meter-Sprint sei. Das stimmt durchaus – allerdings kommt nicht jeder Marathonläufer auch ins Ziel. Hoffen wir, daß Löw und seine Jungs die nächste Etappe des WM-Marathons, sprich das Viertelfinale, erreichen. Algerien wird unserer Mannschaft jedenfalls alles abverlangen.

Mein Tipp:

Es wird ein schweres Spiel für unsere Mannschaft. Aber wir gewinnen mit 2:1.

Die mögliche Startaufstellung:

Neuer – Boateng, Mertesacker, Hummels, Höwedes (Durm) – Khedira (Schweinsteiger), Lahm, Kroos – Özil, Müller, Götze (Schürrle).

DFB-Elf: Ohne Glanz ins Achtelfinale

Glückwunsch an Jogi Löw und seine Mannschaft. Durch das 1:0 gegen die vom ehemaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann gecoachte USA qualifizierte sich Deutschland mit sieben Punkten als souveräner Gruppensieger fürs WM-Achtelfinale. Überzeugt hat mich unsere Mannschaft gegen die harmlosen US-Boys allerdings nicht. Die Löw-Elf tat nicht mehr als nötig und erweckte den Eindruck, „Dienst nach Vorschrift“ zu schieben. Viel Ballbesitz und Spielkontrolle, aber zu wenig Feuer und Spielfreude bestimmten den insgesamt zähen Auftritt der deutschen Mannschaft. Den sich zu Recht selbst auferlegten hohen Ansprüchen wurden unsere Jungs diesmal nicht gerecht


Seriöse Aufschlüsse über die aktuelle Leistungsstärke der Deutschen konnte der Gruppen-Showdown allerdings auch nicht bringen. Dafür waren die US-Amerikaner zu bieder und zu harmlos. Im Gefühl, nicht wirklich gefordert zu werden, nahm die Löw-Elf nach vielversprechendem Beginn mit zunehmender Spieldauer immer mehr Tempo aus dem Spiel und machte der tiefstehenden und aggressiven Defensive der Klinsmann-Elf das Verteidigen somit relativ einfach.

Im Dauerregen von Recife kontrollierte Deutschland durch viel Ballbesitz zwar jederzeit das Geschehen, agierte aber vor dem US-Strafraum meistens viel zu umständlich. Der finale Pass für gefährliche Abschluß-Aktionen glückte nur selten. Ein probates Mittel, die kompakte Defensive der Amerikaner aufzureißen, wäre das Spiel über die Außenbahnen gewesen – doch von zwei, drei Boateng-Aktionen im ersten Durchgang abgesehen, stieß kaum einmal ein Akteur zur Grundlinie durch.

Mit der Hereinnahme von Klose reagierte Bundestrainer Löw zur Pause auf das Vakuum in vorderster Front. Thomas Müller nutzte schließlich die zu Beginn der zweiten Halbzeit erzwungene Druckperiode der DFB-Elf zum viel umjubelten Führungstreffer. Danach beschränkte sich Deutschland jedoch auf Ergebnisverwaltung. Neben fehlenden Tempowechseln ließ die Mannschaft vor allem den unbedingten Willen und die letzte Gier vermissen, das Spiel mit einem weiteren Tor endgültig zu entscheiden. Das wäre in der Nachspielzeit beinahe noch mit dem Ausgleichstreffer der Amerikaner bestraft worden.

Bei allem Verständnis für Jogi Löw, nach der Harakiri-Schlußphase gegen Ghana das Hauptaugenmerk zunächst auf defensive Stabilität und Spielkontrolle zu legen – von einer Mannschaft mit dem Offensiv-Potential Deutschlands muß man gegen einen solchen Gegner einfach mehr erwarten dürfen. Wirklich herausgespielte klare Torchancen der DFB-Elf waren an den Fingern einer Hand abzuzählen. Bezeichnenderweise fiel Müllers Tor des Tages im Anschluß an eine Standard-Situation.

In seiner Spiel-Analyse lobte ZDF-Experte Oliver Kahn zu Recht die Leistung Bastian Schweinsteigers. Der Münchner war wie erwartet für den zuletzt nach langer Verletzung erschöpft wirkenden Khedira ins deutsche Team gerückt. „Schweini“ war bis zu seiner Auswechslung bester deutscher Spieler.

Nicht nachvollziehen kann ich allerdings Kahns Beurteilung der mannschaftlichen Gesamtleistung. Der ehemalige Weltklasse-Keeper attestierte unserer Elf in seiner Analyse eine zufriedenstellende Vorstellung. Thomas Helmer äußerte sich da schon wohltuend kritischer und zeigte sich vom Auftritt der Löw-Elf wenig überzeugt.

Im Achtelfinale wartet am kommenden Montag mit Algerien nun ein echter Angstgegner auf Deutschland. Gegen die Afrikaner bestritt die Nationalmannschaft bisher zwei Spiele – beide wurden verloren (u. a. 1:2 bei der WM 82). Um eine dritte Niederlage und das vorzeitige Ausscheiden aus dem Turnier zu verhindern, muß sich die Löw-Elf erheblich steigern. Luft nach oben ist zweifellos reichlich vorhanden. Die Algerier sind zwar spielerisch limitiert, agieren aber stets mit jenem Herzblut, das Deutschland diesmal vermissen ließ.